11.03.2016, 15:07 Uhr

Barbara Balldini: Die fröhliche Aufklärerin im Interview

Mit Ihrem neuen Vortragskabarett war Sexpertin Barbara Balldini zu Gast im Leobener Congress, kurz vorher nahm Sie sich die Zeit für ein kleines Interview mit der WOCHE.

Warum funktioniert Sex als Kabarett?
BARBARA BALLDINI: Weil wir durch lachen Stress abbauen. Und weil wir alle im Bett, früher oder später, manchmal und öfter, Fragen haben oder anstehen oder uns nicht wohlfühlen. Es geht allen so, egal wie alt sie sind. Und durch das Lachen wird Stress abgebaut und deswegen muss es auch lustig sein.

Haben Sie einen Lieblingswitz?
Ja. Was macht ein Clown im Büro? Faxen! Oder, was macht ein müder schwuler Adler? Er fliegt heim zu seinem Horst.

Glauben Sie, dass Frauen besser im Kabarett sind?
Nein, ich würde sagen anders. Auf jeden Fall anders, weil Frauen bringen noch mehr die emotionale Seite rein. Also sicher nicht besser, aber auf jeden Fall anders als Männer. Man muss als Frau sehr aufpassen, was man sagt auf der Bühne, weil ein Mann kann raus gehen und sagen 'Gestern habe ich mir einen runter geholt', das kann eine Frau nicht sagen. Da ist sie sofort ordinär. Es ist wesentlich schwieriger als Frau auf der Bühne zu stehen.
Männer können mit der Kochschürze raus gehen und alle lachen, eine Frau in der Kochschürze interessiert keine Sau. Als Frau musst du dir genau überlegen, wie du welche Botschaft bringst – das ist eine Gradwanderung.

Es funktioniert wahrscheinlich auch nicht jeder Witz gleich oder?
Auf jeden Fall funktionierts bei Männern besser, weil Männer haben da mehr Narrenfreiheit. Haben die einfach!
Eine Frau wird immer beobachtet. Das erste ist der Sympathiefaktor: 'Mag ich die, gefällt mir die, ist mir die sympathisch.' Das wird von den Frauen noch kritischer beobachtet, als von den Männern. Aber ein Mann, wenn der klein dick und 'glatzert' ist, dann ist er von vorne herein sympathisch. Und wenn er groß und schön ist, dann schmelzen die Frauen dahin. Ein Mann hat sofort die Sympathie, "wurscht" wie er aussieht.
Bei einer Frau sagt man: 'Aber der Nagellack passt nicht zum Lippenstift. Die könnte auch einen andern BH anziehen, weil da sieht man die Brustwarzen durch.' Solche Dinge überlegen sich dann die Zuschauerinnen. Und die Männer so: 'Ist mir die sympathisch, ist die geil im Bett.' Die haben sofort diesen Scanner-Blick – sexy oder nicht. Spätestens wenn ich den Mund aufmache mögen sie mich, weil meine Stimme sehr tief ist. 'Wenn sie auch so seriös ausschaut, wenigstens hat sie eine geile Stimme.'

Sie werden ja als Sexpertin bezeichnet, sehen Sie sich selbst auch so?
Ich habe seit 16 Jahren eine Praxis für Sexualfragen und -störungen, ich bin ausgebildete Sexualtherapeutin, insofern sehe ich mich natürlich als Sexpertin. Die Bühne ist ja nur mein Vergnügungsfeld. Fakt ist, dass ich beruflich sowieso mehr in der Praxis arbeite. Ich habe mir den Namen ja auch selbst gegeben, weil das Wort Sexualtherapeutin oder -pädagogin schreckt immer gleich ab.
Außerdem bin ich über 50 Jahre, ich hatte ein sehr bewegtes, fröhliches und ausschweifendes Leben. Ich weiß wovon ich spreche. Jetzt bin ich alt und ruhig geworden und sehr sehr dankbar.

Also lassen sich Kabarett und Arztpraxis verbinden?
Ja, unbedingt. Es gibt ja auch in Deutschland einen Arzt, der auf der Bühne steht, der auch Kabarett macht und über Glück redet. Natürlich. Das ist ja das Tolle, dass die Leute wissen, da steht eine Expertin oben, die macht nicht nur Kabarett. Es stimmt was sie sagt und es ist immer eigentlich ein Bildungsprogramm. Ich fühle mich bis heute nicht als Kabarettistin. Ich fühle mich immer noch als fröhliche Aufklärerin, die eine Mission hat. Wenn wer sagt 'Du bist Kabarettistin', wird mir ganz übel, dann denke ich mir 'Nein, ich bin keine Kabarettistin, ich bin eine lustige Aufklärerin".
Ich spreche über Mythen, über den Orgasmus-Mythos und den G-Punkt, über die fröhliche Ejakulation der Frau und über all diese Dinge, wo die Menschen einfach unglaublich viel lernen. Das ist auch mein Anspruch, wenn ich oben stehe, dass die Leute UNBEDINGT was lernen müssen. Und nicht, dass ich sie nur unterhalte. Der Unterhaltungseffekt ist bei mir nur an zweiter Stelle, an erster Stelle ist: 'Hörts zu, passts gut auf, heute können wir wieder viel lernen.'

Mit ihrem Vortragskbarett "Verkehrstauglich" war Barbara Balldini zu Gast in Leoben.
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