Neue und alte Adventbräuche im Hausruckviertel

Die Taucherweihnacht der FF Aschach/Donau wird seit 1972 veranstaltet.
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  • Die Taucherweihnacht der FF Aschach/Donau wird seit 1972 veranstaltet.
  • Foto: Freinbichler/FF Aschach
  • hochgeladen von Julia Mittermayr

BEZIRKE (jmi). Wenn der Christbaum in der Donau landet, ist das keineswegs die neue Ikea-Werbung zum „St.-Knuts-Tag“. Denn dabei handelt es sich um die traditionelle Taucherweihnacht, die die FF Aschach seit 45 Jahren gemeinsam mit anderen Feuerwehren praktiziert. Für Taucher samt Kerzen und beleuchtetem Baum geht es heuer am 16. Dezember in das eisige Nass.

Tauchweihnacht seit 1972

Die Tradition begann aber als trauriges Ereignis: Im Jänner 1972 musste die Feuerwehr einen Jugendlichen aus den Fluten der Donau bergen – tot. Grund genug für den damaligen Taucherchef Franz Minixhofer, das Brauchtum ins Leben zu rufen. „Auch für erfahrene Taucher ist die besinnliche Taucherweihnacht immer wieder eine Gelegenheit, um innezuhalten, sich der möglichen Gefahren des Tauchdienstes bewusst zu werden und Danke für unfallfreie Taucheinsätze zu sagen“, erklärt Stützpunktleiter Christian Wieshofer.

Lauter Brauch in stiller Zeit

Fernab der Donau hält die Gemeinde St. Thomas in der stillen Zeit an einer lauten Tradition fest: dem Brauchtumsschießen. „Damit wollten wir das Fronleichnamsschießen, das in manchen Gemeinden in Vergessenheit geraten ist, bewahren. Mittlerweile interessieren sich wieder viele junge Leute dafür“, erklärt Rudolf Humer von den Thominger Brauchtumsschützen. Der Verein wurde 2015 mit sechs Mitgliedern neu gegründet und ist bereits auf 45 angewachsen. Zum Einsatz kommen die Festschützen auch im Dezember: beim Sternschießen in der ersten Raunacht am 21. Dezember und zum Neujahrsschießen an Silvester.
Übrigens: Die Geräte, sogenannte Prangerstutzen, sorgen zwar für reichlich Lärm, schießen aber eigentlich nicht. Demnächst will der Verein einen weiteren Stutzen ankaufen. Diesen sollen sich Mitglieder leihen, die sich noch kein eigenes Gerät leisten können. „Besonders für junge Leute ist damit eine Hürde genommen, unserem Verein beizutreten. So bleibt das Lärmbrauchtum in unserer Gemeinde weiter bestehen“, ist sich Humer sicher.

Fenster-Öffnen in Gallspach

Eine relativ neue Tradition findet sich seit vier Jahren in Gallspach: Bei der Fensterlroas werden 24 Schaufenster dekoriert und jeden Tag ein weiteres beleuchtet. Diese präsentieren die Gestalter bei insgesamt drei „Roasen“, an denen mittlerweile bis zu hundert Leute teilnehmen. „Der Sinn ist, das Ortszentrum in der Vorweihnachtszeit passend zu gestalten und zu beleben“, so Gemeindemitarbeiterin Christine Krempl. Dank des diesjährigen Mottos „Weihnachtslieder“ wird sich die Fensterlroas äußerst musikalisch zeigen.

Durch den Advent „roasen“ in Neukirchen

Ähnliches findet sich im Norden des Bezirks bei der Neukirchner Adventroas. Mit dem Adventwagerl geht es täglich zu einer anderen Stelle in der Gemeinde, wo auf die Besucher Punschstand, Lichtertanz oder Hirtenspiel warten. Veranstaltet werden die einzelnen Aktivitäten von den örtlichen Vereinen, Schulen und Gemeindebürgern. „Natürlich ist es in erster Linie ein besinnliches Zusammenkommen im Advent. Aber dabei kommen Talente an die Öffentlichkeit, die man so nicht vermutet hat – etwa beim Gedichte-lesen oder Musizieren. Die Adventroas fördert die Ortsgemeinschaft erheblich“, erklärt Thomas Scheuringer, Obmann von Kultur & Kunst Neukirchen am Walde/Eschenau.
Seit der ersten Roas 2014 herrscht Andrang: Jährlich kommen etwa 4.000 Besucher an den insgesamt 24 Veranstaltungstagen. Für Scheuringer nur logisch, dass die Adventroas in den nächsten Jahren Fixtermin bleibt: „Jedes Jahr werden es um die 100 bis 200 Besucher mehr. Da ist es klar, dass wir weitermachen. Jede Tradition fängt schließlich irgendwann einmal an.“

Traditionen dank Einsatz

Kommentar von Julia Mittermayr

Kennen Sie noch das „Kramperln“? Dabei ziehen Kinder mit Ruten und Krampusmaske von Haus zu Haus, um Süßes zu erbetteln. Was noch vor rund 15, 20 Jahren in vielen Gemeinden wie Pram und Hofkirchen um den Nikolotag gang und gäbe war, kennen heutzutage die Jüngeren am ehesten unter „Halloween“. Immer mehr regionale Bräuche verschwinden. Schade eigentlich. Das finden auch viele Vereine und Gemeinden – und werden aktiv: Sie machen alte Bräuche wieder populär oder entwickeln neue Veranstaltungen wie die Adventroasen in Gallspach und Neukirchen. Dabei gilt es, nicht nur altes Brauchtum zu bewahren, sondern ebenso mit neuen Aktionen den Zusammenhalt in der Gemeinde zu stärken. Weihnachtsstimmung ist dabei garantiert. Wer braucht da noch den Ohrwurm „Last Christmas“?

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