Hier wird Tier geholfen
„Mi-Au!“ – Nachtschicht in der Tierklinik Altheim

Bailey ist wieder wohlauf.
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Die Tierklinik Altheim ist 24 Stunden am Tag für Notfälle erreichbar. Und das tut sich des Nachts:

ALTHEIM (ebba). Während es Katerchen Bailey wieder gut geht und er darauf wartet, am nächsten Tag von seinen Besitzern abgeholt zu werden, herrscht große Sorge um Patientin Lucy. Die Katze geriet unter die Räder eines Autos. Da sie wegen eines „Schwanzabrisses“ nicht mehr in der Lage ist, selbstständig ihre Notdurft zu verrichten, müssen die Helfer in der Tierklinik Altheim regelmäßig ihre Blase ausdrücken. So geht es auch Hund Chico. Geduldig und nahezu dankbar lässt er die Prozedur über sich ergehen.

In der Nacht von 17. auf 18. August hat Tierärztin Verena Bereitschaftsdienst. Sie ist eine von acht Tierärzten in der Klinik. Zu ihren Aufgaben im Nachtdienst zählen neben der Aufnahme und Versorgung von Notfällen telefonische Erreichbarkeit und das Versorgen der stationären Patienten. Sieben sind es in dieser Nacht. Immer wieder vergewissert sich die Tierärztin, dass es allen gut geht. Bei einem Kätzchen, das sich die Kralle abgerissen hat, wird der Verband gewechselt. Alle Übernachtungsgäste bekommen Futter nachgereicht. Jeder Schritt wird protokolliert.

Der Notdienst der Tierklinik ist für akute, lebensbedrohliche Notfälle gedacht. Also für Situationen, in denen das Leben des Tieres in Gefahr ist. „Viele nutzen den Notdienst leider aus, wollen etwa mit ihrer Katze mitten in der Nacht zum Impfen kommen und verstehen die Welt nicht mehr, wenn man ihnen erklärt, dass diese Zeit nur für Notfälle eingerichtet wurde“, schildert die Tierärztin.

Vieles geht ans Herz

Reanimationen und Not-OPs sowie die Sorge um das lieb gewonnene Haustier nehmen die Besitzer von Hund und Katz oft schwer mit. Vor allem aber, wenn das Einschläfern die beste Option fürs Tier ist, das sonst unnötig leiden müsste, fließen oft Tränen im Behandlungsraum. „Jeder geht anders damit um. Manche trauern ganz still, andere hingegen erzählen ganz viel von ihrem Tier.“ Es gibt aber auch viele schöne Momente.

„Ich erinnere mich noch an eine Katze, deren Diabetes geheilt werden konnte. Oder an einen komplizierten Kaiserschnitt, bei dem alle Welpen überlebten und auch die Mutter alles gut überstand“, schildert die Tierärztin. „Im Sommer haben wir viele Schnittverletzungen und Autounfälle. Häufig sind auch Magen-Darm-Erkrankungen, Insektenstiche oder Verletzungen durch Raufereien“, erklärt die 33-Jährige.

Während dieser Nacht kommen drei Notfallpatienten in die Tierklinik. Patric L. aus Braunau bringt seinen 15 Wochen alten Kater Rocky in den Behandlungsraum. „Ich hab Rocky adoptiert, da ihn ein Arbeitskollege ansonsten ins Tierheim gebracht hätte.“ Er erzählt der Ärztin, dass Rocky sich beim Spielen wahrscheinlich die Schulter ausgekugelt hat. Die Untersuchung wird schließlich zur Herausforderung, da sich Rocky als kratzbürstig herausstellt. Der Tierärztin ist es nicht möglich, das Tier zu untersuchen. Während sich der Kater wehrt, scheint sich seine Schulter allerdings von selbst wieder eingerenkt zu haben. Das Tier kommt wieder zur Ruhe, bekommt ein Schmerzmittel und scheint bald wieder wohlauf zu sein.

Patientin Nummer zwei ist Bessy. Zwei Damen kommen mit der zirka 14 Jahre alten Hündin in die Klinik. Die Besitzerin spricht von einer Schwellung im Bereich einer Zitze, die die Hündin offenbar schmerzt. Das Tier würde auch nur ungern laufen. Und tatsächlich fühlt die Tierärztin mehrere dicke Lymphknoten. Dazu kommt, dass die Hündin Fieber hat. Bessy bekommt ein Antibiotikum und Fiebersenker. Die Tierärztin erfühlt auch im Beckenbereich eine Umfangsvermehrung, die ihr Sorgen bereitet. "Das könnte etwas Tumoröses sein." Um dies genauer abzuklären, muss Bessy noch einmal in die Klinik kommen.

Die Tierklinik in Altheim ist großzügig ausgestattet. Drei Behandlungsräume, ein CT, Röntgen, Zahnarztstation, Operationssäle, Aufwachräume – alles modern eingerichtet und darauf bedacht, dass sich Hund und Katz möglichst wohlfühlen. So ist auch das Wartezimmer in einen Hunde- und Katzenbereich aufgeteilt, damit Konfrontationen vermieden werden können. „Ein Tierarztbesuch ist ja meist schon Stress genug für das Tier“, weiß die Tierärztin.

Der dritte und letzte Patient in dieser Nacht ist wieder ein akuter Notfall. Eine Tierärztin aus Bayern kommt mit ihrem Rhodesian-Ridgeback-Windhund-Mischling Isys in die Klinik, weil ihr Ultraschallgerät für den bevorstehenden Eingriff nicht ausreichen würde. Der elf Jahre alte Mischling leidet an einem Erguss im Herzbeutel. „Ein echter Notfall und etwas, das eher selten vorkommt“, erklärt Tierärztin Verena. Sie gibt zu, ein wenig nervös zu sein, da der Eingriff nicht ganz ungefährlich ist.

Als die Tierärztin aus Bayern so gegen zwei Uhr morgens mit ihrem Vierbeiner ankommt, merkt man schon, dass es auch für einen Tierarzt etwas anderes ist, wenn es plötzlich um das eigene Tier geht. Gemeinsam mit Tierärztin Verena führt sie den Eingriff an dem elfjährigen Hund durch. Durch eine Punktion des Herzbeutels mit einer Kanüle kann dem Notfallpatienten schließlich geholfen werden. Alles geht gut aus. Und Tierärztin Verena kann sich nun auch wieder etwas Schlaf gönnen, bis sich der nächste Notfall ankündigt.

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