25.10.2016, 14:52 Uhr

Das Geheimnis der Kliniktoten aus Mauer

Auf dem weitläufigen Friedhof des Landesklinikums Mauer findet man nur mehr vereinzelt Kreuze stehen.

Vom Direktor bis zum Schweinezüchter: Seit über 100 Jahren wird im Landesklinikum Mauer auch beerdigt.

MAUER. Hinter einer unscheinbaren grauen Mauer, direkt an der vielbefahrenen B121 gelegen, befindet sich die letzte Ruhestätte der 1898 erbauten "Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling".
Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handelt sich um eine gewöhnliche Parkanlage. Nur vereinzelt ragen ein paar einfache Holzkreuze auf einer weitläufigen Wiese empor und kennzeichnen ein darunterliegendes Grab.

"Mehr als 5.000 Tote"
Jedoch trügt der Schein, wie Karl Klem, Leiter der Parkpflege des Landesklinikums Mauer und somit auch mitverantwortlich für den hauseigenen Friedhof, zu berichten weiß: „Hier liegen bestimmt schon mehr als 5.000 Tote – die meisten aus den Kriegsjahren. Allerdings werden die Gräber, welche nicht bezahlt werden, nach zehn Jahren wieder aufgelassen."

Die letzte Ruhestätte
Lediglich Patienten und Personalmitarbeitern – sofern es deren ausdrücklicher Wunsch ist oder keine Angehörigen mehr existieren – wird die Ehre zuteil, am hauseigenen Friedhof beigesetzt zu werden.
"Viele Patienten verbringen in Mauer ihr halbes Leben. Die wollen dann als Tote auch nicht mehr weg von hier", so der 59-jährige Klem, in Anspielung auf den Dauerpatienten Gilbert Adler, welcher als Lehrer, Maler, Organist und Schweinezüchter 67 Jahre lang in der Heil- und Pflegeanstalt "beheimatet" war.
Auch der erste Direktor der Anstalt, Matthias Autengruber, findet sich in dem schönsten und größten Grab des Friedhofs wieder.

Platz, aber keine Nachfrage

Bis zu 970 Gräber könnten auf dem großen Friedhof vergeben werden. Platz, den man nicht benötigt, wie Adolf Schindlegger, Leiter der Wirtschaftsdienste in Mauer, verrät: "Man kann mittlerweile die Begräbnisse im Jahr an einer Hand abzählen. Früher waren es noch bedeutend mehr."
Zu Allerheiligen und Allerseelen füllt sich jedoch auch der Anstaltsfriedhof mit Besuchern und Patienten, die ihren verstorbenen Freunden, Bekannten und Verwandten im Stillen gedenken.
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