Ostumfahrung Wiener Neustadt
Musikvideo „Stopp dem Betonwahnsinn“ als Internet-Hit

Michaela Daniel an der S4-Anschlussstelle zur Ost“Umfahrung“ (Video-Screenshot).
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  • Michaela Daniel an der S4-Anschlussstelle zur Ost“Umfahrung“ (Video-Screenshot).
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Die Wiener Neustädterin Michaela Daniel sorgt mit der Cover-Version von „Denkmal“ auf YouTube für Furore. Dem Widerstand gegen die Wiener Neustädter Ostumfahrung, ein 40-Millionen-Euro-Straßenprojekt aus den 1970ern, verschafft sie damit noch mehr Rückenwind.

NIEDERÖSTERREICH/WIENER NEUSTADT. Beruflich ist Dipl. Ing. Michaela Daniel, PhD im Gesundheitswesen tätig. Umwelt- und Klimaschutz waren ihr schon immer große Anliegen. Klimawandel war ihr Matura-Spezialgebiet im BORG Wr. Neustadt „Das war vor 13 Jahren! Es ist beschämend, wie wenig seither passiert ist und dass gerade im Verkehr die Politik immer noch völlig falsche Weichen stellt, deren schädliche Auswirkungen uns alle nicht nur punktuell sondern über die kommenden Jahrzehnte belasten werden", sagt die 31-Jährige.

Österreich ist Europameister der Bodenversiegelung und Wiener Neustadt hat den höchsten Flächenverbrauch pro Person. Somit lag es für Michaela Daniel auf der Hand, sich gegen die Ost“Umfahrung“ zu stellen. Die Anrainerproblematik ist für sie zweitrangig, aber sie möchte nicht, dass ihre zukünftigen Kinder auf dem Siedlungsspielplatz spielen müssen, der dann in unmittelbarer Nähe der geplanten Straße mit 14.000 Fahrzeugen (davon 700 LKWs) am Tag läge. Die gesundheitlichen Folgen von Lärm und Luftverschmutzung (Feinstaub, Stickoxide, Reifenabrieb, Schwermetalle) sind für Kleinkinder besonders schädlich.

Michaela Daniel am Spielplatz, an dem über 14.000 Fahrzeuge täglich drohen.
  • Michaela Daniel am Spielplatz, an dem über 14.000 Fahrzeuge täglich drohen.
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Die Bevölkerung ist dagegen

Ähnliche Projekte (Lobau-Autobahn, Stadtstraße Aspern, S34) treffen auf härtesten Widerstand aus der Bevölkerung. Der neue Protestsong soll all diese Bürgerinitiativen unterstützen. Das langjährige Chormitglied Michaela Daniel sieht das Musikvideo als gute Mischung aus Information und Emotion. Auf Youtube, Instagram und Facebook kommen der aufrüttelnde Songtext und die Kraft der Bilder sehr gut an: viele Bilder von Tieren, Auwald und Feldern, die Darstellung des Trassenverlaufs, bedrohliche Szenen von Straßenbau und Klimakrise - und mittendrin die Sängerin.

Michaela Daniel möchte die Bevölkerung auf das drohende Projekt und auf Fakten abseits der Polit-Propaganda aufmerksam machen und zudem Menschen motivieren, aktiv zu werden gegen Bodenversiegelung und Klimakrise: „Der Unmut über die alte Politik wächst und immer mehr Menschen stellen sich mutig gegen die Profitgier auf Kosten der Allgemeinheit. Schlussendlich ist genau das eine Frage der Zivilcourage!“

Michaela Daniel an der S4-Anschlussstelle zur Ost“Umfahrung“.
  • Michaela Daniel an der S4-Anschlussstelle zur Ost“Umfahrung“.
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Zahlen und Fakten zur Ost”Umfahrung”:

Entlastungsschmäh: Trotz Ost“Umfahrung“ würde das Verkehrsaufkommen an allen innerstädtischen Straßenzügen teils massiv ansteigen. Im gesamten Untersuchungsgebiet kämen zusätzliche 3.500 Kfz-Fahrten/Tag als induzierter Verkehr hinzu. Das angebliche Hauptziel des Projekts würde also verfehlt. Wr. Neustadt hat laut Bundesverwaltungsgericht (BVWG) ein Einpendel- und Binnenverkehrsproblem, doch man setzt nur auf eine weitere „Umfahrung“ (zusätzlich zu A2 & S4).

Betonhauptstadt:
Wiener Neustadt war bereits im Jahr 2019 mit 583 m²/Person Spitzenreiter im Bodenverbrauch in Österreich. Bis 2030 sind dutzende weitere Hektar Gewerbeflächen an der Peripherie und in Lichtenwörth geplant. Zum Teil auf Ackerflächen, die laut einer Studie des Landwirtschaftsministeriums zu den fruchtbarsten Böden Österreichs zählen. Die Ost“Umfahrung“ würde Zersiedelung und Flächenfraß massiv befeuern, denn laut BVWG ist das „Hauptziel der neuen Straße die bessere Erschließbarkeit der Gewerbeflächen“.

Leerstandskaiser Österreichs: Die Ost“Umfahrung“ würde neue Gewerbeflächen in der Nähe aller Abfahrten entstehen lassen und damit weitere Kaufkraft aus der Neustädter Innenstadt und den Ortskernen der Umlandgemeinden absaugen. Schon im Jahr 2019 war Wiener Neustadt mit einer Innenstadt-Leerstandsquote von 26,5 % Schlusslicht in Österreich. Diese verfehlte Raumplanung würde mit der Ost“Umfahrung“ prolongiert.

Klimaschädlichste Weichenstellung seit Jahren: Dieses Projekt wäre der seit langem härteste Schlag gegen den Klimaschutz in der Region, denn um den jährlichen CO2-Ausstoß nur auf der Ost“Umfahrung“ zu kompensieren, müssten 500.000 Bäume gepflanzt werden. Die Produktion der Baustoffe und die Bauphase sind hier noch gar nicht inkludiert. Die Studie des Landes NÖ geht von jährlich 1.300.000 zusätzlichen Fahrten durch die Ost“Umfahrung“ (induzierter Verkehr) aus.

Naturschutz ausgehebelt: Durch die Trasse der Ost“Umfahrung“ würden 20 ha versiegelt, weitere Flächen an Feuchtwiesen und Trockenrasen extrem belastet. Durch zwei Augebiete (Natura2000-Schutzzone) würde eine Schneise von 100 Metern Breite geschlagen werden. Seltene Tiere wie Ziesel, Schmetterlinge, Vögel, Fledermäuse, Amphibien,.. kämen weiter unter Druck. Laut BVWG wird bei diesem Projekt der „Verbotstatbestand“ erfüllt, doch der Naturschutz wurde durch ein politisch behauptetes „öffentliches Interesse“ ausgehebelt-

Infos:
www.vernunft-statt-ostumfahrung.at
Petition:https://mein.aufstehn.at/petitions/vernunft-statt-ost-umfahrung
Crowdfunding:https://www.respekt.net/projekte-unterstuetzen/details/projekt/2245

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