09.09.2014, 11:27 Uhr

Ybbstal: Bedrohung aus dem Erdreich

Gefahr aus der Erde: Der Drahtwurm nistet sich vor allem bei trockenem Wetter ein. (Foto: Prischnik)

Bei den Erdäpfelbauern ist der Wurm drinnen. Und das aber nicht nur im sprichwörtlichen Sinn.

KEMATEN. Sie schlängeln sich lautlos an ihre wehrlosen Opfer heran, attackieren sie und fressen sie auf. Nein, es ist keine Ankündigung für einen Horrorfilm, sondern die Realität für Erdäpfelbauern: Der Drahtwurm. Eine Plage, gegen die Landwirte machtlos sind – auch Martin Matzenberger aus Kematen.

Klima spielt eine Rolle

"Die Drahtwürmer treten zumeist bei starken Regenfällen bei einem Wiesenbruch auf. Hier hat er ein bis zwei Jahre Zeit sich zu entfalten", so Matzenberger. Ein Mittel biologisch dagegenzuhalten, ist eine regelmäßige Fruchtfolge. Unter Fruchtfolge wird die zeitliche Abfolge der auf einer landwirtschaftlichen Fläche angebauten Nutzpflanzenarten im Ablauf der Jahre verstanden.

Ansonsten müssen die Bauern dem Drahtwurm fast wehrlos zuschauen, denn ein Pflanzenschutzmittel gegen den Schädling wurde in Österreich nicht zugelassen. „Wir sind das einzige Land in Europa, das kein Mittel gegen den Drahtwurm hat. Im Herbst wurde es uns aufgrund des Bienenschutzes verwehrt. Jetzt haben wir halt das Problem mit dem Drahtwurm", sagt der Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau Franz Wanzenböck. Doch wirklich schlecht sind die Kartoffel dadurch nicht. "Bei den Erdäpfeln kommt es mehr auf die inneren Werte an. Wenn er leicht befallen ist, kann man es wegschneiden und die Erdäpfel trotzdem verwenden", sagt Matzenberger. Er spricht damit die Konsumgesellschaft an, die nur makellose Produkte kauft. "Doch vor allem die Lebensmittelketten müssten mit dem Umdenken anfangen", so Matzenberger weiter.

Unterstützung für Bauern

Bis es soweit ist, werden die Landwirte aber noch lange warten müssen. In der Zwischenzeit kündigt das Ministerium an, die betroffenen Landwirte finanziell zu unterstützen. Eine Sonderrichtlinie wurde bereits verfasst, doch bis jetzt liegt sie noch in der Schublade, sagt der Pflanzenbaudirektor der Landwirtschaftskammer Niederösterreich Ferdinand Lembacher. „Wir hoffen, dass diese Sonderrichtlinie in Kürze veröffentlicht wird", so Lembacher.

ZUR SACHE

"Goldor Bait" heißt das Pflanzenschutzmittel, das bei den wichtigsten Mitbewerbern wie Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien zugelassen ist. Österreich ist die einzige Ausnahme.
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