Das sündige Dorf
Herzhaft & temperamentvoll: Komödie „Frischfleisch“ mit der Tulfer Dorfbühne
- Mit „Frischfleisch zeigt die Tulfer Dorfbühne ein lebendiges Theater: Für Liebhaber dieses Genres ein absolutes Muss, bis 13. Juni im Gemeindesaal Tulfes.
- Foto: Teyml
- hochgeladen von Michael Kendlbacher
Herzhaft, turbulent und voller Dorfgeheimnisse: Mit der bäuerlichen Komödie „Frischfleisch“ feierte die Tulfer Dorfbühne eine rundum gelungene Premiere.
Die bayrische Autorin Christina Rothammer hat mit dem von ihr als „Schwank“ bezeichneten Dreiakter einen höchst unterhaltsamen Schenkelklopfer geschrieben, Gottfried Eller wusste dieses Potential als Spielleiter geschickt mit den 5 Damen und 4 Herren des dörflichen Laienensembles in Szene zu setzen, wobei er mit ca. 12 Szenenwechseln mit Mini-Lichtpausen wie in einer FS –Sitcom einen modernen Regiekunstgriff anwendet. Die Story ist einfach und griffig gestrickt und erzählt von einem idyllischen Bauerndorf, welches im angrenzenden Industriegebiet mit einem Tabledance – Lokal beglückt wird, was wiederum den Pfarrer auf die Barrikaden treibt und im Mann der Huberbäuerin Ängste auslöst, so dieser wegen eines Missverständnisses seine Angetraute bereits als künftige Bardame in minimaler Bekleidung verdächtigt.
Elsa Maier , jahrzehntelang bewährte Ensemblemitglied setzt die Figur der Rosa Huber mit natürlichem und facettenreichem Spiel als alkoholgefährdete Gattin und besorgte Mutter um, Josef Eller mimt mit glaubwürdigem Grant und rauem alpinen Charme den Huber Sepp in Szene, Lydia Pachler erntet häufigen Szenenapplaus wegen ihrer temperamentvollen, komödiantisch gelungenen Auftritte als resolute Nachbarin und Pfarrersköchin Hilde, auf Augenhöhe und ruhiger Kontrast dazu Hermann Junker als betulicher Pfarrer Schuster. Die Managerin Bettina Haberl verkörpert elegant und glaubwürdig Brigitte Auer. Ein besonders farbiges, natürliches und schlagfertiges Spiel liefern die beiden jungen Paare Theresa Wegscheider als Silvia und Leon Angerer als ihr künftiger Bräutigam Markus Huber, sowie Christof Schnaufert als schwärmerischer Poet Peter mit seiner spröden Angebeteten Lena Huber, von Martina Kirchmair cool und burschikos verwirklicht.
Gegen Schluss klären sich die Missverständnisse auf, man schämt und vergibt sich, ein spürbar begeistertes Premierenpublikum kann eine nachfolgenden Ehrung Elsa Maiers durch Theaterverband und Dorfbühne beklatschen und sich den nur für die Premierenfeier zubereiteten feinen Snacks widmen. Licht & Ton verantworten Yannick Markart, Andreas Arnold & Rudi Graßmair, Maske & Frisuren besorgte Theresa Eller. Für Liebhaber dieses Genres ein absolutes Muss, bis 13. Juni im Gemeindesaal Tulfes.
Eine Theaterkritik von Peter Teyml
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