20.10.2014, 09:51 Uhr

Bauchschmerzen durch Alkohol und Nikotin: Warnsignal für eine unterschätzte Gefahr

Die Bauchspeicheldrüse spielt eine sehr bedeutende Rolle in unserer Verdauung. (Foto: gespag)
FREISTADT. Sie wiegt etwa 100 Gramm, ist zwischen 14 und 18 cm lang und befindet
sich als querliegendes Organ zwischen dem Magen und der hinteren Bauchwand. Die
Rede ist von der Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt. Kaum ein Mensch
schenkt diesem Organ besonders große Aufmerksamkeit. Es sei denn, die zweitgrößte Drüse nach der Leber funktioniert nicht mehr einwandfrei. Besonders empfindlich reagiert die Bauchspeicheldrüse auf einen verstärkten und dauerhaften Alkohol- und
Nikotinkonsum. Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder sogar -krebs können die
Folge sein. Gastroenterologe Primar Norbert Fritsch, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Landeskrankenhaus Freistadt, zeigt auf, worauf man achten sollte: "Die Bauchspeicheldrüse spielt eine sehr bedeutende Rolle in unserer Verdauung. Täglich gibt sie ein bis zwei Liter Verdauungssekret in den Dünndarm ab. Dieses Sekret ist stark basisch, damit es den mit Magensäure versetzten Speisebrei neutralisieren kann. Darin befindliche Enzyme zerlegen die Nahrungsbestandteile und können so schließlich über den Dünndarm in unser Blut aufgenommen werden.“ Aber auch an unserem Energiehaushalt ist das Pankreas wesentlich beteiligt. Als sogenannte endokrine Drüse produziert sie Hormone, wie beispielsweise Insulin und Glukagon, die den menschlichen Blutzucker senken bzw. steigern und somit im Gleichgewicht halten.
Ein langjähriger ungesunder Lebensstil, insbesondere Alkoholkonsum, Nikotin und schlechte Ernährungsgewohnheiten wirken sich allerdings überaus negativ auf die Bauchspeicheldrüse aus. „Durch die chronische Entzündung kommt es zu Kalkeinlagerungen und die Verdauungssäfte können deshalb nicht mehr ordentlich abfließen“, so Prim. Fritsch, „in Folge dessen greifen die Drüsensäfte das eigene Gewebe an, was zu weiterem Zelluntergang führt und in manchen Fällen auf lange Sicht sogar Bauchspeicheldrüsenkrebs auslöst.“ Auch auf
den Hormonstoffwechsel wirkt sich Alkohol langfristig negativ aus und kann unbehandelt schließlich zu einer Diabetes mellitus führen.

Besonders heikel bei Pankreaserkrankungen ist die häufig zu späte Diagnose und
verzögerte Behandlung. So erweist sich beispielsweise die Therapie von
Bauchspeicheldrüsenkrebs als ausgesprochen tückisch. „Ein Karzinom dieser Art entwickelt sich über Jahre und verursacht erst zu einem sehr späten Zeitpunkt Beschwerden, so dass die meisten Therapien kaum noch wirksam sind“, so der Experte. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Krebsart auf den ersten Blick keine spezifischen Beschwerden aufweist. Aber auch die Bauchspeicheldrüsenentzündung wird oft zu spät erkannt. Bei der Diagnose
muss zwischen akuten und chronischen Fällen unterschieden werden. Bei einer akuten Pankreatitis treten heftige kolikartige Schmerzen im Oberbauch auf, die in Rücken, Brustoder gürtelförmig in den Körper abstrahlen. Zudem kommt es häufig zu Übelkeit, Fieber und Verdauungsproblemen. Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung hingegen beginnt
schleichend mit Verdauungsproblemen und Übelkeit. Die Schmerzen setzen eher
schubweise ein und werden oft mit starken Gastritisbeschwerden oder Kreuzschmerzen verwechselt. „Besonders in schweren Fällen geht die Entzündung mit Gewebsstörungen einher“, so der Spezialist, „das Gewebe zerstört sich durch Verdauung selbst. Unbehandelt kann das zu Blutvergiftung und sogar zu einem Multiorganversagen führen.“
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