17.11.2016, 09:20 Uhr

Der Don Quichote aus Natternbach

Über Jahre hatte Gottfried Wimmer die Volksschule zu "einem Vorzeigeprojekt" gemacht, von dem "nichts mehr übrig ist".

Gottfried Wimmer kämpft seit vielen Jahren unermüdlich für eine "Modellschule" in Natternbach.

NATTERNBACH (raa). Auch lange nach seiner Pensionierung hat der ehemalige Schuldirektor der Volksschule Natternbach, Gottfried Wimmer, eine Vision: eine Modellschule, wie er sie, nach eigenem Bekunden, über Jahre erfolgreich geleitet hat. "Meine Nachfolger haben allerdings all das Sinnvolle über die Jahre Stück für Stück wieder abgebaut und vernichtet", beklagt Wimmer. So gab es zu seiner aktiven Zeit einen Baumbrunnen im Schulhof, eine Wohn- und Spielstube, eine Technikstation und vieles mehr. "In einer Welt der Digitalisierung, in der es schon nach einem halben Jahr eine neue Generation gibt, wird es auch im Schulbereich zu Änderungen kommen. Herrn Wimmers Ideen waren zu seiner Zeit nicht schlecht, haben aber nicht ewig Bestand", kontert Bürgermeister Josef Ruschak.
Wimmer sieht seine Zeit aber noch nicht abgelaufen. Er glaubt nach wie vor an ein Schulmodell. Sein "ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen" basiert auf fünf Säulen und kann "für jede Volks-, Haupt- und Neue Mittelschule sowie für die AHS-Unterstufe Anwendung finden". Die ersten Ansätze sieht Wimmer in der Architektur der Schulen. "Schulhäuser sollen als moderne Betriebsgebäude keine seelenlosen Spiegelbilder unserer nüchternen Wirtschaftswelt werden." Er wünscht sich Nischen als Ruhezonen, Lernspielbereiche für Raum, Zeit, Natur und Technik und ökologische Oasen, die nicht zuletzt auch zur Bewegung ermuntern. Zudem fordert er eine "Morgenbetrachtung" als Ergänzung oder Ersatz zum Religionsunterricht, "um Akzente auf emotionaler, ethischer oder sozialer Ebene zu setzen". Schüler sollten, so Wimmer, auch klassenübergreifend nach Begabung und Interessen gezielt gefördert werden. Letztlich will er mit solch einer Modellschule auch Kosten sparen.
"Wimmer kann seine 'Modellschule' lediglich als Privatschule gründen. Im Pflichtschulbereich kann er gar nichts machen", so Grieskirchens Pflichtschulinspektorin Doris Baumann. "In unseren Schulen gibt es so viele tolle Angebote, wie bewegte Schule, gesunde Jause und viele Aktivitäten im Freien", so Baumann. "Jede Schule kann hier selbst aktiv werden und Innovationen umsetzen."
Wenn es mit einer Umsetzung in einer Pflichtschule nicht klappen sollte, überlegt Wimmer, seine "Modellschule" andernorts aufzubauen. "Es laufen die ersten Sondierungen, ob die Modellschule zu einem Leader-Projekt werden könnte", betont Wimmer. "Es muss eine Schule mit Herz, Hirn, Hand und Fuß sowie Verstand werden."
"Als Privatmann steht es in Österreich jedem zu, eine Privatschule zu eröffnen", so Karl Steinparz, Pressesprecher des Landesschulrats.

Infos über Freie Schulen

Neben Pflichtschulen gibt es in Österreich auch Privatschulen. Finanziert werden Privatschulen über ein Schulgeld, weil das Land nicht für die Kosten aufkommt. Die Eltern müssen für sogenannte Freie Schulen also mitunter tief in Tasche greifen. Lediglich katholische Privatschulen bekommen die Lehrer vom Land bezahlt. "Das regelt ein Staatsvertrag zwischen Österreich und dem Vatikan", wie Karl Steinparz, Pressesprecher des Landesschulrates, betont. Noten und Zeugnisse vergeben dürfen Privatschulen allerdings erst, wenn sie ein Öffentlichkeitsrecht erhalten haben. Zudem müssen sie sich an einen Lehrplan halten. Auch Privat- oder Hausunterricht darf erteilt werden, wenn ein Elternteil Matura hat. Zensuren erhalten die Schüler in einer Externistenprüfung, die im Prüfungszyklus einer "normalen" Schule absolviert werden muss.

Kommentar zu unseren Schulen


Alternativen zu klassischen Schulen

Seit es Schulen gibt, versucht man, sie zu reformieren. Das ist kein leichtes Unterfangen, und daran sind letztlich schon viele gescheitert. In der Theorie klingt so vieles gut, in der Praxis mag das eine oder andere auch sicher klappen. Aber eine ideale, bestmögliche Schule, gar mit Modellcharakter für alle, wird es nie geben. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen jedes einzelnen. Schließlich sind wir alle einzigartig. Die Eltern haben meist auch eine andere Vorstellung von einer Schule als die Kinder. Noten, da sind sich nicht nur Experten einig, spiegeln sicher nicht das Wissen eines Schülers wider. Viele pädagogische Ansätze sind gescheitert, neue werden kommen. Wer an der Bildungsfront nachhaltig etwas ändern will, muss sich vorkommen wie Cervantes' Held beim Ansturm auf die sich ewig weiterdrehenden Windmühlen.
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