Bauernsterben
Couragierte Ideen erhalten die Höfe im Bezirk Freistadt

Am Biberhof der Familie Friesenecker werden 40 Kräuter kultiviert, darunter auch vom Aussterben bedrohte Arten wie Arnika.
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  • Am Biberhof der Familie Friesenecker werden 40 Kräuter kultiviert, darunter auch vom Aussterben bedrohte Arten wie Arnika.
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Die Landwirtschaft verändert sich derzeit massiv. Dass man aus den Schwierigkeiten, denen die Land- und Forstwirtschaft ins Auge blickt, auch Chancen erkennen und neue Wege beschreiten kann, zeigt der Biberhof der Familie Friesenecker.

BEZIRK FREISTADT. Im Schnitt legen jedes Jahr etwa 50 Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe im Bezirk Freistadt ihre Arbeit nieder. Auch wenn die Statistik zeigt, dass das Bauernsterben zurückgeht, sehen sich nach wie vor viele Landwirte gezwungen, ihren Hof aufzugeben. „Die verbliebenen Betriebe arbeiten dafür umso professioneller“, sagt Johannes Gahleitner, der Dienststellenleiter der Bezirksbauernkammer (BBK) Freistadt. „Es gibt zwar weniger Landwirtschaften, diese sind dafür größer.“ So sei etwa die Anzahl der Milchkühe im Bezirk relativ konstant, die Zahl der Milchviehbetriebe gehe jedoch spürbar zurück. „In den vergangenen Jahren ist zum einen ein Trend zur Spezialisierung erkennbar und auf der anderen Seite gibt es immer mehr Betriebsführer, die ihren Weg als Direktvermarkter bestreiten“, sagt Gahleitner.

Immer mehr außerfamiliäre Hofübernahmen 

Die Aufgabe der landwirtschaftlichen Produktion ist oft einhergehend mit der Generationenfolge. Mehr als 90 Prozent der Höfe im Mühlviertel werden von Familien geführt. Viele Betriebsführer sind kinderlos und haben deshalb keinen Nachfolger. „Außerfamiliäre Hofübergaben werden zunehmend relevanter“, bestätigt der BBK-Dienststellenleiter. Sind Kinder da, ist auch nicht gewährleistet, dass diese die Landwirtschaft übernehmen. Ein weiterer Grund für die vielen Betriebsaufgaben sind auch die Rahmenbedingungen für die Landwirte: Die Ausgaben werden immer höher, während die Produktpreise stagnieren oder rückläufig sind. Die Anzahl der Nebenerwerbslandwirte steigt stetig, klassische Haupterwerbsbetriebe werden immer weniger. Freihandelsabkommen wie jenes mit Südamerika (Mercosur) wären für die heimischen Bauern und Konsumenten höchst bedenklich, ist sich Josef Mühlbachler, Bezirksobmann der BBK Freistadt sicher: „Ein solches Abkommen würde das Bauernsterben wieder beschleunigen.“

„Die landwirtschaftlichen Produktionsbereiche in der Region werden vielschichtiger und bunter“, bestätigt Gahleitner. Neue Produktionsbereiche wie Aroniabeeren, Geflügelmast, spezialisierte Stiermastbetriebe bis hin zur Produktion von Spezialkulturen wie Mohn oder Kümmel kommen dazu. Das Mühlviertel trägt auch den Titel „Bio-Region“: Rund 50 Prozent der in Oberösterreich vorkommenden Bio-Betriebe gibt es hier. Die größte Anzahl davon im Bezirk Freistadt.

Bauern müssen unternehmerisch denken

Einer von ihnen ist der Hof der Familie Friesenecker in Windhaag bei Freistadt. Am Biberhof gibt es neben Milchkühen und Ochsenmast auch Kräuter, zahlreiche Speisegetreidearten und daraus verarbeitete Lebensmittel. Es werden Honig, Liköre, Speiseöle, Senf und Nudeln produziert und über Direktvermarkter vertrieben. Zusätzlich gibt es Erdbeeren und Kartoffeln zur Selbsternte. Auch Dienstleistungen für den Tourismus wie eine Bienenlufttherapie oder eine landwirtschaftliche Schnitzeljagd werden angeboten. „Bis 2014 waren wir auf Milchvieh spezialisiert. Dann mussten wir uns entscheiden, ob wir uns vergrößern und einen Melkroboter kaufen oder ob wir uns der Vielfalt verschreiben“, erzählt Franziska Friesenecker, die 2017 die Auszeichnung als zweitbeste bäuerliche Unternehmerin in OÖ erhalten hat. „Wir haben begonnen, intensiver in Kreisläufen zu denken und vermehrt traditionelle Kulturen des Mühlviertels wie Leinsamen oder Hanf wiederzubeleben. Wir versuchen altes Wissen mit neuer Technik zu verbinden“, erzählt die Landwirtin.

Am Biberhof der Familie Friesenecker werden 40 Kräuter kultiviert, darunter auch vom Aussterben bedrohte Arten wie Arnika.
Johannes Gahleiter spricht über einen Trend zur Spezialisierung und Bauern, die ihren Weg als Direktvermarkter bestreiten.

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