Zeitgeschichte
"Europa" im Konkurs

Der Barocksaal im Hotel Europa könnte wohl viel erzählen.
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  • Der Barocksaal im Hotel Europa könnte wohl viel erzählen.
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INNSBRUCK. 1869 wurde das "Grand Hotel Europa" von von Schreiner & Klaisner errichtet und galt lange als erste touristische und gesellschaftliche Adresse Innsbrucks. Zahlreiche Persönlichkeiten waren in diesem über 150 Jahre alten Haus zu Gast, mit der Insolvenz der Betreibergesellschaft ist auch die Zeit des "Europa" vorbei.

Insolvenz

Die Delta Hotelentwicklung GmbH in St. Georgen/Ybbsfelde war die Betreibergesellschaft des Grand Hotel Europa in Innsbruck. Zum Grand Hotel Europa zählen neben 117 Gästezimmern auch diverse Veranstaltungssäle und Konferenzräume, das Restaurant „Europa Stüberl“ sowie die Bar „Europa“. 130 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen, die Passiva beträgt rund 3,3 Millionen Euro, die Aktiva 2,9 Millionen. Laut eigenen Angaben zur Insolvenz: "Das Geschäftsfeld der Schuldnerin ist insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie vollständig zum Erliegen gekommen und ist Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eingetreten. Da auch eine negativen Fortbestehensprognose vorlag, mussten die Konsequenzen in Form des vorliegenden Konkursantrages gezogen werden. Laut Schuldnerantrag wurde die Geschäftstätigkeit bereits eingestellt." Die Verpächterin, die PIMM Hotel Europa Tyrol Besitzgesellschaft m.b.H. (im Eigentum der Firma PIMM Italia Srl.), die auch Gesellschafterin der Delta ist, sei nicht insolvent. Das Haus wurde 2007 von der Gruppe Palenca Luxury Hotels (Gebrüder Palenca aus Rom), die hochwertige Hotels in Italien betreibt, von Hotelier Otto Plattner übernommen und haben nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro in das Haus investiert. Otto Plattner hatte einst 1989 zu seinem 60igsten Geburtstag das Hotel „Europa“ übernommen und mit viel persönlichen Einsatz geführt. 

Das Hotel Europa mit festlicher Beleuchtung.
  • Das Hotel Europa mit festlicher Beleuchtung.
  • Foto: FB/Grand Hotel Europa
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Geschichte

Am 8. August 1869 eröffnete das „Hotel de l´Europe“, erbaut von Scheiner und Kaisner in der damaligen Bahnstrasse 14 seine Pforten. Das Hotel Garni mit Restaurant hatte damals 60 Zimmer und Salons und in den Innsbrucker Nachrichten erschienen folgende Zeilen: „Das neu erbaute Hotel de l´Europe ist seit gestern eröffnet. Es ist ein Hotel Garni. Die im selben, im ebenerdigen Geschoss befindliche Restauration war gestern abends bis in die späte Nacht sehr gut besucht und es herrschte dort eine äußerst animierte Stimmung.“ Josef Klaisner verkaufte das Hotel 1872 an die Eheleute Reinhart weiter. Nach einem verheerenden Dachstuhlbrand im Jahre 1881, bei dem auch ein Teil der Fassade und der Inneneinrichtung zu Schaden kam, wurde das Hotel saniert und um ein Stockwerk erweitert. 1884 erhielt das Hotel de l’Europe, 2 Jahre nach dem Umbau, den Ehrenpreis des K.K. Handelsministerium in Wien.

Der Anfang des Grand Hotel Europa.
  • Der Anfang des Grand Hotel Europa.
  • Foto: FB/Grand Hotel Europa
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Barocksaal

Bayerns König Ludwig II bezeichnete das Europa als "schönsten Ort in Innsbruck zum Begehen festlicher Ereignisse". 1883 musste König Ludwig II., Erbauer der bayerischen Königsschlösser, seine italienischen Architekten wegen zunehmenden Geldmangels nach Hause schicken. Da die Architekten im damaligen Europa Station machten und mit dem Betreiber ins Gespräch kamen, entstand der Barocksaal in neuem Glanz. Das Schengener Abkommen zwischen Italien, Deutschland und Österreich wurde im Barocksaal unterzeichnet, die Europäische Kommission tagte hier, nicht zuletzt wohnten und tagten alle 25 Verteidigungsminister während der letzten österreichischen EU-Präsidentschaft im Hotel Europa.

