Glasfaser: Wohin die Reise geht

BEZIRK ZWETTL. Die Breitband-Infrastruktur ist die Schlüssel-Infrastruktur des 21. Jahrhunderts. Denn eine leistungsfähige Breitband-Infrastruktur ist Basis für Wachstum und Innovationskraft sowie wesentliche Grundlage für Wirtschaft und Betriebe. Dazu baut die NÖ Glasfaserinfrastrukturgesellschaft (nöGIG) (eine Tochter der ecoplus) ein Glasfasernetz überall dort, wo Marktversagen herrscht, d.h. wo kein anderer Marktanbieter den vollständigen Glasfaserausbau bis zum Haushalt durchführt.

Breitbandinitiative Niederösterreich

Ende 2014 wurde die Breitbandinitiative des Landes Niederösterreich gestartet. Deren Ziel ist, Niederösterreich in Abstimmung und Koordination mit den Marktteilnehmern, insbesondere mit A1 Telekom Austria und KabelPlus, mit hochleistungsfähiger und nachhaltiger Glasfaserinfrastruktur bis zum Haushalt zu versorgen. Die bisherige Internetversorgung basiert im Wesentlichen auf veralteter Kupfertechnologie (Telefon- bzw. Telekabelnetze), deren Bandbreiten den zukünftigen Anforderungen nicht gewachsen sind. Um das ambitionierte Ziel einer offenen, öffentlichen und zukunftssicheren Infrastruktur zu erreichen, hat die Breitbandkoordination des Landes ein eigenes „NÖ-Modell“ entwickelt, das sich von der bestehenden Providerförderung des Bundes deutlich unterscheidet.
Mit der Umsetzung des Modells wurde die nöGIG betraut, die diese Glasfasernetze in enger Kooperation mit den Gemeinden und der NÖ.Regional.GmbH planen und errichten soll. Das NÖ-Breitbandmodell wird auch von anderen Bundesländern, wie z.B. Steiermark und Oberösterreich, als mögliches Vorbild gesehen. Niederösterreich ist hier Vorreiter in Österreich und in Mitteleuropa.

Zu Glasfaser gibt es keine Alternative

Während die vieldiskutierte 5G-Mobiltechnologie erst in vier bis fünf Jahren verfügbar sein wird, geht Niederösterreich bereits einen Schritt weiter und baut schon heute die deutlich leistungsfähigeren Glasfasernetze bis zum Haushalt. Ein funktionierendes Glasfasernetz ist die Grundbedingung damit LTE funktioniert. Ohne den flächendeckenden Ausbau von Glasfaser ist die Voraussetzung für einen 5G-Rollout nicht gegeben. Schließlich müssen die LTE-Basisstationen auch an das Netz angeschlossen werden, um entsprechende Geschwindigkeiten zu erzielen. Einen einfacheren Weg, um Niederösterreich an ein zukunftssicheres Glasfasernetz anzuschließen als jenen, den unsere Glasfaserinfrastrukturgesellschaft beschreitet, gibt es nicht.

Keine Konkurrenz zu privaten Anbietern

Das Land Niederösterreich wird mittels der Landesgesellschaft nöGIG beim Glasfaserausbau überall dort aktiv, wo der Markt nicht funktioniert und ein flächendeckender Ausbau einer Gemeinde für private Netzbetreiber nicht rentabel ist. Der Glasfaserausbau durch das Land bzw. nöGIG ist damit keine Konkurrenz zu privaten Anbietern, aber – motiviert durch diese Aktivitäten - legen nun auch private Anbieter beim Breitbandausbau in NÖ einen Zahn zu. Darüber hinaus wird die nöGIG nur dort aktiv, wo Nachfrage herrscht. Daher werden vor dem Ausbau die Bevölkerung und die Wirtschaft befragt. Nur wenn mehr als 40 Prozent zustimmen, wird die Region mit nöGIG-Glasfaser versorgt.

