01.10.2014, 15:14 Uhr

Jane Goodall in Bad Vöslau

Jane Goodall besuchte mit Wissenschaftsminister Mitterlehner und Landeshauptmann Pröll die Forschungsstation Haidlhof

Bad Vöslau, 1. Oktober 2014. Die weltbekannte Schimpansenforscherin Jane Goodall besuchte heute im Rahmen ihres Österreich-Aufenthalts die Forschungsstation Haidlhof in Bad Vöslau (NÖ). Sie wurde begleitet von Vizekanzler, Wissenschafts- und Forschungsminister Reinhold Mitterlehner, Landeshauptmann Erwin Pröll, Rektorin Sonja Hammerschmid, Rektor Heinz Engl und WissenschafterInnen. Am Haidlhof untersuchen ForscherInnen der Universität Wien und der Vetmeduni Vienna das soziale Verhalten von Vögeln und Freilandschweinen.
Jane Goodall revolutionierte mit ihren Entdeckungen zum Schimpansen-verhalten das Verständnis von Mensch und Tier. Sie dokumentierte zum ersten Mal, dass Tiere Werkzeuge herstellen und verwenden. Diese Fähigkeiten schrieb man bis zu diesem Zeitpunkt nur Menschen zu. Die weltweit anerkannte Primatologin mit engen Verbindungen nach Österreich setzte mit ihrer Erkenntnis neue Maßstäbe in der Verhaltensforschung. Für die Wissen-schafterInnen am Haidlhof ist der Besuch von Jane Goodall eine besondere Ehre und Motivation für ihre Forschungsarbeit. Dazu meint Goodall: „Wissenschaft ebnet den Weg für Neues. Forschungsergebnisse besitzen die Kraft, eine Gesellschaft und deren Umgang mit Tieren zu verändern. Je mehr wir über Tiere, ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse wissen, desto besser können wir sie schützen.“ Jane Goodall, die auch UN-Friedensbotschafterin ist, wurde für ihre Forschung international ausgezeichnet und ist Trägerin zahlreicher Ehrendoktorate und Preise, darunter der Konrad-Lorenz-Preis der Republik Österreich.
Verhaltensforschung in Österreich
Im Bereich der Verhaltensforschung findet Österreich internationale Aufmerksamkeit. „Durch den starken internationalen wissenschaftlichen Austausch wird die österreichische Tradition der Verhaltensforschung am Haidlhof auf hohem Niveau weitergeführt. Zudem ist die Anlage auch ein Beispiel für gelebte Kooperation zwischen Disziplinen und Standorten", sagt Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Im Rahmen der letzten Kooperationsausschreibung der Hochschulraumstrukturmittel 2013 haben die Universität Wien und die Veterinärmedizinische Universität für das Projekt „Verbesserung der Infrastruktur der Forschungsstation Haidlhof“ den Zuschlag von 1,26 Millionen Euro erhalten. Allein 2015 und 2016 werden in Summe rund 650.000 Euro in den Haidlhof investiert. "Die Bündelung der vorhandenen Ressourcen, etwa durch die gemeinsame Nutzung der Forschungsinfrastruktur, erhöht die internationale Sichtbarkeit und Schlagkraft der beteiligten Institutionen. Daher werden wir Kooperationen zwischen Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft weiter stärken", so der Vizekanzler.
Dynamischer Wissenschaftsstandort Niederösterreich
Die im Bezirk Baden gelegene Forschungsstation ist am Lehr- und Forschungsgut der Veterinärmedizinischen Universität Wien angesiedelt, die über mehrere Standorte in Niederösterreich verfügt. "Dank unserer Anstrengungen im wissenschaftlichen Bereich ist Niederösterreich heute ein Wissenschaftsland mit herausragenden Adressen, hervorragenden Institutionen und großartigen Köpfen. Durch unsere zahlreichen erfolgreichen Kooperationen mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien wird die Brücke zwischen der Tradition Niederösterreichs als Agrarland und den Fortschritten Niederösterreichs als Wissenschaftsland gespannt. Damit wird gezeigt, dass exzellente Forschung auch im ländlichen Raum möglich ist“, erklärt Landeshauptmann Erwin Pröll.
International gefragte Forschungsstation
Die einzigartige Forschungsstation Haidlhof ist das Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation zwischen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität Wien, die sich zu einem internationalen Aushängeschild für vergleichende Verhaltensforschung entwickelt hat. WissenschafterInnen aus Europa, Amerika, Asien und Australien erforschen am Haidlhof die Intelligenz und das soziale Verhalten von Bergpapageien, Raben und seit kurzem auch jenes von Freilandschweinen.
Verhalten und Kommunikation von Vögeln im Fokus
Die inhaltliche Federführung der Forschungsaktivitäten liegt bei drei anerkannten Biologen. Die interdisziplinären Teams um Ludwig Huber (Vetmeduni Vienna, Messerli Forschungsinstitut), Thomas Bugnyar und ERC-Preisträger Tecumseh Fitch (beide Dept. Kognitionsbiologie, Universität Wien) arbeiten hauptsächlich mit Vögeln, wie etwa den neuseeländischen Bergpapageien (Keas) und den heimischen Kolkraben. Den ForscherInnen stehen dafür weitläufige Volieren und ein Bioakustiklabor zur Verfügung. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit stehen sozio-kognitive Fähigkeiten der Vögel. Die WissenschafterInnen untersuchen, wie Vögel voneinander lernen, Probleme lösen, wie sie kooperieren und kommunizieren.
Neues Projekt mit Freilandschweinen
Seit kurzem widmen sich die ForscherInnen auch dem Verhalten von Hausschweinen, die als sehr soziale Tiere gelten. Dazu wurde mit Hilfe der schweizerischen Messerli-Stiftung ein Freilandgehege für rund 30 Kune Kune Schweine errichtet. Erforscht werden neben den sozio-kognitiven Fähigkeiten auch das Wohlbefinden und die Stressbelastung der Schweine. Ob Vögel oder Schweine - die Erkenntnisse, die an der Forschungsstation Haidlhof gewonnen werden, tragen alle zu einem besseren Verständnis der Tiere bei. Sie liefern einen wichtigen Beitrag zu einem wissenschaftsbasierten Tierschutz. Am Haidlhof wird besonderer Wert auf das Tierwohl gelegt. Kein Tier wird zu einem Test gezwungen, sie machen freiwillig mit. Trainiert werden sie mittels positiver Verstärkung.

Foto: v.l.n.R.: Bürgermeister von Bad Vöslau Christoph Prinz, Professor William Tecumseh Sherman Fitch, Rektorin Sonja Hammerschmid, Landeshauptmann Erwin Pröll, Jane Goodall, Vizekanzler und Bundesminister Reinhold Mitterlehner, Rektor Heinz Engl, Professor Ludwig Huber und Professor Thomas Bugnyar. Credit: Ernst Hammerschmid

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Gründungsjubiläum. www.vetmeduni.ac.at

Über die Universität Wien
Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. www.univie.ac.at
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