03.11.2017, 16:59 Uhr

Ökosoziale Marktwirtschaft: Träumerei oder realistische Alternative?

vlnr. Prof. Dr. Dr. Friedrich Schneider, Energiestammtischgründer Josef Malzer

Vortrag von em. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Schneider beim Energiestammtisch in Schlüßlberg

Dies war der Titel des Vortrages von Prof. Schneider, den dieser in Kooperation mit der Klima- und Energiemodellregion Mostlandl Hausruck am Montag den 30.10 beim Energiestammtisch Schlüßlberg hielt und der sehr gut besucht war.

Was bedeutet nun aber Ökosoziale Marktwirtschaft?
Letztlich sollen in dieser Ökologisch-sozialen Marktwirtschaft oder auch Ökologischen Marktwirtschaft die Politik, wie auch die Bevölkerung, zu dem Einsehen geführt werden, dass ökologische Ziele, also der Umweltschutz, nicht unbedingt ökonomischen Zielen, also den Gewinnstrategien von Firmen oder den Zielen des Staates, widersprechen müssen. Und genau dies ist es, was letztlich die Ökosoziale Marktwirtschaft erreichen möchte. Die Bevölkerung und die Politik sollen verstehen lernen, dass Umweltschutz, wie zum Beispiel Müllvermeidung, nicht nur mit Geboten und Verboten zu erreichen sind, sondern dass diese auch freiwillig erreicht werden können, wenn man der Bevölkerung und der Politik verständlich macht, welche Vorteile man daraus gewinnen kann. So können zum Beispiel Müllvermeidung und Müllrecycling dazu führen, dass wir, also unser Staat, weniger Ressourcen verbrauchen und gleichzeitig Ressourcen durch das Müllrecycling konsequent wiedergewinnen können. Alles dies führt zu Einsparungen beim Kauf von Rohstoffen und gleichzeitig zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.

Warum sollte dies uns interessieren, fragt sich nun so mancher von uns?
Weil die Rohstoffressourcen der Welt nicht unendlich sind und weil wir mit unserer derzeitigen Marktwirtschaft, die allein auf dem Konsum aufgebaut ist, auf Dauer keine weitere Entwicklung erreichen werden. Nur wenn wir mit unserer Umwelt und unseren Rohstoffen sorgsam umgehen, dann werden wir noch lange gut leben können. Wenn wir aber weiterhin zum Beispiel unsere Luft mit Abgasen verpesten, dann werden wir den Klimawandel beschleunigen und die Atemwegserkrankungen unserer Kinder und von uns werden massiv zunehmen und unser Gesundheitssystem wird dann dieses alles nicht mehr bezahlen können. So bedingt letztlich eine Ursache eine weitere Ursache. Und genau diesem versucht die Ökosoziale Marktwirtschaft entgegenzuwirken.
Umweltschutz soll einsehbar und verständlich für die Bevölkerung sein und für die Politik soll verständlich werden, dass Umweltschutzmaßnahmen nicht nur Geld kosten, sondern letztlich einem auch die vielen Kosten ersparen können, die man für aufgetretene Umweltschäden aufbringen müsste. Und darum sind realistische Carsharing Projekte, Umweltprojekte, Förderungen für die Null-Energie-Häuser letztlich kein rausgeworfenes Geld, sondern gut investiert und Investitionen für unsere Zukunft und unser weiteres Wohlergehen und demnach keine Träumerei, sondern eine realistische Alternative.

Leider, so Prof. Schneider, hängt die Durchsetzung einer Ökosozialen Marktwirtschaft meistens auch vom Wählerwillen ab. Wenn also die Wähler an diesen Themen kein Interesse finden, sondern andere Themen, wie zum Beispiel Migration oder Integration als wichtiger ansehen, dann kann dieses für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder überaus wichtige Thema sich letztlich in der Politik nicht durchsetzen. Die Leidtragenden an einer nicht umweltfreundlichen Politik und einer rein marktwirtschaftlich ausgerichteten Politik werden dann letztlich die Wähler sein. Denn sie werden spätestens wenn die Schäden eingetreten sind, diese über ihre Steuerlast zu bezahlen haben.

Was ist also das Fazit?
Jeder sollte bei sich selber anfangen und schauen, ob er nicht zum Beispiel Fahrgemeinschaften bilden kann oder nicht mehr mit Öl heizt oder sein Haus mit einer Dämmung versieht. Aber man kann auch sich gegen das Verhalten von VW wehren, indem man es nicht einfach hinnimmt, dass VW einem ein Auto verkauft hat, bei dem letztlich die Abgaswerte und Verbrauchswerte nicht der Wahrheit entsprechen. Wenn sich hunderte Personen mittels Brief bei ihren Händlern beschweren würden, dann, so Prof. Dr. Schneider, würde sicherlich etwas geschehen und die VW Manager würden in einem solchen Fall ihre Politik ändern. Das würde auch schon der Umwelt uns letztlich uns allen helfen.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.