Europäischer Breitbandpreis für Niederösterreich

Das NÖ Modell zum Glasfaserausbau fand Ende 2016 auch international große Beachtung. Beim Europäischen Breitbandpreis der Europäischen Kommission setzte sich das NÖ-Breitbandmodell unter 66 eingereichten Projekten aus ganz Europa durch. Die Niederösterreichische Glasfaserinfrastrukturgesellschaft (nöGIG) wurde in der Kategorie "Offenheit und Wettbewerb" ausgezeichnet. Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, ecoplus Geschäftsführer Helmut Miernicki sowie nöGIG-Geschäftsführer Hartwig Tauber und nöGIG Prokurist Igor Brusic nahmen die Auszeichnungen von Günther Oettinger, EU-Kommissar für die Digitale Wirtschaft, bei einem Festakt in Brüssel entgegen. Die EU-Kommission vergab die Auszeichnung für die besten Verfahren und Konzepte zur Planung und Umsetzung von Hochgeschwindigkeits-Breitbandnetzwerken in Europa auf Grundlage einer Fachjury-Wertung. Die fünf-köpfige Jury bewertete unter anderem die Wirksamkeit der Modelle, die Leistbarkeit von Dienstleistungen (Preis/Mbps), die Qualität der angebotenen Leistungen (Download und Upload Geschwindigkeit, etc.). sowie den Grad an Offenheit der geschaffenen Infrastruktur und das daraus resultierende Wettbewerbslevel.

Umsetzung und konkrete Ziele 2017/18:
Bei einem solchen Mammutprojekt muss die Machbarkeit klar bestätigt werden, bevor man es in ganz Niederösterreich ausrollt. Daher setzt das Land auf vier Pilotregionen, wo dieses Modell erprobt wird. Bis Ende 2018 sollen die vier Pilotregionen mit insgesamt 34.000 Haushalten mit Glasfaser versorgt sein (homes passed). 38 Gemeinden sind Teil der vier Pilotregionen Thayaland, Triestingtal, Ybbstal und Waldvierter StadtLand.
Das Land NÖ investiert in den Ausbau der Piloten in Summe 67 Millionen Euro. Davon werden alleine heuer 35,5 Millionen Euro in den NÖ Breitbandausbau investiert.
Der Glasfaserausbau durch die nöGIG in den Pilotregionen geht wie geplant voran, in den Pilotregionen StadtLand und Thayaland werden die Glasfasernetze bereits auf Gemeindeebene errichtet. Der Anteil der regionalen Wertschöpfung konnte dabei weiterhin auf über 70% gehalten werden. Betreffend Förderungen ist es gelungen, 16,3 Millionen EUR Bundesmittel aus der „Breitbandmilliarde“ zu lukrieren.
Wir wissen aus den Pilotregionen Waldviertler StadtLand und Thayaland, wo Ende 2015 die Aktivierung erster Anschlüsse erfolgt ist, dass sehr attraktive Angebote für Endkunden geschaffen wurden. Schon ab 30 Euro pro Monat können PrivatkundInnen die Vorteile der Glasfaserleitungen bis zum Haus nutzen.
Die Evaluierung der Pilotregionen wird auf den Sommer 2017 vorgezogen, die Ergebnisse liegen im September 2017 vor. Die weiteren Entscheidungen zum Rollout über die Pilotregionen hinaus werden von dieser Evaluierung abhängen.
Einige dieser Regionen haben sich mittlerweile bis in den Bezirk Zwettl ausgeweitet. So fallen etwa Teile der Gemeinde Göpfritz/Wild in diese Gebiete. Und auch was den Internetprovider angeht, stellt Zwettl mit der Firma WVNET von Josef Mayerhofer in dieser Sache einen wichtigen Player.

Pilotregionen

Thayaland: Die Ausbaumaßnahmen schreiten wie geplant voran. Die mitverlegten Teilnetze in Kautzen, Waldkirchen, Dobersberg und weiteren Gemeinden werden schrittweise aktiviert, die Verteilzentralen (POPs) errichtet. In Ludweis-Aigen wurde erstmals die Generalunternehmer-Ausschreibung durchgeführt, der Spatenstich erfolgte dort am 15. März 2017. Für die weiteren Pilotgemeinden sind die Ausschreibungen derzeit in Durchführung bzw. Vorbereitung.

Region StadtLand: Die Ausbaumaßnahmen schreiten wie geplant voran. Die Gemeinden Hirschbach, Amaliendorf-Aalfang, Hoheneich, Waldenstein und Teile von Schrems werden derzeit gebaut bzw. fertiggestellt. In der ganzen Region wurden die bereits von den Gemeinden errichteten Leerrohrnetze von der nöGIG abgekauft und in den Ausbauplan integriert. Alle Gemeinden haben die notwendigen 40% Willenserklärungen erreicht bzw. überschritten.

Triestingtal: Im Triestingtal wurde die Nachfrageaggregation in den Gemeinden des Ausbaugebietes erfolgreich abgeschlossen. Aktuell läuft die Vorbereitung zur Durchführung der Baumaßnahmen.

Ybbstal: Im Ybbstal wurden flächendeckend im Ausbaugebiet die 40% Infrastrukturbestellungen erreicht. Die Detailplanung für den Ausbau wird derzeit durchgeführt, noch im Juli werden die ersten Ausschreibungen für Generalunternehmer-Projekte durchgeführt, der Ausbau beginne im Herbst 2017.

