29.09.2016, 08:44 Uhr

Im Advent wirds in Bruck "romantisch"

(Foto: Pashkovskaya)

Alfred Pech, seit 1. Juli neuer Citymanager in Bruck an der Mur, steht im WOCHE-Tischgespräch Rede und Antwort.

Herr Pech, Sie sind seit 1. Juli Citymanager in Bruck. Wie geht's Ihnen
ALFRED PECH: Sehr gut. Meine anfängliche Euphorie ist nach wie vor da. Ich hatte ja von Beginn an den Eindruck, dass die Brucker ihre Stadt lieben und das bestätigt sich eigentlich immer mehr. Ich werde sehr freundlich aufgenommen, es gibt sehr viele Anliegen, viele Ideen, viele Wünsche.

Das Klima in der Stadt ist also Ihrer Meinung nach ein positives?
Ja, sehr. Die Stadtpolitik hat da mit verschiedenen Akzenten wie der Stadtvision, dem Masterplan Hauptplatz, schon sehr gute Vorarbeit geleistet. Man arbeitet an sehr vielen Punkten, meist mit Bürgerbeteiligungsverfahren, das hat sich in der Praxis sehr gut bewährt. Man wartet eigentlich jetzt nur mehr auf die Umsetzungsphase. Einer meiner Arbeitsschwerpunkte ist ja: umsetzen, tun, sich kümmern. Und ich hoffe, dass ich da behiflich sein kann.

Was hat Sie in den letzten drei Monaten beschäftigt?
Wir haben uns grundsätzlich einmal damit beschäftigt, eine Bürostruktur aufzubauen, MItarbeiter zu suchen, die Gschäftsordnung zu machen: was sind dann überhaupt unsere Aufgaben und natürlich das Wichtigste: viele Betriebesuche zu machen, viele Menschen kennenzulernen, die im wirtschaftlichen Leben aktiv sind, die in Zukunft auch meine Partner sind und die auch als Dienstleister tätig sind. Wirtschaftsstammtische, Firmenbesuche, Regionenmanagement, Wirtschaftskammer, alle Ämter und Behörden. Dann sind wir jetzt auch dabei, ein Gewerbe anzumelden. Wir werden ja als "one stop-shop" fungieren, als Ansprechpartner für Unternehmensgründer und Betriebsansiedler in Bruck an der Mur. Da lerne ich gerade - learning by doing - wie das ganze funktioniert. Wir wollen das ganze möglichst unbürokratisch gestalten, auch als Schnittstelle zum Rathaus. D.h. es wird eine Ansprechpersonen in Form des Herrn Pech geben und wir werden eben schauen, dass im Hintergrund alles möglichst problemlos abläuft.

Sie werden in ein neues Büro ziehen?
Jawohl. Gemeinsam mit dem Tourismusverband übersiedeln wir in das schöne Kornmesserhaus; der Tourismusverband ins Erdgeschoß, wir in den ersten Stock. Es sind noch ein paar Umbauarbeiten zu erledigen, aber das alles wird in den nächsten Wochen passieren.

