Einpersonenstück über eine Sozialistin
Maria Emhart – Rädelsführerin im Kampf für die Demokratie

Foto: Foto Anita Zieher als Maria Emhart (c) Nela-Valentina Pichl
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  • hochgeladen von Johann Günther

Wien – Im Drachentheater in Wien führte das Portrait Theater die Geschichte der Widerstandskämpferin Maria Emhart auf. Die Premiere war am Montag 21. Oktober 2024. Der Zuschauerraum war voll besetzt.
Am Beispiel einer Frau – Maria Emhart – wird die Zeit von 1900 bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dargestellt. Das ist ein sehr anschaulicher Weg, wenn man anhand einer Person die Geschehnisse der Zeit vorgeführt bekommt. Viele der Texte könnten auch heute Verwendung finden. Unsere heutige Zeit hat viele Ähnlichkeiten mit jener der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Deswegen war es auch wichtig, dass viele junge Besucher im Publikum saßen.
Es war ein Einpersonenstück, in dem die engagierte Schauspielerin Anita Zieher das Publikum in Bann hielt. Die verwendeten Texte stammten von Maria Emhart – der vorgeführten Frau – von der Schauspielerin und von Zeitgenossen. Also keine Dichtung, sondern eine Dokumentation. Es ging um den Sozialismus und Anita Zieher gab, bevor sie zu spielen begann, eine Einführung, in der sie empfahl sich dem Thema wertneutral zu stellen. Egal welchen politischen Background jemand hat. Man soll sich informieren und die Texte wirken lassen. Generell ist das Sprechen über den Sozialismus in der heutigen Zeit kein gutes Thema. Gleich setzt sie aber hinzu „Aber vielleicht doch.“
Maria Emhart wurde 1901 als uneheliches Kind einer Landarbeiterin in Phyra in Niederösterreich geboren. Mit 14 Jahren beginnt sie in der Glanzstofffabrik in Sankt Pölten zu arbeiten. Sie muss sich zwei Mal vorstellen, denn dem ersten Personalchef war sie zu schwach für die schwere Arbeit. Beim zweiten Mal zog sie einen weiten Rock an, in den sie Eisenteile genäht hatte, um schwer und gewichtig zu wirken. 1921 heiratet sie einen Eisenbahner, mit dem sie bis zu seinem Tod zusammenlebte. Das junge Paar bezog ein einfaches Quartier in einer Barackensiedlung.
Bereits 1918 trat sie in die Sozialistische Arbeiterpartei ein und wurde Betriebsrätin in der Glazstoffabrik. Bei politischen Schulungen lernt sie wichtige Politiker der Sozialdemokratie kennen. Darunter auch den späteren Bundeskanzler Bruno Kreisky. Beginn der 1930er Jahre wird sie in den Sankt Pöltner Gemeinderat gewählt. Als die Sozialistische Partei verboten wurde, agierte sie im Untergrund. Zwei Mal wurde sie auch verhaftet, war längere Zeit im Gefängnis und entging knapp einer Hinrichtung. Sie hatte 1934 einen Aufstand in Sankt Pölten organisiert. Während des Gefängnisaufenthalt verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Eine reiche Sozialistin finanziert ihr eine Kur in der Schweiz. In Österreich steht sie inzwischen auf der Fahndungsliste. Trotzdem kehrt sie heimlich nach Österreich zurück und agiert mit falschem Namen im Untergrund. Bei der Teilnahme an einem internationalen Kongress in Brünn wurde sie verraten und wieder verhaftet. Sie bekommt eine 18-monatige Kerkerstrafe. Ihr Mann, der Eisenbahner wird aufgefordert sich scheiden zu lassen, sonst verliert er seinen Job. Pro Forma machen sie das. Als Maria Emhart entlassen wurde, zog sie wieder zu ihrem Mann. Das brachte neue Schwierigkeiten, denen sie durch Übersiedlung nach Bischofshofen entgingen. Dort führte sie die Untergrundarbeit weiter und nach dem Krieg wurde sie Vizebürgermeisterin in Bischofshofen. Sie machte praktisch die Arbeit des kränkelnden Bürgermeisters. Das Bürgermeisteramt wollte sie nicht annehmen. „Zu meiner Zeit gab es noch Männer, die Frauen in der Politik offen abgelehnt haben, auch in unserer Partei. Ich habe denen immer gesagt: Glauben sie nur ja nicht, dass sie einen Staat ohne Frauen regieren können.“
Ihre politische Karriere ging weiter: sie wurde Landtagsabgeordnete in Salzburg und später Nationalratsabgeordnete in Wien. Als ihr Mann krank wurde, legte sie das Mandat im Wiener Parlament zurück und betreute ihn bis zu seinem Tod. Maria Emhart starb 1981.
Es ist gut, wenn man Weltgeschichte nicht aus einer großen Metropole heraus berichtet, sondern, wie sich diese in kleinen Orten und Städten wie Sankt Pölten und Bischofshofen ausgewirkt hat.

Das Stück wird noch vom 21.-25. Oktober 2024 und 5.-9. November 2024 im Theater Drachengasse, in Wien gespielt.

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