Beste Practice Beispiele

RZA - Langestraße 364 - 3872 Amaliendorf
Die Inhaber der RZA GmbH (Anbieter von IT-Komplettlösungen) Hr. Reinhard Müllner und Markus Garhofer beschäftigen aktuell 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Amaliendorf. Seit September 2016 ist die RZA an das Glasfasernetz angeschlossen. „Wir hatten Ende 2015 mit Einführung der Registrierkassenpflicht massive Probleme unsere Kunden zu servicieren, weil die Internetleistung zu gering war, und wir nicht alle Installationen gleichzeitig durchführen konnten. Wir haben in dieser Zeit auch unseren Firmensitz in Frage gestellt und überlegten eine Abwanderung. Nun mit dem Anschluss an das Glasfasernetz gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Im Moment wird an einer Cloudversion für eine kaufmännische Software gearbeitet, ohne Glasfaseranschluss wäre diese Produktinnovation nicht möglich gewesen“, betont Müllner. Darüber hinaus änderte sich auch die Arbeitsweise der Angestellten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können nun von zuhause aus über Fernwartung Kunden betreuen, was besonders ideal für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit kleinen Kindern ist.

GLS Tanks International GmbH - Industriestraße 6 - 3860 Heidenreichstein
Die Firma GLS Tanks International mit mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im ecoplus Wirtschaftspark Heidenreichstein hat eine Exportquote von nahezu hundert Prozent. Dadurch ist sie auf die Vernetzung mit Kundinnen und Kunden weltweit angewiesen. Die Glasfaseranbindung ermöglicht der Firma den Bestand des Standortes sowie die mögliche Ausweitung von Geschäftsfeldern. So wurde im Vorjahr ein zusätzliches Gebäude auf einem neu erworbenen Nachbargrundstück in Heidenreichstein errichtet, welches Investitionen von rund 1,7 Mio. Euro auslöste. „Seit über 30 Jahren plant, produziert und montiert GLS Tanks weltweit emaillierte Stahltanks und Silos. Als weltweit einziger Hersteller von emaillierten Stahltanks verfügt GLS Tanks über Produktionsanlagen in Heidenreichstein zur Emaillierung nach dem neuesten Stand der Emailliertechnik. Im eigenen Stahlbaubetrieb werden Leitern, Geländer, Brücken, Podeste, Sicherheitsventile und alle zum Tank gehörenden Stahlbauteile gefertigt. GLS Tanks kommen beispielsweise in der Landwirtschaft beim Bau von Güllebehältern und Silos zum Einsatz. Der verlässliche und schnelle Glasfaseranschluss ist ein wichtiger Faktor bei der Umsetzung unserer Exporterfolge, da dem schnellen und effizienten Austausch von Daten in der globalisierten Welt große Bedeutung zukommt“, beschreibt GLS Tanks-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Günther Fuchshuber sein Unternehmen.

Autohaus Hörmann - Schremser Straße 69 - 3860 Heidenreichstein
Seit September 2016 ist das Autohaus Hörmann in Heidenreichstein (Bezirk Gmünd) dank der Niederösterreichischen Breitbandinitiative an das Glasfasernetz angeschlossen. Das Autohaus Hörmann brauchte vor dem Anschluss an das Glasfasernetz einige Stunden, um Dateien für Updates in den Autos herunterzuladen. Obwohl Inhaber Herbert Hörmann mit seinen 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für kleinere Reparaturen eine Arbeitszeit von lediglich einer Stunde benötigte, musste er seine Kunden bitten, das Auto erst nach drei bis vier Stunden abzuholen, weil das Einspielen von Updates aufgrund der langen Downloadzeiten so lang dauerte. „Aufgrund der enorm steigenden Datenmengen ist ein Glasfaseranschluss für die Aufrechterhaltung des täglichen Geschäftsbetriebes unerlässlich. Diese Einschränkungen gehören seit dem Glasfaseranschluss nun der Vergangenheit an. Notwendige Updates können wir nun in wenigen Sekunden einspielen.“, erzählt Hörmann. Hörmann übernahm den Betrieb 2005 und investierte seitdem 1,2 Mio. Euro – unter anderem in drei Schauraumerweiterungen sowie in die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage und eine neue Lackieranlage. Das Autohaus Hörmann verkauft circa 250 Autos pro Jahr.

Mehr zum Thema: https://www.meinbezirk.at/zwettl/wirtschaft/glasfaser-21-millionen-euro-fuer-das-waldviertel-mit-video-d2054698.html

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