Das Hotel Europa in den 50iger Jahren.
  • Das Hotel Europa in den 50iger Jahren.
  • Foto: FB/Grand Hotel Europa
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Bombentreffer

Bei einem Luftangriff 1943 wurde das Hotel schwer beschädigt. Nur der Trakt in der Brixnerstrasse 6 und der Barocksaal hatten den Angriff überstanden. Bereits 1949 eröffnete das Hotel Europa nach rund neun Monaten Bauzeit wieder seine Pforten. Ein Teilbetrieb von 60 Betten, einem Speisesaal sowie einem Restaurant luden inmitten der Ruinen zum Verweilen ein. In den Jahren 1950 und 1951 wurde der zweite Teil des Hotels unter der Leitung von Otto Mayr wieder aufgebaut.

Gäste

König Karl Gustav von Schweden war bei den Bewerben der beiden Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 Gast im Europa . Queen Elizabeth II., Fürst Albert von Monaco oder Künstler wie die Rolling Stones, Deep Purple, Zucchero sowie Musikikone Falco, Schauspieldiva Catherine Deneuve ebenso wie die Stars der in Innsbruck gastierenden Nationalteams und europäischen Vereinsmannschaften nahmen im Hotel Europa ihre Zimmer.

Das zerstörte Hotel Europa
  • Das zerstörte Hotel Europa
  • Foto: FB/Grand Hotel Europa
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Sterne & Kritiken

Im März 2019 hat das Hotel den Fünf-Sterne-Standard verloren. 2010 wurde noch erfreut mitgeteilt: "Nach Abschluss der umfangreichen Generalsanierung im Grand Hotel Europa, wurde die 5-Sterne-Kategorie des Hauses entsprechend der neuen Klassifizierungsrichtlinien erneut bestätigt", freut sich Direktor Arthur Guelfenburg über den großen Erfolg. Das Grand Hotel Europa bleibt damit weiterhin Innsbrucks einziges 5-Sterne-Hotel." 2012 war auf tripadvisor.at zu lesen: "Ausstattung auf den neusten Stand, Internet kostenlos. Besonders muss ich die regionale Küche hervorheben und der Klasse Service. Die Freundlichkeit ist nicht verordnet, sondern kommt in diesem Hotel vom Herzen. Der Hotel Direktor begrüßt einen in der Lobby und beim Abendessen persönlich; es geht familiär im Hotel zu. Kinder sind gern gesehen. Selten habe ich mich in einem 5 Sterne Hotel so wohl gefühlt." 2017 gab es vom Hotelkritiker Eberhard Opl eine vernichtende Kritik: "Summa summarum: Multikulturelles Zentrum in ebensolcher Lage, ordentlich renovierte Zimmer, teils gemütliches Ambiente, aber offensichtlich ohne richtiges Hotelleben, die Selbstverständlichkeiten eines Fünf-Sterne-Hauses fehlen gänzlich, schlechter Service, kurzum, ein Trauerspiel." Aber auch auf den heimischen Stammtischen waren die "5 Sterne" immer wieder Diskussionsthema, zwar galt das Europa immer als schönes Haus, aber die nötige Angebotsvielfalt eines "5 Sterne Hauses" wurde vielfach bezweifelt. Die "5 Sterne" wurden eigentlich immer als Auszeichnung für den langjährigen Chef Otto Plattner gesehen.

Die Information des Grand Hotel Europa nach dem Corona-Fall.
  • Die Information des Grand Hotel Europa nach dem Corona-Fall.
  • Foto: FB/Grand Hotel Europa
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Corona

Am 25.2., dem Faschingsdienstag, sorgte das Hotel Europa für Aufsehen. Am frühen Abend wurde das  Hotel, der Arbeitsplatz einer positiv getesteten Frau sowie die Wohnstätte der Italienerin, behördlich gesperrt. Die positiv getesteten Personen auf das Corona-Virus waren die ersten Fälle in Österreich. Vor allem medial sorgte dies für Schlagzeilen. Unter anderem gab es auch einen Direkteinstieg in die Zeit im Bild Sendung des ORF: "Just in dem Moment, als der Reporter erzählte, dass hier niemand "hinein- oder herausdürfe", sieht man im Hintergrund, wie ein Mann das Hotel verlässt. Wer dieser Mann mit dem Roller war und warum er das Hotel verlassen durfte, ist unklar."

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