Woran arbeiten Sie gerade aktuell?
Wir sind jetzt in Vorbereitung auf den Advent, haben ein neues Konzept erstellt, das heißt "Brucker Waldweihnacht". Authentizität steht dabei im Vordergrund. Zum Thema Wald passt ja sehr viel dazu: die Flößer haben ja hier eine sehr große Tradition, daher ist ja früher auch der Reichtum der Stadt gekommen. Wir arbeiten an einem Konzept einer Flößerkrippe, die wir gerne in der Mur präsentieren möchten. Das gibts sonst nirgends. Wir wollen auch das Holzknecht-Thema, Schmiede und traditionelles Handwerk präsentieren. Wir wollen damit sozusagen die romantische Seite der Region zum Thema Wald hervorheben. Der Markt wird hier am Brucker Hauptplatz stattfinden. Wir haben dabei auch das Thema der Krippen sehr große im Fokus. Die Krippe ist ja nicht unbedingt ein Highlight in der Weihnachtszeit in der Steiermark. Wir sind diesbezüglich schon in Kooperation mit dem Krippenmuseum in Eisenerz, die werden uns für eine Schaufensterausstellung vielleicht in den Geschäften Krippen zur Verfügung stellen und wir kriegen auch vom Landeskripperband Oberösterreich eine Scherenschnitt-Krippenausstellung. Ein Ziel ist dann auch, dass wir eine schöne, authentische Weihnachtsmarktkrippe in Bruck installieren, sozusagen als optisches Highlight und auch als Meeting Point, als zentrale Stelle. Wir werden auch Futterkrippen aufstellen als Unterstände, wir werden also keine Sonnenschirme haben. Wir sind in Kontakt mit der Bundesforstschule, mit der Bezirksjägerschaft. Das Thema ist ja sehr umfangreich, darum werden wir heuer einmal die ersten Akzente setzen. Im Jänner beginnen wir dann gleich mit einer Evaluierung und planen dann gleich für 2017 weiter. Es gibt ja diesen Weihnachtsmarkttourismus, wo die Leute mit dem Bus einen Tag nach Wien, nach Salzburg, Mariazell fahren. Diese Touristen wollen wir auch nach Bruck holen.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Die Betriebsentwicklung und Betriebsansiedelung; wir sind gerade dabei zu prüfen: welche Frequenzen haben wir, welche Branchen fehlen uns, machen eine Branchenmixanalyse, erheben Passantenfrequenzen, machen Kaufstromanalysen. Wir arbeiten also Zahlen, Daten, Fakten auf. Wir sind auf der anderen Seite aber auch schon in sehr engem Kontakt mit den Hauseigentümern und auch möglichen Investoren, machen Hausnutzungsanalysen mit der Überlegung, was kann man denn aus einem Haus machen? Wie kann man sanieren, wie kann man es bestmöglich nutzen? Wir wollen einfach wieder mehr Leben in die Stadt bringen. Ein Öffnen der Hinterhöfe, unter Umständen, ist auch möglich. Bruck an der Mur hat so viele traumhaft wunderschöne Hinterhöfe, die eigentlich im Privatbereich sind. Vielleicht kann man ja den einen oder anderen Hinterhof für die Öffentlichkeit zugänglich machen.
Ich möchte zudem das Thema "Altstadt" mehr in den Vordergrund stellen; ich möchte Interesse bei den Leuten wecken, mehr in die Innenstadt zu kommen. Eine Stadt mit einer 750-jährigen Geschichte hat sich das allemal verdient, dass man über sie spricht.
Weitere Schwerpunkte: Sicherung der Nahversorgung, da gehört für mich vom Papiergeschäft bis zur Trafik alles dazu, was die Leute, die hier wohnen, brauchen. Da denke ich an eine Reorganisation unseres Wochenmarktes am Mittwoch und Samstag; vielleicht gelingt es ja sogar, einen kleinen Frischemarkt von Montag bis Samstag, also jeden Tag, in einer kleinen Form hierherzubringen. Das Interesse ist definitiv da.
Wichtig ist mir zudem das Stadtmarketing: da bemühe ich mich, neue Konzepte zu entwickeln. Da bringe ich ja viel Erfahrung aus anderen Städten mit ein. Man sollte vielleicht bestehende Events überdenken, die Kräfte bündeln, damit wir vielleicht überregionale Werbung zusammenbringen und mehr Leute aus der Region in die Stadt bringen. Ich möchte künftig ja die ganze Stadt bespielen und nicht nur Teile davon. Außerdem möchte ich die Frequenzen und den Umsatz steigern.

Leerstände in der Innenstadt zu reduzieren war ja auch eines Ihrer ersten Themen. Was werden Sie dagegen konkret tun?
Als erstes schauen wir jetzt einmal: wo stehen wir, machen einmal Inventur. Wir schauen: wieviele Mietverträge können wir denn sofort anbieten? Brauchen wir eine Sanierung? Soll ein Investor kommen, der das Haus kauft oder soll der Mieter investieren? Wir müssen also jetzt einmal zusammenräumen. Und wenn wir dann wissen, was braucht man, was wünscht sich die Jugend, dann werden wir vorbereitet sein, wenn sie kommt.

Was sind Stärken bzw. Schwächen der Stadt Bruck?
Was mich gleich sehr begeistert hat ist das wunderschöne Stadtbild, das Thema Blumenschmuck, die Fahnen die immer hängen - ich glaube, da ist noch sehr viel Potential, das wir auch nach außen hin vermarkten sollten. Wir haben hier den zweitgrößten Hauptplatz Österreichs, die Lebensqualität ist sehr hoch; Bruck ist zudem eine uralte Handelsstadt mit einer langen, interessanten Geschichte und mit einer starken emotionalen Bindung für die Leute, die hier wohnen. Dieses Thema sollten wir viel besser nutzen.
Das Thema Wasser wird in Bruck ja schon ganz gut genutzt und gut bespielt, jetzt sollten wir die Innenstadt größer denken. Wir haben eine Marine, einen Hafen, wo gibt es das schon? Man sollte die Innenstadt da einfach größer sehen und denken.
Es gibt wunderschöne Bauten, ich würde mir wünschen, dass wir in der Stadt wieder Zunftzeichen installieren.
Was ich mir aber schon wünschen würde ist, dass die Brucker mehr Selbstbewusstsein entwickeln und wieder stolz sind auf ihre Stadt und auf alles, was diese zu bieten hat. Ich wünsche mir, dass die Brucker das Herz, das sie für ihre Stadt haben, das Wohlfühlen, den Stolz auf die Stadt mehr nach außen tragen und positiiver über ihre eigene Stadt reden. Das ist meiner Meinung nach ein bisschen verloren gegangen, man jammert ein bisserl der alten Zeit nach, dem was früher einmal war. Aber das gilt jetzt nicht mehr, ich blicke in die Zukunft. Der Handel ist in einem Wandel wie nie zuvor.
Und was ganz sicherlich verbesserbar ist, ist die Kommunikation. Es passiert für meinen Geschmack unheimlich wenig Kommunikation, darin sehe ich eine der Hauptaufgaben des Stadtmarketings.

