18.10.2016, 16:24 Uhr

Schuldspruch für "Rosenkavalier" in Wiener Neustadt

Verteidigerin Dr. Doris Hohler-Rössel und Gutachter Dr. Manfred Walzl vor Prozessbeginn.

Politiker schwarze Rose geschickt - Einweisung für psychisch kranken Angeklagten

WIENER NEUSTADT. Für Aufsehen sorgte heute ein Prozess am Neustädter Landesgericht um einen Antrag auf Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher: Einem 25jährigen Wiener Neustädter wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Mai und Juni via Facebook und SMS seine Exfreundin und den Neustädter Bürgermeister-Stellvertreter Michael Schnedlitz bedroht zu haben.

Der psychisch kranke Mann hat vor allem den Politiker mehrfach bedroht, so soll er Schnedlitz via Facebook geschrieben haben "Ich werde diese politisch inkorrekte Versammlung auflösen, gezeichnet Inglourious Bastard", ihm gedroht haben "die Visage mit der Faust zu verschönern" und vor allem "sein Haus anzuzünden". Außerdem gab er am Rathaus eine schwarze Rose für den Gemeindepolitiker ab.

Sorge um Kind und Lebensgefährtin

Michael Schnedlitz erklärte heute vor Gericht, dass er vor allem auch wegen seines kleinen Sohnes und seiner Lebensgefährtin besorgt war und "weil der Angeklagte immer mehr meine Nähe gesucht hat". "Außerdem kamen zwei Freunde von ihm zu mir, die besorgt waren und sagten, dass er die Drohungen vielleicht ernst meint."

Da der Angeklagte außerdem nach einem verpatzten Blockseminar via Facebook drohte, die pädagogische Hochschule anzuzünden und seiner Ex-Freundin damit, "alles zu tun, um ihre Karriere zu beenden" landete er im Sommer im Gefängnis. Er habe vielleicht gedroht, sagt aber: "Ich hätte es aber nie getan!"

Gutachter Dr. Manfred Walzl bescheinigte dem Angeklagten eine schizoaffektive Störung. Die Zurechnungsfähgikeit sei zu allen Tatzeitpunkten aufgehoben gewesen und "es gibt eine hohe Gefährlichkeits- und Rückfallsprognose. Somit ist eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher unabdingbar."

"Ein normaler Parteienverkehr war nicht mehr möglich."

Der Bürgermeister-Stellvertreter Michael Schnedlizt zeigte sich in einer Stellungnahme sehr erleichtert. „Auch meine Mitarbeiter atmen auf, dass diese nun wieder beruhigt arbeiten können. Bis zur Festnahme war ein normaler Parteienverkehr nicht mehr möglich.

Meine Mitarbeiter haben - für mich nachvollziehbar - nur mehr hinter verschlossenen Türen gearbeitet. Der Bürobetrieb im Rathaus findet nun wieder normal statt", so Schnedlitz weiter.

„Die schlimmste Situation war, als meine Lebensgefährtin und mein etwas über 1,5 Jahre alter Sohn sich aufgrund der Gefährdungslage nicht mehr in der Lage gesehen haben, bei mir in der gemeinsamen Wohnung zu übernachten, nachdem die Drohung ausgestoßen wurde, dass das Wohngebäude angezündet werden wird", so der freiheitliche Bürgermeister Stellvertreter.
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