06.04.2017, 00:00 Uhr

Regionale Mystik soll Mut machen

Nachtwächter Hubert Krexhammer führt durch Grieskirchen, Wels und Eferding. (Foto: Birgit Rauscher)

Hokuspokus? Sagen, Aberglaube und Übernatürliches faszinieren in unseren beiden Bezirken.

BEZIRKE (jmi). Nichts für Zartbesaitete: Ein Skelett wäscht sein Hemd am Eferdinger Stadtbrunnen – und kündigt damit den Bauernkrieg an. Mit solchen Sagen lehrt Hubert Krexhammer als „Nachtwächter“ Besuchern auf seinen Touren durch Eferding, Grieskirchen und Wels das Fürchten. Bereits vor Jahren hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Geschichten zu sammeln und diese unter die Leute zu bringen. Dabei sucht Krexhammer laufend nach neuem Material: „Man muss durchaus Feldforschung in alten Urkunden, Sagenbüchern sowie seltenen Dokumenten betreiben, um spannende Geschichten aus der Region zu finden.“ Ähnlich bei Susanne Sebinger, die zuletzt 2016 als „Aschacher Geschichtenweib“ unterwegs war: „Meine Touren waren ein bunter Mix aus älteren Geschichten und aktuelleren Vorfällen.“ In Geboltskirchen findet man demnächst eine Sammlung an mystischen Stücken aus der Region. Pünktlich zur Walpurgisnacht eröffnet das Kulturgut Hausruck am 29. April die neue Ausstellung „Dämonen, Aberglauben, Volksfrömmigkeit“. Diese befasst sich mit der Welt der Magie, inklusive Zauberamuletten, Totenkronen sowie Gerichtsakten zu Hexenprozessen aus der Region. „Ein Highlight unserer Ausstellung ist der Schwurschädel – ein echter Totenschädel mit der Sator-Formel“, erzählt Schriftführerin Irene Keller. „In alle Richtungen gelesen, soll diese gegen Blitzschlag, Feuer und Dämonen schützen. Viele Bauernhäusern tragen die Formel – ein Aberglaube aus früheren Zeiten.“

Faszination Mystik

Dass Sagen, Mythen und Aberglaube weiterhin interessant für die Menschen bleiben, darüber sind sich Krexhammer, Keller und Sebinger einig. „Die Faszination an Magischem ergibt sich in Situationen, in denen man keine Macht hat über das Schicksal – bei Krankheiten etwa. Verschiedene Praktiken waren bei uns heimisch und gang und gäbe. Das Wenden bei Warzen wird heute noch praktiziert“, erklärt Keller. Ähnlich sieht es Krexhammer: „Wir erleben gerade eine dunkle Zeit – ähnlich wie in ‚Herr der Ringe‘. Darum hören sich viele gerne alte Sagen an, weil es dort noch eine konkrete Trennung zwischen Gut und Böse gibt. Die Sehnsucht nach einer heilen Welt, sozusagen.“ Auch das ehemalige „Geschichtenweib“ Sebinger weiß: „Gerade in der heutigen, krisengschüttelten Zeit, sehnen sich Leute wieder nach Geschichten von früher. Viele denken, wenn man es damals geschafft hat – bei Krisen, Umschwüngen und Kriegen, – dann werden wir es heute auch schaffen. Kurz: Sagen und Geschichten aus der Region bieten Mut für die Zukunft.“ Das komme auch bei den Besuchern an, die letzten Touren in Aschach seien „stets gut besucht gewesen.“ Besucherzahlen sind auch im Kulturgut Hausruck ein Thema. „In den letzten Jahren waren wir zufrieden mit der Besucherzahl. Als Teil der Eventreihe „Landlwochen“ werden natürlich auch andere Sachen angeboten, von denen unsere Ausstellung profitiert und vice versa“, so Keller. Kritischer sieht es der „Nachtwächter“: „Bis vor zwei Jahren konnte ich bei meinen Freitags-
touren noch acht bis 15 Leute zusammenbringen. Heute sind es eher Touren für private Gruppen oder Unternehmen. In Eferding läuft es etwas besser. Aber besonders die Grieskirchner bekommt man leider bisher schwer hinter dem Ofen hervor“, erklärt Krexhammer.

"Eintauchen in eine andere Welt"

Kommentar von Julia Mittermayr

Die Harry-Potter-Bücher wurden weltweit über 450 Millionen Mal verkauft. Die „Herr der Ringe“-Trilogie heimste zahlreiche Preise ein – darunter 17 "Oscars". Und an der Saga „Game of Thrones“ kommen derzeit nicht nur Fantasy-Fans nicht vorbei. Nicht weniger fantastisch geht es in unseren Bezirken zu. Nachtwächter, Geschichtenweib und Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, Sagen und besondere Stücke aus der Region zusammenzutragen. Deren Bedeutung unter die Leute zu bringen, ist eine wichtige Maßnahme, um die heimische Kultur zu bewahren. Wie die Protagonisten in unserer Titelgeschichte erklären, können diese Geschichten auch Denkanstöße und Mut für die eigene Situation bieten. Wer dies nicht benötigt, erhält auf jeden Fall gute Unterhaltung – jenseits des Hokuspokus aus Hollywood.

Zur Sache: Termine

In den nächsten Wochen und Monaten finden wieder zahlreiche Veranstaltungen und Events rund um Zauberei, Aberglaube und Mythen in unserer Region und den Nachbarbezirken statt:

Geboltskirchen: „Walpurgisnachtführung“ – Ausstellung und Laternenwanderung rund um den Hausruck, 30. April, 19 bis 20 Uhr, Kulturgut Hausruck
Geboltskirchen: „Märchenstunde am mystischen Lagerfeuer“, 5. und 12. Juni, 20 Uhr, Gasthof-Reiterhof Pichler
St. Marienkirchen/Polsenz: Mondscheinwanderung für die Familie mit Mythen und Sagen, 7. August, 19-22 Uhr, Obstlehrgarten
Bezirk Ried: Ausstellung „Ver-hext. Eine Welt voll Magie und Zauberei“, Innviertler Volkskundehaus (Ried), bis 19. September 2017
Bezirk Rohrbach: Auberger Hexenmarkt, 8. Oktober, Unterkagererhof (Auberg)


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