03.09.2014, 11:34 Uhr

"Begossener Pudel" oder "Charity-Held"?

Die Ice Bucket Challenge grassiert auf Facebook wie eine Seuche. Was bringt sie den an ALS Erkrankten wirklich? Eine Debatte.

Nicht alle wissen, dass die Ice Bucket Challenge auf die unbekannte schwere Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam machen soll. Das Schicksal, für den „Eiskübel“ nominiert zu sein, hat mittlerweile auch viele PolitikerInnen in unserer Region erfasst – etwa Andreas Kieslich, Kurt Staska, Andreas Babler, Thomas Sabbata-Valteiner, Carmen Jeitler-Cincelli und viele mehr. Hier eine Zusammenfassung der Pros und Contras der Debatte.
Poetisch entledigte sich SP-Bezirksfrauenchefin Elvira Schmidt aus Pottendorf ihrer „Pflicht“: Statt einen Kübel Eiswasser mir über den Kopf zu gießen, lass ich lieber ein paar Euros fließen ...“ Andreas Babler aus Traiskirchen „macht zwar nicht bei jedem Blödsinn mit“, bei diesem aber schon, für den guten Zweck eben. Aber er verzichtete darauf, drei weitere Personen zu nominieren.
Der Bad Vöslauer Arzt Dr. Ernst Tiefengraber findet es „traurig, dass eines der reichsten Länder der Welt statt dringend notwendige Forschung öffentlich zu finanzieren, das Schicksal dieser Menschen plakativer und vordergründiger Charity überlässt! Ich halte Forschung und Gesundheitsvorsorge für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!“
Wenig „geistvoll“ findet aus Elisabeth Rosenbichler aus Baden die Kampagne. Und die Badenerin Elfie Resch spricht von "Verschwendung des Lebensmittels Wasser". Siegi Voith aus Traiskirchen: „Was leider untergeht bei dieser ganzen Sache ist, dass der Akt des Übergießens mit Eiswasser einen Mini-Atemstillstand und somit eine Idee von den Nöten der ALS-Erkrankten erzeugt."
Pragmatisch das Statement von Gerhard Neuwirth aus Bad Vöslau: „Jeder 2. Facebooker schüttet sich Eiswasser über den Kopf. Das hat fast nichts mehr mit ALS zu tun – die Leute verkühlen sich, gehen in den Krankenstand und sind auf Spenden der Krankenkassen angewiesen.“
Der Kommunist Leo Furthlehner wiederum spricht – angesichts der vielen Kriege und Krisenherde auf der Welt - von einer geradezu zynischen „Bewegung der begossenen Pudel“. Und viele zweifeln, dass das Spendengeld überhaupt seinen Zweck erfüllt.
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