Werte doppelt so Hoch wie WHO-Grenzwerte
Wiener Neustadts Luft extrem feinstaubbelastet

Ist Wiener Neustadts Luft nur in kleinen Dosen genießbar? | Foto: Zezula
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Die Luftqualität in Niederösterreich hat sich in den vergangenen 15 Jahren verbessert, die Grenzwerte werden eingehalten, aber gesund ist die Luft vielerorts leider noch nicht, macht der VCÖ aufmerksam.

WIENER NEUSTADT (Bericht des Verkehrsclub Österreich). Im Vorjahr wurde bei allen Messstellen für den besonders gesundheitsschädlichen PM2,5 Feinstaub der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation WHO überschritten sowie bei 18 der 33 Stickstoffdioxid-Messstellen. Luftschadstoffe machen krank. Im Verkehr ist das Potenzial zur Reduktion der Schadstoffe groß, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Die Luftqualität in Niederösterreich hat sich in den vergangenen 15 Jahren verbessert, die Grenzwerte werden eingehalten, aber gesund ist die Luft vielerorts leider noch nicht, macht der VCÖ aufmerksam. Laut Europäischer Umweltagentur verursachte die Luftverschmutzung zuletzt 4.500 vorzeitige Todesfälle in Österreich. Verstärkte Maßnahmen für eine gesündere Luft sind wichtig. Im Verkehr ist das Potenzial zur Reduktion der Schadstoffe groß, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Finden Sie die Feinstaubwerte für Wiener Neustadt bedrohlich

"Werden nur die EU-Grenzwerte betrachtet, könnte man meinen, in Österreich wäre überall die Luft sauber. Doch aus Gesundheitssicht sind die Grenzwerte in Österreich viel zu hoch. Die für die Gesundheit der Bevölkerung relevanten Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation werden vielerorts deutlich überschritten. Es braucht verstärkte Maßnahmen für eine gesunde Luft", stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest.

Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts zeigt, dass der Richtwert der WHO für den besonders gesundheitsschädlichen PM2,5 Feinstaub im Vorjahr an allen Messstellen in Österreich überschritten wurde. Aus Gesundheitssicht soll die Belastung mit PM2,5 Feinstaub im Jahresmittel unter 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen.

In Niederösterreich war die PM2,5-Belastung in Amstetten, Hainburg, Neusiedl im Tullnerfeld und Zwentendorf für jeweils 11 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft am höchsten. Auch bei Messstellen in Tulln, Trasdorf, Klosterneuburg, Mödling, St.Valentin, St. Pölten, Wr. Neudorf, Schwechat und Wiener Neustadt war die PM2,5-Feinstaub-Belastung doppelt so hoch wie der Richtwert der WHO, informiert der VCÖ.

Die Feinstaubbelastung ist über den WHO-Grenzwerten. | Foto: Zezula
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Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter betont: "Schon lange haben wir aus ärztlicher Sicht darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Vorgaben zu den Langzeitmittelwerten etwa von Feinstaub und Stickstoffdioxid deutlich zu lasch sind. Aufgrund der nachgewiesenen Krankheitslast der Bevölkerung durch Luftverschmutzung ist es dringend an der Zeit, weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität umzusetzen. Immerhin hängt von dieser ja nicht nur unser Wohlbefinden ab, sondern auch unsere Lebenserwartung."

Bei den Messstellen für den grobkörnigeren PM10-Feinstaub wurde in Niederösterreich ebenfalls der Grenzwert überall eingehalten, aber der WHO-Richtwert für den Jahresmittelwert bei 15 von 28 Messstellen überschritten. Je kleiner die Feinstaubpartikel, umso gefährlicher sind sie. Langfristige Belastungen erhöhen unter anderem das Risiko für Herzinfarkt und auch Lungenkrebs. Für Kinder sind die Feinstaubpartikel sehr schädlich, weil sich ihre Lunge im Wachstum befindet und sie im Verhältnis zur Körpergröße mehr Luft einatmen.

Bei Stickstoffdioxid (NO2) wurde in Niederösterreich im Vorjahr bei 18 der 33 Messstellen der WHO-Richtwert von 10 Mikrogramm NO2 im Jahresmittel überschritten, informiert der VCÖ. Bei NO2 war die Belastung in St. Pölten bei der Messstelle Europaplatz mit 21 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft innerhalb Niederösterreichs am höchsten. Stickstoffdioxid kann Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Lungenschäden verursachen. Für rund die Hälfte der Stickoxid-Belastung ist der Verkehr verantwortlich, insbesondere Dieselabgase.

