Gesundheit im Burgenland
Reflux: Wenn Sodbrennen zum Warnsignal wird
- Reflux zählt mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes und nimmt seit Jahren zu.
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Gelegentliches Sodbrennen ist meist harmlos. Treten die Beschwerden jedoch regelmäßig auf, kann eine Refluxerkrankung dahinterstecken – und die sollte keinesfalls unterschätzt werden.
Viele kennen es: Nach einem üppigen Essen oder einem Glas Wein steigt Magensäure auf und verursacht ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. „Sodbrennen ist zunächst ein Symptom. Von einer Refluxerkrankung sprechen wir, wenn Magensäure regelmäßig in die Speiseröhre zurückfließt und dort die Schleimhaut schädigt“, erklärt Oberärztin Dr.in Linda Varady, von der chirurgischen Abteilung der Klinik Oberpullendorf.
Bleibt die Erkrankung unbehandelt, können Entzündungen, Vernarbungen und Schluckbeschwerden entstehen. In seltenen Fällen entwickeln sich daraus Vorstufen von Speiseröhrenkrebs. „Langfristig können die ständigen Säureeinwirkungen zu Veränderungen der Schleimhaut führen. Deshalb sollte häufiges Sodbrennen ärztlich abgeklärt werden“, betont die Chirurgin.
Nicht nur Sodbrennen
Viele Betroffene bringen Reflux ausschließlich mit Sodbrennen in Verbindung. Tatsächlich kann sich die Erkrankung aber ganz unterschiedlich äußern. Manche Menschen leiden unter saurem Aufstoßen oder dem Rückfluss von Speiseresten in den Mund. Andere verspüren chronischen Reizhusten, Heiserkeit oder wiederkehrende Kehlkopfentzündungen. „Es gibt auch Patientinnen und Patienten, die kaum Beschwerden haben, obwohl bereits Veränderungen der Speiseröhre vorliegen. Andere haben starke Symptome, ohne dass die Schleimhaut wesentlich geschädigt ist“, so Varady.
Besonders tückisch: Reflux kann Schmerzen im Brustkorb verursachen, die einem Herzinfarkt ähneln. „Als Laie kann man das nicht unterscheiden. Bei starken Brustschmerzen sollte immer sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden, um einen Herzinfarkt auszuschließen“, warnt die Expertin.
Wer besonders gefährdet ist
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Übergewicht und Rauchen. Auch große, fettreiche Mahlzeiten, Alkohol sowie spätes Essen begünstigen den Rückfluss der Magensäure. Überraschend: Auch Leistungssportlerinnen und -sportler sind häufig betroffen. Intensive Belastungen erhöhen nämlich den Druck im Bauchraum und fördern dadurch Reflux.
Die erste Anlaufstelle bei anhaltenden Beschwerden ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Je nach Befund folgen weitere Untersuchungen wie eine Magenspiegelung, eine Gewebeprobe sowie eine 24-Stunden-pH-Messung, bei der die Säurebelastung der Speiseröhre gemessen wird.
Medikamente helfen meist gut
Die Standardtherapie besteht aus sogenannten Protonenpumpenhemmern (PPI), die die Säureproduktion im Magen deutlich reduzieren. „Diese Medikamente sind gut verträglich und ermöglichen den meisten Betroffenen eine gute Kontrolle ihrer Beschwerden. Unser Ziel ist, die Symptome zu lindern und Folgeschäden zu verhindern“, erklärt Varady.
Reichen Medikamente nicht aus oder liegt zusätzlich ein Zwerchfellbruch vor, kann eine Operation notwendig werden. Dabei wird der Durchtritt der Speiseröhre durch das Zwerchfell verkleinert und der natürliche Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre verstärkt. „Heute erfolgt dieser Eingriff in den meisten Fällen minimalinvasiv mittels Schlüssellochtechnik. Die Operation ist schonend und die Patientinnen und Patienten erholen sich meist rasch“, sagt die Expertin.
Vorbeugen ist möglich
Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Empfehlenswert sind Normalgewicht, regelmäßige Bewegung und eine ballaststoffreiche Ernährung. Fettreiche Speisen, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke sowie große Mahlzeiten am Abend sollten möglichst vermieden werden. „Idealerweise isst man drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr. Wer nachts Beschwerden hat, profitiert oft davon, mit leicht erhöhtem Oberkörper oder auf der linken Körperseite zu schlafen“, empfiehlt Varady.
Auch ein Spaziergang nach dem Essen unterstützt die Verdauung und kann Refluxbeschwerden verringern. Kaffee muss übrigens nicht vollständig gestrichen werden. „Wer Kaffee gut verträgt, sollte ihn bewusst und in Maßen genießen – oft wird Espresso besser vertragen als große Mengen Filterkaffee“, so die Medizinerin.
Reflux zählt mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes und nimmt seit Jahren zu. Umso wichtiger ist es, wiederkehrendes Sodbrennen nicht als bloße Befindlichkeitsstörung abzutun. Denn früh erkannt, lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen gut behandeln – und ernsthafte Folgeschäden können verhindert werden.
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