27.05.2016, 09:59 Uhr

Aus Fehlern der Vergangenheit lernen

Die Begegnungen mit Schülern halten die 86jährige Zeitzeugung jung.

Hermine Liska, eine vom Bundesministerium anerkannte Zeitzeugin, berichtete an der NMS Bärnbach über ihre Erinnerungen aus der NS-Zeit. Ein Stück Zeitgeschichte, die niemanden kalt ließ.

Im Gespräch vermittelt Hermine Liska einen offenen, fast fröhlichen Eindruck. Sie wurde im Jahr 1930 geboren, aber man sieht ihr dieses Alter nicht an, "die Besuche an den Schulen mit den jungen Menschen halten jung", ist ihre Erklärung dazu. Seit über 20 Jahren erzählt sie in ganz Österreich ihre Geschichte. Es ist ein wichtiger Beitrag, da es nur mehr wenige Zeitzeugen gibt, die unsere Fragen beantworten.

Sie wurde als Hermine Obweger im Kärntner Görtschitztal geboren, ihre Eltern besaßen einen großen Bauernhof und waren „Ernste Bibelforscher“.
Ihr Vater lernte in russischer Gefangenschaft durch Bauern die Bibel kennen. Wieder zurück in seiner Heimat wurde er einer der ersten Zeugen Jehovas in Kärnten. Er trat aus der Kirche aus und wurde ein Bibelforscher, seine Freunde und Verwandten wandten sich von ihm ab.
Hermine und ihre vier Brüder hatten ein schönes Familienleben. Bis zu ihrem achten Lebensjahr, als Adolf Hitler in Österreich einmarschierte. "Die meisten Leute in unserer Gegend waren in Jubelstimmung. Hauptsächlich die Söhne der Bauern haben sich im Untergrund für den Nationalsozialismus betätigt. Mein Vater hatte schon von seinen Glaubensbrüdern aus Deutschland erfahren, dass Hitler sehr brutal gegen christliche Gruppen vorging und schon viele in den Konzentrationslagern waren".
Wegen der Verweigerung des Hilter-Grußes bekam sie bald Schwierigkeiten in der Schule. Mobbing ist keine Erscheinung der heutigen Zeit, Hermine hatte diese Erfahrungen bereits in ihrer Schulzeit gemacht, als sie als Bibelforschung und Jüdin verspottet wurde. "Einige Kinder haben sogar gesagt, dein Bruder Hans gehört aufgehängt, weil er den Wehrdienst verweigert hat. Mein Verhalten zeigte Folgen, ich bekam einen Sechser im Zeugnis, die schlechteste Betragensnote". Von den Lehrern wurde sie vom Turnunterricht ausgegrenzt und schließlich in eine andere Klasse zurückversetzt.
Anfang 1941 wurde ihr Vater vor das Gericht zitiert. Es wurde ihm ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt, worin er sich verpflichten sollte, seinem Glauben abzuschwören und seine Kinder nach der nationalsozialistischen Ideologie zu erziehen. Da er ablehnte, wurde ihm die Erziehungsberechtigung entzogen.
Mit elf Jahren wurde sie den Eltern weggenommen und in das nationalsozialistische
Erziehungsheim bei Feldkirchen gebracht.
Nach einer Prüfung wurde ihr vorgeschlagen, die Hauptschule zu besuchen, was ihr größter Wunsch war. Voraussetzung war allerdings, dass sie der Hitlerjugend beitreten müsse und alles mitmachen, was man von ihr verlangte. "Und das hab ich nicht gemacht.“ Als "schwer erziehbares" Mädchen, wurden ihr auch die Zöpfe abgeschnitten.
Sie berichtete auch von den schlimmen Erlebnissen ihres Bruders, der vom Konzentrationslager in Dachau heimkehrte. Bedrückend waren auch ihre Berichte über Kinder, die im Erziehungsheim "Spiegelgrund" zu Tode gequält wurden.
Es ist ganz still im Medienraum der NMS Bärnbach, der Schüler Lukas Brand, Gewinner eines Redewettbewerbes stellt viele Fragen an Hermine Liska, die sie ausführlich beantwortet. Für ihre wertvolle Aufklärungsarbeit wurde ihr das Goldene Ehrenzeichen verliehen, sie hatte keine Hassgefühle, denn wie sie von ihrer Mutter lernte, schaden einem diese nur selbst.
Mit diesen Zeitzeugengesprächen soll aufgezeigt werden, wozu Intoleranz, geschickt geschürte Vorurteile und verhetzende Propaganda führen können.
Außerdem soll die heutige Jugend dazu angehalten werden, ein gesundes Selbstbewusstsein zu erlernen und ‚nein‘ zu negativem Gruppenzwang, auch bei Alkohol, Drogen, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten zu sagen.
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