22.11.2016, 23:01 Uhr

Ein Leben in der Vergangenheit

"Ablenkung durch Beschäftigung" ist einer von vielen Therapieansätzen bei Demenzerkrankten. (Foto: Fotolia/Alexander Raths)

Demenz ist eine schleichende Erkrankung. Der frühe Termin beim Arzt ist entscheidend für den Patienten.

BEZIRK. Derzeit leiden rund 100.000 Menschen österreichweit an Demenz, Prognosen rechnen im Jahr 2050 bereits mit 230.000 Erkrankten.

Wichtig: frühe Diagnose

Sabine Dienstl ist Demenzbeauftragte des Hilfswerks Bruck. Die Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin rät, bei Erkennen der ersten Anzeichen (siehe Kasten links) sofort einen Neurologen zu konsultieren: "Es gibt inzwischen gute Methoden, die Demenz in ihrem Fortschreiten zu verlangsamen. Ganz wichtig ist ein rasches Handeln, je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser die Prognose für den Verlauf der Erkrankung. Ziel ist, den Demenz-Patienten so lange wie möglich in seiner Selbstständigkeit zu erhalten."

Leben im Gestern

Dienstl erklärt, wie es den Erkrankten geht: "Viele leben in der Vergangenheit, ein Patient war schon lange pensioniert, trotzdem machte er sich jeden Tag pünktlich auf zur Arbeit. Ein ehemaliger Bäcker steht jeden Tag um zwei Uhr früh auf. Diese Menschen benötigen eine individuelle Pflege, um nicht sich selbst - oder sogar andere - zu gefährden. Manchmal ist es nötig, einen Herd abzuklemmen, weil die Patienten vergessen, dass sie etwas zu essen machen wollten."

Individuelle Pflege

"Wenn demente Patienten beispielsweise die Körperpflege am Morgen verweigern, kann man durch Biografiearbeit eruieren, ob der Patient vielleicht gewohnt ist, am Abend zu duschen. Dann stellt man den Tagesablauf so um, dass der Demente sich wieder zurechtfindet. Wir versuchen, für jeden Patienten die richtigen Pflegemaßnahmen zu finden", so Sabine Dienstl abschließend. Weitere Informationen beim Hilfswerk Bruck unter: 02162/68681.

Warnsymptome der Demenzerkrankung

Verwandte und Freunde sollten darauf achten, ob der Betroffene Dinge, die erst kürzlich passiert sind, vergisst. Das Namens- und Gesichtergedächtnis ist eingeschränkt. Persönliche Gegenstände werden verlegt. Die Entscheidungsfreudigkeit ist reduziert. Der Betroffene findet sich in vertrauter Umgebung nicht mehr zurecht oder hat Schwierigkeiten beim Ausüben von gewohnten Aktivitäten. Zeitlich und räumlich ist er desorientiert.
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