04.09.2014, 14:20 Uhr

"Mühlviertel ist Hopfen-Hochburg"

V. l.: Obmann Josef Reiter, Hopfenbaugenossenschaft und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. (Foto: Land OÖ/Kauder)

Konsumenten und Brauereien setzen auf Regionalität – auch beim Hopfen

MÜHLVIERTEL. Hopfen ist eine oberösterreichische Erfolgsgeschichte, denn tatsächlich wird nirgendwo im Land so viel Hopfen angebaut wie in Oberösterreich. Auch die Qualität ist einzigartig und lässt heute rund 100 größtenteils heimische Brauereien zum Hopfen aus dem Mühlviertel greifen. "Heutzutage sind Faktoren wie Regionalität, Saisonalität und Qualität wichtiger denn je. Das zeigt sich auch darin, dass die heimischen Brauereien sich immer mehr zum heimischen Hopfen bekennen. Der Griff zum teureren Qualitätsprodukt ist dabei keine Selbstverständlichkeit", betont Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, der sich in diesem Zusammenhang auch bei den heimischen Brauereien bedankt.

In Österreich — hauptsächlich im Mühlviertel mit rund 135 Hektar, dem Waldviertel mit 17 Hektar und in der Südsteiermark mit ungefähr 90 Hektar - wird auf zirka 240 Hektar Hopfen angebaut. Die Anbaugebiete im Mühl- und Waldviertel gehören zur Hopfenbaugenossenschaft.
"Und der Erfolg der heimischen Hopfenbauern kann sich sehen lassen. Gerade im Hinblick auf die große und auf die Preise drückende Konkurrenz aus dem Ausland", so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Die internationale Konkurrenz ist groß. Vor allem in Deutschland (rund 17.000 Hektar), den USA (15.893), Tschechien (rund 4.400) und China (2.500), aber auch verschiedenen europäischen Ländern werden große Mengen an Hopfen angebaut und vermarktet.

Hopfen-Erzeugergemeinschaft
Die Erzeugergemeinschaft für Mühlviertler und Waldviertler Hopfen wurde 1996 gegründet. 42 Mitglieder (35 im Mühl- und sieben im Waldviertel) produzieren nun auf einer Fläche von zirka 150 Hektar ungefähr 250 Tonnen Rohhopfen pro Jahr. Davon haben sich zwei Betriebe auf Hopfen aus kontrolliert biologischem Anbau spezialisiert. 2010 wurden bei der Bonitierung zum vierten Mal in der Geschichte der Hopfenbaugenossenschaft 100 Prozent erste Qualität bescheinigt. Seit 2009 verfügt das Verarbeitungswerk in Neufelden über ein nach ISO 9001:2000 zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem.

Die Abnehmer sind Klein- und Großbrauereien in der Region. Rund 60 Prozent gehen an den Hauptabnehmer, die Brau Union Österreich AG. Österreichweit beziehen zirka 100 Brauereien den Hopfen aus dem Mühlviertel. In zunehmendem Maße ist der Mühlviertler Hopfen auch in den USA gefragt.

Hauptsächlich wird Hopfen in der Bierproduktion verarbeitet. Dabei ist das Gewächs auch noch in ganz anderen Bereichen einsetzbar, erzählt Obmann Reiter, beispielsweise in der Pharmaindustrie: "Der Hopfen ist ein eingetragenes Arzneimittel, verfügt über eine beruhigende Wirkung und sorgt dafür, dass man gut schlafen kann."

Die Sorten:
Mühlviertler Hopfen umfasst Hopfensorten, die sich besonders gut an das Klima sowie an die Bodenbedingungen der Region angepasst haben. Der hauptsächlich in der Region angebaute Aromahopfen besticht durch seinen feinen Geschmack und sein einzigartiges Aroma. Auf den 150 Hektar der Hopfenbaugenossenschaft werden zehn Aroma- und zwei Hochalphasorten kultiviert. Die Hauptsorte der Aromahopfen ist mit zirka 42 Hektar die Sorte Perle, gefolgt von 20 Hektar der Sorte Malling. Diese ist eine alte Mühlviertler Sorte und wird auch nur in dieser Region angebaut.

Der Standort:
Wichtig für das gesunde Wachstum des Hopfens ist neben einem leichten, sandigen Lehmboden auf einer Seehöhe von 350 bis 650 Metern der perfekte Mix aus Sonne und Niederschlag.

Die Ernte:
In diesem Jahr ist die Ernte noch in vollem Gang: Im Zeitraum Ende August bis 20. September werden alle Hopfenpflanzen, Frühhopfen sowie Späthopfen, geerntet. Die Ernte erfolgt ab Ende August (je nach Sorte und Vegetationsverlauf). Dabei werden die Hopfenreben vom Feld geholt und durch die stationäre Pflückmaschine gelassen. Diese pflückt die Reben ab und trennt in einem weitern Schritt die Dolden von Blatt- und Stängelresten.

Die Verarbeitung:
Unmittelbar nach der Ernte muss der Hopfen auf ca. zehn bis elf Prozent Feuchtigkeit (ursprünglich zirka 75 bis 80 Prozent) getrocknet werden.
Verpackt in Ballen wird der Hopfen zur weiteren Verarbeitung an die Hopfenbaugenossenschaft in Neufelden geliefert.
Seit 2012 verfügen die Hopfenbauern über eine Hopfen-Ballot-Presse, die derzeit weltweit nur im Mühlviertel im Einsatz ist. Diese presst die Hopfendolden zu kleinen Rundlingen, nicht wie sonst üblich zu Pellets. Durch diese schonende Form der Verarbeitung werden die Aromastoffe in der Pflanze besser erhalten.
"Das Wissen um den Anbau, der perfekte Standort und die Innovationskraft der Hopfenbaugenossenschaft machen die Qualität des Mühlviertler Hopfens so herausragend", ist auch Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger überzeugt.

Der Hopfen hat eine lange Tradition in Oberösterreich
Bereits seit dem 13. Jahrhundert wird im Mühlviertel Hopfen angebaut. Bereits im Jahr 1206 wurde der Hopfenbau im Wilheringer Urbar urkundlich erwähnt. 1880 erreichte das Anbaugebiet Mühlviertel mit rund 1000 hektar Hopfenfläche die größte Ausdehnung. 1939 mussten aufgrund eines Berliner Reichserlasses die letzten 32 ha gerodet werden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde auf Ersuchen der österreichischen Brauindustrie mit dem Hopfenbau neu begonnen. Mit einer Erstellung eines langfristigen Hopfenabnahmevertrages und der Gründung der Hopfenbaugenossenschaft 1951 wurde der Mühlviertler Hopfenanbau wieder in geordnete Bahnen gelenkt. 1980 erfolgte die Installation einer Pelletierungsanlage, welche die Verarbeitung des Mühlviertler Hopfens zu Pellet Typ 90 ermöglicht.
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