Interview
Martin Burgholzer: "Bei der Hypnose bin ich das Navi"

"Es darf nicht in den Bereich von Ärzten oder Psychologen gehen", erklärt Hypnosetrainer Martin Burgholzer im BezirksRundschau-Interview
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GRIESKIRCHEN. Alles Humbug und Show? Wir baten Hypnosetrainer Martin Burgholzer zum Interview.

Unter Hypnose stellen sich viele ja eine Zaubershow vor ...
Burgholzer:
Diese Vorstellung hat wenig mit Hypnosesitzungen bei mir zu tun. Hypnose ist kein Schlaf und keine Bewusstlosigkeit. Man bekommt jedes Wort mit, behält den vollen Willen und kann nicht "hängenbleiben". Hypnotische Zustände kommen in der Alltagstrance vor, etwa beim Fernsehen oder Bücherlesen. In der Sitzung sind sie tiefer.

Wie kann ich mir eine Hypnosesitzung vorstellen?
Im Vorgespräch wird ein Ziel definiert. Zum Beispiel: "Ich möchte bis August fünf Kilo abnehmen." Ganz wichtig: Ohne Willen des Klienten kann man gar nichts machen. Kein Hypnotiseur kann einen anderen hypnotisieren. Eigentlich ist jede Form der Hypnose eine Selbsthypnose – und ich bin quasi das Navi.

Wie geht es weiter?
Zuerst gibt es ein paar Einleitungsworte meinerseits. Man liegt mit geschlossenen Augen da, vertieft die Entspannung – wobei Hypnose kein reiner Entspannungszustand ist, denn das Unterbewusstsein arbeitet auf Vollgas. Dann wird festgestellt, ob die Trancetiefe ausreicht und der Klient Suggestionen gut aufnimmt. Durch Umgehung des kritischen Filters findet man Zugang zum Unterbewusstsein, mit dem dann auch kommuniziert werden kann.

Welche Themen kommen hier vor?
Klassisch sind Tiefenentspannung und Stressabbau, Unterstützung auf dem Weg zum Nichtraucher, Verhaltensänderung bei der Ernährung. Weitere Themen sind angenehmes Ein- und Durchschlafen, entspannt in die Prüfung gehen und entspannt vor Gruppen sprechen, Förderung der Konzentration und Lernfähigkeit.

Wie lange dauert so eine Sitzung?
Die erste mit Vorgespräch ungefähr zwei Stunden. Die nächsten zwei sind kürzer, etwa eine bis eineinhalb Stunden. Generell sind es bei mir drei Sitzungen.

Warum genau drei?
Wenn es nach der dritten Sitzung nicht wirkt, ist Hypnose nicht das richtige Mittel. Nach dem dritten Mal verankere ich bei meinem Klienten das Werkzeug zur Selbsthypnose. Diese Fähigkeit zur Selbsthypnose hat jeder drinnen.

Wo liegen die Grenzen?
Hypnose kann Therapien und Behandlungen nicht ersetzen. In die Vorbehaltsbereiche von Ärzten, Psychologen und Psychotherapeuten kann, darf und will ich nicht eingreifen. Ich beschränke mich bei meiner Tätigkeit auf wissenschaftlich nicht anerkannte Methoden. Es werden von mir auch keine Diagnosen gestellt und keine Heilversprechen abgegeben.

Warum ist es gerade so wichtig, von Experten zu lernen?
Eine professionelle Ausbildung ist ganz, ganz wichtig. Ich würde mich auch nie herantrauen, Menschen zu unterstützen, wenn ich die nötige Ausbildung und den nötigen "Werkzeugkasten" nicht hätte. Letzteren braucht man auch, denn wichtig ist individuelle Hypnose und keine von der Stange. Das gilt auch bei Kinder- oder Sporthypnose.

Kinderhypnose? Worum geht es hierbei?
Das sind vor allem Themen wie unterstütztes Lernen, entspannt in die Prüfung gehen, aber auch Förderung des Selbstbewusstseins. Hypnose kann man hier schon ab dem fünften Lebensjahr machen. Auch hier gilt: Es darf nicht in den Bereich von Ärzten oder Psychologen gehen.

Müssen die Eltern hier dabei sein?
Nein, ganz im Gegenteil. Ganz wichtig ist hier, dass Änderungswünsche immer vom Kind kommen, nicht von den Eltern. Darum soll mir das Kind im Vorgespräch unbeeinflusst schildern, wo es hinwill. Sonst bringt es nichts. Die Eltern sind im Idealfall nicht dabei, sondern im Warteraum. Aber man gibt Eltern schon jene Dinge mit, wie sie ihr Kind im Alltag unterstützen können.

Fotos: Mittermayr/BRS

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