Alles unter Kontrolle: Film und Diskussion im Cinema Paradiso

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Verlieren wir unsere Freiheit, weil wir 100% Sicherheit haben wollen? Im voll besetzten Cinema Paradiso diskutierten darüber Rechtsanwalt Gottfried Forsthuber mit Filmemacher Werner Boote und Datenschützer Georg Kainz.

Kameras, Internet-Überwachung, Datenschutz nur am Papier: „Macht all das unsere Welt sicherer?“ fragt sich Rechtsanwalt Gottfried Forsthuber und fand mit Filmemacher Werner Boote und Datenschützer Georg Markus Kainz interessanten Gesprächspartner zum Thema Datenschutz und Bürgerrechte.

„Ich wurde fast verhaftet“

Boote, der via Skype von der Berlinale zugeschalten war, outete sich als Barzahler: „Seit den Dreharbeiten zu „Alles unter Kontrolle“ zahle ich nur mehr bar und verzichte auf Kredit- oder Bankomatkarte. Als ich einmal in den USA mein Mietauto bar bezahlen wollte, hätten sie mich beinahe verhaftet.“ Aber ansonsten gehe es ihm im bewussten Umgang mit seinen Daten sehr gut. „Ich hoffe sehr, dass ich die Menschen mit meinen Filmen aufwecken kann.“

An jeder Ecke eine Kamera!

Datenschützer Kainz widmete sich dem technischen Aspekt: „Wenn wir heute groß mit dem Finger auf China zeigen, wo Bürger nach ihrem „staatstreuen“ Verhalten bewertet werden, so sage ich Ihnen: Wir haben exakt das Gleiche hier in Österreich! Nur bei uns nehmen Versicherungen, Banken, Telekomunternehmen oder Onlinehändler die Bewertung vor, ob wir gute oder schlechte Kunden sind. Wer das Pech hat, in einer sozial schwachen Gegen zu leben, hat nur aufgrund dieser Tatsache weniger Chancen eine Versicherung oder einen Handyvertrag zu bekommen.

Wir haben die Wahl

Moderator Forsthuber fasste zusammen: „Unsere moderne Gesellschaft steht vor einer Entscheidung, die über unsere Zukunft bestimmt. Und diese Entscheidung ist im Wesentlichen eine politische. Wir beeinflussen diese mit unserem Verhalten Wenn wir sagen: "Uns ist es egal", dass die Regierung und Konzerne auf all diese Informationen Zugriff hat und wie sie verwendet werden, dann wird auch exakt das eintreten. Vermutlich gibt es Menschen, die meinen "so ist das moderne Leben, daran muss man sich eben gewöhnen." Ich will, dass es nicht zu so einer Gewöhnung kommt, denn ich halte so eine Zukunft für ein Gefängnis.“ Und Forsthuber appelliert: „Machen Sie sich bewusst, wo Sie Ihre Daten hergeben, machen Sie sich bewusst, dass Videoüberwachung unser Leben kontrolliert aber nicht unbedingt sicherer macht, machen Sie sich bewusst, dass Bargeld gedruckte Freiheit ist, die wir – genauso wie unsere Bürgerrechte - erhalten wollen.“

Im Anschluss ans Gespräch gab es noch Werner Bootes Film „Alles unter Kontrolle?“ der – typisch Boote – ein schweres Thema augenzwinkernd aufbereitete.

Infobox: Best of Datenschutz-Debatte

„Ich habe doch nichts zu verbergen!“
Derzeit nein, aber wer sagt Ihnen, dass das in 5 Jahren auch noch so ist? Außerdem: Bitte um Bekanntgabe Ihres IBAN und Ihres PIN! Wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann auch nicht die Zugangsdaten für Ihr Bankkonto.

„Wozu sich über das Datensammeln des Staates und der Geheimdienste aufregen? Die Leute sagen doch ohnehin alles freiwillig auf Facebook!“
Das ist ein gravierender Unterschied! Facebook/Social Media ist freiwillig. Die systematische Ausspähung und Überwachung aller Bürger ist es nicht! Das ist ein Vergleich von Äpfel mit Birnen.

„Mehr Kameras erhöhen die Sicherheit“
Falsch: Mehr Kameras verlagern das Geschehen (zB Schwedenplatz) und bringen nicht viel mehr als klassische Ermittlungsmaßnahmen. Nur weil eine Kamera mehr hängt, passiert deswegen nicht weniger.

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