20.07.2016, 09:00 Uhr

Flüchtlingsdrama im Jahr eins

Firas, Abdul Rahman, Fares und Fahad Al Chikh aus Syrien hoffen auf eine gute Zukunft in Österreich.

Grundsätzlich funktioniert die Bewältigung der Flüchtlingsproblematik, aber: verschiedene Kulturen bringen Probleme.

BEZIRK GMÜND (eju). Vor einem Jahr begann der Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Die Bezirksblätter haben sich im Bezirk Gmünd umgesehen, wie die Lage in den Gemeinden ist und wie die Fortschritte bei der Integration sind.
In der Gmünder Kirchengasse ist seit knapp zwei Jahren der Syrer Abdul Rahman Al Chikh aus Aleppo mit seinen drei Söhnen Firas (13), Fares (9) und Fahad (7) untergebracht.


Zukunft in den Sternen

Ihre Mutter und eine Schwester leben nach wie vor in einem Flüchtlingscamp in Lybien. Die auseinandergerissene Familie ist in Österreich subsidiär schutzberechtigt. Alle drei Buben können inzwischen beeindruckend gut Deutsch, Firas übersetzt für seinen Vater. Sie würden gerne in Österreich bleiben und sich hier eine gute Zukunft aufbauen, so Firas. Er träumt von einem Job als Dolmetscher, sein kleinerer Bruder Fares möchte einst in einem Krankenhaus arbeiten. Ob es dem Vater, einem ehemaligen Baumeister, noch gelingt, beruflich Fuß zu fassen, steht in den Sternen. Insgesamt überwiegen ihre guten Erfahrungen in Österreich.
In der Bezirkshauptstadt Gmünd, so Bürgermeisterin (Bgm.) Helga Rosenmayer, gebe es sehr viele engagierte Menschen, die Asylwerbern und auch asylberechtigten Personen hilfreich zur Seite stehen würden. Die sogenannte Quote erfülle Gmünd allerdings längst. Das sei auch der Grund, weswegen sie schon mehreren Anfragen von auswärts, wo Investoren leer stehende Gebäude in Gmünd kaufen und als große Flüchtlingsunterkünfte nutzen wollten, eine Absage erteilt hat: "Ich bin froh, wenn Flüchtlinge bei uns in kleinen Gruppen untergebracht sind. Große Gruppen sind nicht gut für Gmünd, das möchte die Bevölkerung nicht und darauf muss man auch Rücksicht nehmen."

Schwierige Kulturunterschiede

In Litschau sind ebenfalls seit gut einem Jahr zahlreiche Flüchtlinge untergebracht. Aktuell gibt es 46 Asylwerber und 18 Personen mit anerkanntem Asylstatus. Die Zahl wechsle aber ständig, wie Integrationsstadtrat Gerhard Holzweber betone. Grundsätzlich klappe in Litschau die Versorgung und Betreuung gut. Das bestätigt auch Bgm. Rainer Hirschmann: "Durch unseren Zahnarzt Dr. Kumnakch können wir die sprachlichen Barrieren leichter abbauen." Viele Asylwerber und -berechtigte würden sich gut integrieren und auch in der Stadt mithelfen, wie jüngst beim SchrammelKlangFestival.

Kulturelle Unterschiede bringen Probleme

In Heidenreichstein werden ebenfalls seit Jahren Asylwerber beherbergt. Bgm. Gerhard Kirchmaier dazu: "Mit Familien funktioniert die Integration sehr gut, die sind durchaus auch gewillt, hier zu bleiben. Einzelpersonen tendieren dazu, Richtung Großstadt abzuwandern. Verschiedene Kulturen bringen auch verschiedene Probleme. Wie etwa im Ramadan, da neigen die Flüchtlinge dazu, ihren Hauptlebenswandel in der Nacht zu absolvieren, wodurch die Nachtruhe der hiesigen Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen wird. Wenn das in einem gemeinsamen Wohnbau passiert, bringt das Probleme mit sich."


Zur Sache

In folgenden Gemeinden des Bezirkes Gmünd werden aktuell Asylwerber beherbergt: Hoheneich (1), Waldenstein (1), Großschönau (2), Weitra (5), Bad Großpertholz (4), Kirchberg (11), Moorbad harbach (7), Amaliendorf-Aalfang (12), Schrems (85), Brand-Nagelberg (28), St. Martin (23), Eisgarn (15), Gmünd (132), Litschau (59), Heidenreichstein (114). Die Zahlen stammen vom Land Niederösterreich (GSV-Niederösterreich), Stand 1. 7. 2016.
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