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Gedanken zum Sonntagsevangelium von Dechant Smetanig

Auch diese Woche teilt Braunaus Dechant Gert Smetanig seine Gedanken zum Sonntagsevangelium mit uns.
  • Auch diese Woche teilt Braunaus Dechant Gert Smetanig seine Gedanken zum Sonntagsevangelium mit uns.
  • Foto: Hans Schamberger
  • hochgeladen von Katharina Bernbacher

Die Gottesdienste im Land sind aufgrund der Corona-Krise abgesagt. Damit Gläubige aus dem Bezirk Braunau aber trotzdem das Sonntagsevangelium genießen können, versorgt uns Braunaus Dechant Gert Smetanig wöchentlich mit seinen Gedanken dazu.

BEZIRK BRAUNAU (kat). Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wir kennen alle die Lazarusgeschichte, die uns der Evangelist Johannes am vergangenen Fastensonntag erzählt hat. Aber was halten Sie von dieser Version? Jesus war tief erschüttert. Als er sich wieder gefasst hatte, wandte er sich an die Umstehenden: „Werte Trauergemeinde“, sagte er, „wir müssen Abschied nehmen von unserem Freund Lazarus. Ja, er war unser Freund. Wer ihn im Leben gekannt hat, wird mir zustimmen, wenn ich sage: Er war ein guter Mensch. Niemals hat er etwas Unrechtes getan. Stets war er anständig und zu jedermann hilfsbereit. Darum wollen wir bei aller verständlichen Trauer doch auch dankbar dafür sein, dass wir ihn gehabt haben und dass er so viele Jahre hier unter uns lebte. Wir wollen ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Seinen Schwestern, die er hinterlassen hat, möge nun unser ganzes tiefempfundenes Mitgefühl gelten. Sie dürfen unserer Unterstützung gewiss sein. Für den aber, der so früh aus unserer Mitte geschieden ist, wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass er, so wage ich zu sagen, uns allen in ein besseres Jenseits vorausgegangen ist. Der Friede sei mit dir! Ruhe sanft, ruhe aus von allen Mühen, Lazarus, mein Freund! Möge die Erde dir leicht sein!“ - Salbungsvolle Worte, die wir nur allzu gut kennen; Formeln und Floskeln, wie sie in vielen Trauerpredigten und Nachrufen am Grab zu hören sind; fromme Sprüche, mit denen uns der Frankfurter Pfarrer und Schriftsteller Lothar Zenetti provozieren will, die vertraute Lazarusgeschichte wieder neu zu hören.
Nicht Sätze, die vertrösten, sondern kraftvolle Worte stellt hingegen der Evangelist Johannes ins Zentrum der Lazarusgeschichte. Keine Grabrede, sondern „Worte ewigen Lebens“ legt er Jesus in den Mund. Frei übersetzt klingen sie so: „Ich bin der, der euch jetzt schon zu einem neuen Leben aufweckt. Wer auf mich vertraut, sich an mir orientiert, in meinem Sinn fühlt, denkt und handelt, der hat schon dieses neue Leben - und es kann ihm selbst durch den Tod nicht genommen werden. Alle, die durch den Glauben an mich ein neues, ein wahres und erfülltes Leben begonnen haben, werden es nie mehr verlieren.“
Auf dem Hintergrund der erfundenen Traueransprache können wir diese Botschaft ganz neu hören: Sie zielt zum einen nicht auf den verstorbenen Lazarus, sondern auf alle Lebenden. Jesus schaut nicht zurück und würdigt die Verdienste seines toten Freundes, sondern er möchte denen, die leben, die trauern, die Halt suchen, etwas ans Herz legen.
Wir hören zum anderen auch nicht von einem besseren Jenseits, sondern von Auferstehung heute und jetzt - mitten im Leben. Jesus zieht die Grenze zwischen Tot-sein und Lebendig-sein ganz woanders als Maria und die meisten von uns. Tragisch ist für ihn nicht, dass ein Mensch stirbt, dass er vielleicht sogar früh stirbt. Tragisch ist für ihn nur, wenn ein Mensch stirbt, ohne wirklich gelebt zu haben; wenn er schon zu Lebzeiten „tot“ war. Denn nicht die Länge eines Lebens ist entscheidend für ihn, sondern die Tiefe, die Qualität. Tod und neues Leben ereignen sich hier und heute. Wir müssen, um es mit einem Schlagwort zu sagen, nicht erst ums Leben kommen, um zum ewigen Leben zu kommen. Es beginnt schon, wenn ich mich für den Glauben an Jesus Christus entscheide.
„Wirklich zu leben ist das Kostbarste auf der Welt. Die meisten Menschen existieren bloß, sonst nichts“, meint der irische Schriftsteller Oscar Wilde. Nicht nur zu existieren, sondern wirklich zu leben - befreit und gelöst, hier und heute: dafür wirbt Jesus in seinem Reden und Handeln. Sind wir alle dazu bereit?

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