22.11.2016, 08:30 Uhr

Die Weihnachtszeit als Zeit des Brauchtums

(Foto: panthermedia.net/Peteer)

Räuchern, Herbergsuche, Adventkranz, Barbarazweige: Vor allem die Advent- und Weihnachtszeit ist von Bräuchen bestimmt.

BEZIRK (maba). "Bräuche geben Halt, fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl und stärken die Identität", ist Michaela Steidl überzeugt. Sie ist Pastoralassistentin und Religionslehrerin in Munderfing.

Die tiefere Bedeutung

Gerade die Zeit um Weihnachten ist von zahlreichen Bräuchen und Traditionen geprägt. An den Adventkranz denkt man vermutlich zuerst und Steidl betont: „Religiöse Bräuche haben immer einen tieferen Sinn, eine Aussageabsicht.“

In der dunkelsten Zeit des Jahres Lichter zu entzünden und die Steigerung der Helligkeit bis zur vierten Kerze deuten auf Christus, der immer näher kommt. Während die runde Form des Kranzes ein Hinweis auf die Ewigkeit ist und die rote Farbe der Kerzen für die Liebe steht, sind die violetten Schleifen Ausdruck der Umkehr und der Bußgesinnung und somit Ausdruck der tieferen Bedeutung des Advents. Während in älterer Generation dieser religiöse Gehalt noch bekannt war, ist heute der Kranz für manche Menschen nur ein Schmuckstück ohne tieferen Sinn. „Hier zeigt sich, dass sich die Bedeutung eines Brauches auch verändern kann“, sagt die Religionslehrerin.

Wenn Bräuche verschwinden

Bräuche sind immer in Gefahr, verloren zu gehen. Manchmal endgültig, manchmal werden sie nach einiger Zeit wiederbelebt. Michaela Steidl bezeichnet unser gesellschaftliches Klima jedoch als „brauchtumsfreundlich“, denn die Menschen würden in einer Zeit der Verunsicherung nach Halt suchen, den das Pflegen alter Bräuche durchaus geben kann.

Die Gründe, warum manche Brauchtümer trotzdem verschwinden sind vielfältig. Steidl glaubt, die Bräuche gehen dann verloren, „wenn sie nicht mehr verstanden werden, wenn sie als altmodisch oder abergläubisch abgetan werden oder, wenn sie sich für das Leben nicht mehr als hilfreich erweisen.“
Beispielsweise war das „Räuchern“ der Häuser, Wohnungen und Stallungen in den Rauhnächten ursprünglich in vier Nächten üblich. Manche Familien haben es dann reduziert auf die Nacht vor dem 6. Jänner und „heute wird es wahrscheinlich nur noch von einer Minderheit praktiziert“, erklärt die Religionslehrerin. Andererseits gibt es auch Bräuche, wie den Brauch des „Herbergsuchens“ oder „Frauentragens“, die schon am Verschwinden waren und in den letzten Jahren neu entdeckt und wiederbelebt wurden.

Brauchtum wird gebraucht

Egal ob Adventkranz, Nikolaus, Herbergsuche, Räuchern oder Barbarazweige – „Brauchtum soll kein sinnentleertes, gedankenloses Tun sein, sondern Ausdruck einer Haltung, die Hoffnung zu schenken vermag“, betont Michaela Steidl. Denn dann können Bräuche Gemeinschaften stärken, Identität stiften und Halt geben.
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