Dass Luftverschmutzung eine große Gesundheitsgefahr ist, zeigen auch die neuesten Daten der Europäischen Umweltagentur. Allein im Jahr 2021 hat die Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon in Österreich 4.500 vorzeitige Todesfälle verursacht. "Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Was wir einatmen hat großen Einfluss darauf, ob wir gesund bleiben oder krank werden. Umso wichtiger ist es, möglichst rasch die Richtwerte der WHO zu erreichen", stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest.

Der Verkehr kann einen großen Beitrag zur Reduktion der Luftverschmutzung leisten, betont der VCÖ. Zum einen durch niedrigere Tempolimits. Die IG-L Tempolimits zeigen, dass damit die Schadstoffbelastung deutlich reduziert wird. "Die Gesundheit der Bevölkerung ist das höchste Gut. Deshalb ist ein Beibehalten beziehungsweise Einführen von niedrigeren Tempolimits wichtig, solange die Schadstoffbelastung über den Richtwerten der WHO liegt", betont VCÖ-Expertin Mosshammer. Höheres Tempo erhöht nicht nur den Schadstoffausstoß, sondern auch Reifen- und Bremsabrieb, den auch Elektroautos verursachen.

In den Gemeinden und Städten kann durch Verkehrsberuhigung sowie mit einer Verkehrs- und Stadtplanung, die das zu Fuß gehen und Radfahren fördert zur Reduktion der Schadstoffbelastung beigetragen werden. In Städten sind zudem auch emissionsfreie Lieferzonen wichtig, um die Luftverschmutzung durch Diesel-Transporter zu reduzieren.

Richtwert der WHO für PM2,5: Jahresmittelwert 5 Mikrogramm / Kubikmeter Luft
Grenzwert des Immissionsschutz-Gesetzes Luft: Jahresmittelwert 25 Mikrogramm / Kubikmeter Luft:

Amstetten: 11,5
Hainburg: 11,5
Neusiedl im Tullnerfeld: 11,3
Zwentendorf: 11,2

Tulln: 10,9
Trasdorf: 10,8
Klosterneuburg B14: 10,7
Mödling: 10,6
St. Valentin A1: 10,6
St. Pölten Eybnerstraße: 10,4
Wiener Neudorf: 10,1
Schwechat: 10,0
Wiener Neustadt: 10,0

Groß-Enzersdorf - Glitzendorf: 9,7
Bad Vöslau: 9,4
Pillersdorf bei Retz: 9,1

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2023

Richtwert der WHO für NO2: Jahresmittelwert 10 Mikrogramm / Kubikmeter Luft
Grenzwert des Immissionsschutz-Gesetzes Luft: Jahresmittelwert 30 Mikrogramm / Kubikmeter Luft:

St. Pölten Europaplatz: 21
Mannswörth: 18
Biedermannsdorf: 17
Stockerau: 17
Wiener Neudorf: 17
Vösendorf: 16
Amstetten: 16
Klosterneuburg B14: 16
St. Valentin A1: 16
Purkersdorf: 14
Schwechat: 14
St. Pölten Eybnerstraße: 14
Tulln: 13
Krems: 13
Wiener Neustadt: 13
Mödling: 12
Pöchlarn: 12
Hainburg: 11

WHO-RICHTWERT NICHT ÜBERSCHRITTEN
Trasdorf: 10
Zwentendorf: 10
Bad Vöslau - Gainfarn: 9
Gänserndorf: 9
Groß-Enzersdorf - Glitzendorf: 9
Kematen: 9
Wolkersdorf: 9
Klosterneuburg Meynertgasse: 9
Neusiedl im Tullnerfeld: 9

Stixneusiedl: 8
Pillersdorf bei Retz: 7
Dunkelsteinerwald: 7
Forsthof am Schöpfl: 6
Heidenreichsstein: 4
Payerbach- Kreuzberg: 4
Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2023

Ist Wiener Neustadts Luft nur in kleinen Dosen genießbar? | Foto: Zezula
Die Feinstaubbelastung ist über den WHO-Grenzwerten. | Foto: Zezula
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