Kann man die beiden Städte Steyr, wo sie vorher tätig waren, und Bruck vergleichen?
Ja, absolut. Es sind beides Industriestädte, beide Städte liegen an zwei Flüssen, beiden haben eine wunderschöne Altstadt und in beiden Städten wir das Thema Genuss sehr groß geschrieben. Da gibts für mich sehr enge Verbindungen zwischen den beiden Städten.

Wann ist für Sie eigentlich die Entscheidung für Bruck gefallen?
Sofort an dem Tag, an dem ich das inserat gelesen habe. Ich dachte mir, da hat jemand genau auf mein Profil eine Ausschreibung gemacht. Ich war dann auch ein paar Mal da und hab mir das angeschaut, dann war es sowieso schnell klar. Es gibt hier nämlich eine unheimlich schöne Willkommenskultur.

Sie haben sich mit den Worten "Mein Name ist Pech, ich bringe Glück in ihre Stadt" beworben. Wieviel ist davon heute noch übrig?
Ich bin immer noch absolut von meinen Worten überzeugt. Ich bin hochmotiviert, es gibt keine Knackpunkte, und was nicht gleich funktioniert hat, das richten wir uns jetzt her und das passt schon. Man kann ja nicht innerhalb von zwei, drei Monaten Wunder wirken, aber wir sind auf einem sehr guten Weg und sind optimistisch.

Sie haben bei Ihrer Antritts-Pressekonferenz auch davon gesprochen, die Bevölkerung mehr miteinzubinden. Wie läuft das derzeit?
Da sind wir noch nicht so weit, weil ich mich in die Stadtvision noch nicht so hineinarbeiten hab können. Die ist ja schon sehr fortgeschritten, aber darauf werde ich mich später konzentrieren. Jetzt gehts einmal darum, dass wir Zahlen, Daten, Fakten haben, damit wir arbeiten können; damit wir einfach einmal wissen, wo stehen wir überhaupt, unter dem Motto, "einmal zusammenzuräumen".

Wie lange geben Sie sich selbst Zeit für das Projekt Bruck an der Mur?
Also ich schätze, bis wir wirklich erfolgreich sind, wird es drei bis fünf Jahre dauern, bis wir die ersten großen Erfolge sehen werden können. Das ist eben ein going-on-Prozess, da passiert ständig was.

Wohnen Sie jetzt auch in Bruck?
Ja, ich habe eine Wohnung in Bruck, aber mein Hauptwohnsitz ist Salzburg.

Gibts jetzt in der Stadt Bruck schon so eine Art Lieblingsplatzerl?
Alle Gastgärten. Nachdem es ja mein Job ist, Kommunikation zu führen und ich mit vielen Menschen zusammenkommen soll, bin ich ein fleißiger Besucher der Gastgärten in der Altstadt. Ich glaube, dass es auch wichtig ist, dass ein Citymanager für die Menschen greifbar und präsent ist. Ich bin ansprechbar, habe für jeden ein offenes Ohr und versuche hier auch, als Problemlöser zu fungieren.

Das heißt, ihre Türen stehen für die Bevölkerung immer offen?
Absolut, meine Handynummer ist bekannt und ich bin tagsüber sehr viel unterwegs. Und da kriege ich auch schon viele Rückmeldungen, es wird wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass der Herr Pech präsent ist. Ich sitze also nicht im Büro und verstecke mich.

Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht arbeiten?
Ich organisiere Oldtimer-Rennen. Ich bin in zwei Oldtimer-Vereinen und wir organisieren unter anderem das größte Motorrad-Rennen Österreichs am Red Bull-Ring für historische Motorräder und ich fahre selber zwei historische Motorräder.
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