Neuer Trend zur Erkundung der näheren Heimat

BEZIRKSBLÄTTER: Frau Triebnig-Löffler. Draußen hat's 40 Grad plus in der Sonne. Wo wären Sie jetzt gerne?
DR. CHRISTINE TRIEBNG-LÖFFLER: In der Kaisergruft in Wien, einer der kühlsten Orte in der Stadt. Wenn es so heiß ist, gestalte ich die Führungen im Interesse aller Gruppen manchmal ein bisschen um, und erzähle an den kühlen Orten mehr.

Das heißt, Fremdenführer brauchen eine gewisse Flexibilität als Grundeigenschaft.
Wir nennen uns Austria Guide. Und ja, Flexibilität ist wichtig, neben anderen Eigenschaften wie Geduld, Gelassenheit, Humor, höfliche Durchsetzungsfähigkeit und Organisationstalent. Man ist sozusagen Coach, Mutter und Entertainer in Personalunion. Man muss ja auch seine Schäfchen zusammenhalten und achten, dass niemand während einer Führung verloren geht.

Ihr Wissen ist aber auch nicht zu verachten. Sie werden sicher viel gefragt...
Mein Wissen habe ich vor 16 Jahren, nach meiner Rückkehr von einem achtjährigen Aufenthalt in Frascati bei Rom erworben. Die Ausbildung am WIFI dauerte drei Jahre, kam meinem kunst- und kulturgeschichtlichen Interesse entgegen und endete mit einer staatlichen Mega-Prüfung, die alle Inhalte dieser drei Jahre auf einmal abfragte. Die Fragen, die an mich gerichtet werden, betreffen aber oft auch Dinge, die mit der Führung nichts zu tun haben. Zum Beispiel über österreichische Sozialsysteme.

Es war sicher nicht einfach, sich das alles zu merken. Und bestimmt müssen Sie ständig Neues dazulernen. Wie lernen Sie?
Erstens braucht man Zeit. Mein Mann hat mich in der Zeit, da waren unsere Kinder noch klein, sehr unterstützt. Am besten lerne ich, wenn ich mir die Themen selbst erarbeite, ich lese viel, gehe vor Ort, um mir Dinge anzuschauen, dann verstehe ich sie schneller und natürlich muss ich ständig wiederholen. Ich bin das Lernen von meinem Studium der Geografie und Geophysik in der Jugend gewöhnt. Und ich lerne gerne.

Sie haben ja viel mit ausländischen Touristen zu tun. Stimmen eigentlich die Klischees, zum Beispiel vom peniblen Deutschen?
Leider ja. Japaner zum Beispiel erscheinen auf den ersten Blick extrem hektisch und unpersönlich, sie suchen nicht den Blickkontakt. Nach einer Weile wird das besser, wenn es gelingt, die Aufmerksamkeit zu bekommen. Im Badener Beethovenhaus gelingt das normalerweise gut. Die Schweizer sind zum Beispiel freundlich und sehr pünktlich, weitgereist, anspruchsvoll und lieben Qualität. Ich arbeite gerne mit ihnen. Amerikaner sind unkompliziert und oft geflasht über die viele Kultur, die wir bieten. Deutsche kennen sich geschichtlich extrem gut aus. Italiener, die ich ja gut kenne, sind beim Termin-Vereinbaren oft chaotisch, Verspätungen sind nicht ungewöhnlich, in ihnen steckt etwas Anarchistisches.

Und die Österreicher?
Sehr angenehm. Bei ihnen merke ich einen deutlichen Trend zum Interesse an der engeren Heimat. Immer öfter werden Führungen mit einem gesellschaftlichen Event kombiniert - etwa einem Geburtstag oder vielleicht auch einer Übersiedlung. Man war schon auf der ganzen Welt und kennt oft nicht die Schönheiten der näheren Umgebung.

Sie machen Führungen in Wien und Baden. Sind die beiden Städte vergleichbar?
In Baden ist es grundsätzlich nicht so heiß (lacht). An M.G. Saphirs Worten „Baden ist ein kleines Wien in Aquarell“ ist schon etwas Wahres dran. Zutreffend für beide Städte ist das viele Grün, die Musik, die Vielseitigkeit ist da wie dort enorm.
(Interview: Gabriela Stockmann)

Zur Person:


Dr. Christine Triebnig-Löffler ist gebürtige Steirerin und lebt seit 20 Jahren in Baden. Sie ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder - Carla (22) und Silvester (29). Ihre Hobbys: Wandern ("Jedes Frühjahr ist für mich eine kleine Renaissance"), Tanzen in der Disco und Besuch von Ausstellungen und Museen. Sie bietet 15 verschiedene Führungen in Baden an - von der Museenführung über Themenführungen (Musik, Verliebt, Garten oder Süßigkeiten etc.). Ihre Sprachen: Englisch, Deutsch und Italienisch. Anfragen an Dr. Christine Triebnig-Löffler, 0664-2835755,
c.triebnig-loeffler@aon.at.

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