Alsergrund
Wien darf sich im Streit zwischen Wuk und FZ nicht rauswinden

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Aktuell toben heiße Streitereien zwischen dem Wuk und dem Fz. Die Stadt Wien übt sich in nobler Zurückhaltung. BezirksZeitungs-Redakteur Tobias Schmitzberger findet, sie müsste sich in ihrer Rolle mehr einmischen. 

WIEN/ALSERGRUND. Das, was man aktuell im Wuk beobachten kann, sind schwere Verwerfungen – siehe unten. Jahrzehntelang war es ein autonom organisierter Raum. Mit dem Mietvertrag, den die Stadt Wien dem Wuk ein Stück weit aufgezwungen hat, wurde eine Institutionalisierung eingeleitet.

Die Stadt Wien wird offiziell Vermieter des Backsteinkomplexes in der Währinger Straße, das Wuk sein Mieter: Auch über einen Gebäudeteil, den das Fz beansprucht. Daher der Wirbel: das Fz will vom Wuk unabhängig bleiben und wenn, dann einen eigenen Vertrag mit der Stadt Wien schließen. Das ist die sehr verkürzte Form der Debatte.

Mehr Markt, weniger Freiheit

Viele Probleme, die nun zum Vorschein kommen, rühren wohl ein Stück weit daher. Denn nicht alle Gruppen im Wuk sehen diese Entwicklung positiv: Sie müssen künftig mehr zahlen, etwa für Instandhaltung, und haben so ein Stück ihrer Freiheit eingebüßt. Geld bringt eben immer auch Verpflichtungen mit sich und Zwänge, es von irgendwo herzubekommen. Man setzt sich also der Institution "Freier Markt" stärker aus und muss Zugeständnisse machen: Spenden sammeln, Crowdfundings veranstalten, Werbung für sich selbst machen.

Solche Bauplanen wurden zu Taschen verarbeitet, die im Zuge des Crowdfundings als kleines Geschenk verschickt werden. | Foto: Harald Mairböck
  • Solche Bauplanen wurden zu Taschen verarbeitet, die im Zuge des Crowdfundings als kleines Geschenk verschickt werden.
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Dafür erhielt man von der Stadt 20 Millionen Euro und die einmalige Chance, das Gebäude ordentlich zu sanieren und für mehr Barrierefreiheit zu sorgen, etwa mit dem Einbau von Liften. Eindeutig auch das eine wichtige Sache. 

Gerade in einer linken, kapitalismuskritischen Logik schmerzt diese "Kommerzialisierung" viele Menschen rund ums Wuk. Auch die Probleme mit dem FZ, das selbst nicht Teil des Wuk ist, erklären sich zum Teil daraus, so denke ich. Und das ist nachvollziehbar: Das Wuk wandelt sich, und Wandel tut oft weh. Vor allem, wenn man ein Stück seiner Ideologie sein Stück weit aufgibt und pragmatischer mit den ungerechten gesellschaftlichen Verhältnissen umgeht. 

Auch die Stadt Wien steht in der Pflicht

Was mir nicht gefällt: Als das Wuk vor rund 40 Jahren gegründet wurde, stand die Stadt Wien den autonomen Gruppen recht offen gegenüber. Man duldete und förderte sie jahrzehntelang, auch in ihrem prekären Status. Mag sein, dass die Stadt Wien hier nun glaubt, eine Institutionalisierung des Wuk ist nötig, um es weiter unterstützen zu können. Wenn man 20 Millionen Euro locker macht, darf man wohl auch Zugeständnisse vom Wuk einfordern.

Trotzdem kommt mir vor, hier wird eine unangenehme Debatte mit dem Frauenzentrum ein Stück weit auf das Wuk ausgelagert und Dialog nicht (mehr) gesucht. 

Im Wuk gibt es Widerstand gegen den Mietvertrag mit der Stadt Wien.  | Foto: Tobias Schmitzberger
  • Im Wuk gibt es Widerstand gegen den Mietvertrag mit der Stadt Wien.
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Aber genau hier wäre mehr Gesprächsbereitschaft mit den Gruppen seitens der Stadt als Vermieter nötig. Gerade mit einer großen Gruppe, die mit der Umstellung größere Probleme hat und wichtige linke Basisarbeit leistet.

Erinnerung an eine linke Säulenheilige

Ich denke gerade an die erste Frauenministerin Österreichs, Johanna Dohnal (SPÖ). Über sie lief kürzlich ein Film, der Schlagzeilen machte. Wenn ich mich recht erinnere: Eine Episode handelt davon, wie eine Ex-Mitarbeiterin erzählt, wie Dohnal auch sehr radikale, feministische Gruppierungen zu sich ins Ministerium einlud und das Gespräch mit ihnen suchte. Autonome Frauengruppen im Ministerium: eine ungewohnte Vorstellung! 

Auf den 12.000 Quadratmetern des Wuk finden viele Veranstaltungen, Kurse, Gruppentreffen und mehr statt. Es nutzt die Stiegen 1-5 in diesem Gebäude.  | Foto: Wolfgang Thaler
  • Auf den 12.000 Quadratmetern des Wuk finden viele Veranstaltungen, Kurse, Gruppentreffen und mehr statt. Es nutzt die Stiegen 1-5 in diesem Gebäude.
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Natürlich setzte sie dann sicher aus vielen Gründen nicht 1:1 die Politik um, die sie wollten. Aber man suchte das Gespräch und auch den Streit mit solchen Personen – und dafür wurde bzw. wird auch Dohnal wohl zumindest respektiert. Ich denke, auch das Frauenzentrum, dass ja seit 40 Jahren unbestritten wichtige Arbeit am Alsergrund leistet, hätte sich da etwas mehr Streitkultur verdient: Auch wenn's unbequem ist und man nicht alle Einstellungen teilen muss. Auf einen grünen Zweig kommt man da schwer. 

Im Moment wirkt's aber so, als überlasst die Stadt Wien diese Streitgespräche dem Wuk, dass als Prellbock gegen den Zorn des FZ herhalten muss. Und das sehe ich eben seitens des roten Wien aktuell schon etwas kritisch: Dass man die Probleme und Streitereien mit dem FZ scheinbar dem Wuk überlässt, finde ich politisch feige.

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