07.11.2017, 11:39 Uhr

Dramatischer Anstieg an Tiernotfällen

Hund Baloo (Foto: Pfotenhilfe/Sonja Müllner)

Bei Pfotenhilfe melden sich täglich dutzende Anrufer, die ihr Tier loswerden wollen oder müssen

LOCHEN. In den letzten Tagen und Wochen registriert der Tierschutzhof Pfotenhilfe in Lochen einen dramatischen Anstieg an Anfragen. Viele Personen wollen oder müssen ihre Hunde, Katzen und andere Tiere – darunter auch Exoten – „loswerden“ und das oftmals sofort.

„Ich verstehe nicht, warum es jetzt so eine Flut an Notfällen gibt. Seit sechs Jahren leite ich jetzt die Pfotenhilfe, aber so kritisch war es bei weitem noch nie“, sagt Geschäftsführerin Johanna Stadler. „Wir können nur einen Bruchteil der Tiere aufnehmen, weil wir ja so schnell gar nicht vermitteln können, wie wir freie Plätze bräuchten. Allein gestern mussten unter anderem 17 Hunde, 23 Katzen, darunter mehrere Senioren aber auch säugende Katzenmütter samt Kitten, laut den Haltern dringend weg.“

Das Hauptproblem ist, dass Tiere sehr oft spontan und unüberlegt angeschafft werden. Es sei laut Stadler leider viel zu leicht und billig, an Tiere zu kommen. Die Folgekosten und die Verantwortung, die man sich aufhalst, werden allerdings meist nicht bedacht. Neben Futter- und Tierarztkosten muss man unbedingt vorher genau überlegen und planen, was im Falle von Krankheit, Trennung oder anderen Änderungen der Lebensumstände mit dem Tier passiert.

Oft scheitert die Mensch-Tier-Beziehung aber auch einfach nur daran, dass das Tier die zu hohen oder falschen Erwartungen nicht hundertprozentig erfüllt. Aus purem Egoismus zugelegte Tiere sind dann ganz schnell die Leidtragenden. Die Pfotenhilfe versucht zwar über soziale Netzwerke bei der Vermittlung zu helfen, aber wenn dies nicht oder nicht schnell genug zum Erfolg führt, enden diese Tiere allzu oft auf der Straße.

„Es ist mir einfach unbegreiflich, warum Menschen derart verantwortungslos handeln, obwohl es um Lebewesen geht, deren Gefühlsleben sich nicht von unserem unterscheidet, nur weil wir auf zwei Beinen gehen. Ich kann ja auch nicht mein Kind einfach weggeben, weil ich einen neuen Partner habe, der keine Kinder mag.

„Kürzlich wurden in einem Karton sechs ausgesetzte Chinchillas gefunden und von einer befreundeten Tierschutzorganisation erstversorgt und zu uns in die Pfotenhilfe gebracht – wie so oft leider auch noch gemischtgeschlechtlich gehalten. Die ersten Jungtiere haben dieser Tage bereits bei uns das Licht der Welt erblickt. Die Tiere waren offenbar kurz nach Anschaffung samt Nachwuchs nicht mehr erwünscht“, ist Stadler erschüttert.

Aber auch die Fälle von aus dem Ausland geretteten Tieren, die beispielsweise auf Facebook um ein neues Zuhause betteln, weil sie sonst in einer Tötungsstation grausam ermordet würden, und dann in Österreich kurzfristig ein Zuhause fanden, häufen sich in den Tierheimen. „Die vermeintlichen Tierretter wollen aus Mitgefühl helfen. Nach kurzer Zeit bemerken sie, dass sie damit überfordert sind oder das Tier-Mensch-Team nicht zusammenpasst. Die Organisationen, die solche Rettungen organisieren, haben aber meist keine eigene Unterbringungsmöglichkeit für eine Rücknahme oder sind in unseriösen Fällen nicht einmal mehr erreichbar“, ärgert sich Stadler. „So geschehen bei bisher 23 Hunden, die wir dieses Jahr alleine in der Pfotenhilfe aufnehmen mussten, obwohl bei uns die Kapazitäten für Hunde ohnehin sehr begrenzt sind.“
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