Neuer Bezirksjägermeister
Franz Humpl: ein Jäger mit Leib und Seele

Franz Humpl, Bezirksjägermeister
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Franz Humpl (55) aus Spital am Pyhrn löst Herbert Sieghartsleitner als Bezirksjägermeister ab. Die BezirksRundschau bat den passionierten Waidmann und Landwirt zum Gespräch.

SPITAL/PYHRN. Herr Humpl, wann stand fest, dass Sie Bezirksjägermeister werden?
Humpl: Ich bin seit 2001 Delegierter im Landesjagdausschuss. Der bisherige Bezirks- und jetzt Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner hat einen Fulltime-Job. Es ist schwierig, sich auch um den Bezirk zu kümmern. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen kann, die Funktion auf Bezirksebene zu übernehmen. Ich habe mir das gut überlegt. Ich habe viel Zuspruch erfahren, gerade auch von den Jungen. Das hat mich bestärkt, auch wenn man es wohl nicht jedem recht machen kann.

Wie schaut es denn mit dem "Nachwuchs" aus?
Wir haben einen sehr guten Zulauf. Ich schaue, dass die Jungen eine Chance kriegen. Themen wie "Schule und Jagd" möchte ich weiter forcieren.

Wie sind Sie selbst zum Jagen gekommen?
Ich bin von klein auf mit dem Vater mitgegangen, das hat mich immer interessiert. Ich bin richtig hineingewachsen. Mit 18 habe ich die Jagdprüfung gemacht, aber ich wollte eigentlich mehr tun. 1982 habe ich bei den Jagdhornbläsern angefangen. Sie sind ein Bindeglied zwischen Jägern und Nicht-Jägern und genießen hohe Akzeptanz. Dadurch haben sich viele Möglichkeiten ergeben, das Spektrum Jagd hat sich für mich wesentlich erweitert. Ende der 1980er habe ich die Prüfung zum Jagdschutzorgan gemacht.

Was bedeutet das?
Jedes Revier braucht ein Jagdschutzorgan. Salopp gesagt, garantiert dieses, dass im Revier alles mit rechten Dingen zugeht. Man ist sozusagen ein verlängerter Arm der Behörde. Ich bekam wenig später dann auch die Möglichkeit, bei den Bundesforsten einen Revierteil als Jagdschutzorgan zu übernehmen. Derzeit betreue ich als Revierjäger 1.700 Hektar. Ich habe viel Verantwortung über Reviere bei uns in der Gegend, wobei ich aber nicht überall jagen gehe.

Sie sind ja außerdem Leiter der Genossenschaftsjagd in Spital am Pyhrn.
Das stimmt, ich habe sie 1996 übernommen. Heute umfasst sie 3.200 Hektar, insgesamt sind wir fast 80 Jäger. Damals, als ich die Leitung mit 32 Jahren übernommen habe, war so ein `Amt´ noch gefragt. Heute ist das anders geworden. Überhaupt haben sich die Aufgaben von damals und heute stark verändert.

Wie denn?
Wir haben vor kurzem 60 Jahre Genossenschaftsjagd gefeiert. In der Chronik habe ich gelesen, dass sich die Jäger anfangs etwa um den Kartoffelkäfer kümmern mussten. Als ich als Jäger eingestiegen bin, war die Rotwildsituation noch ganz anders. In den 80er-Jahren gab es außerdem einen großen Trophäenkult. Heute erfüllen wir viele Aufgaben, die Richtung Naturschutz gehen. Wir schauen uns verstärkt den Vegetationszustand im Wald an, danach richtet sich der Abschussplan. Gemeinsam mit den Grundbesitzern kümmern wir uns um einen gesunden Wald. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man darauf reagieren sollte, was einem die Bauern ehrlich vor Ort sagen.

Welche Herausforderungen gibt es in nächster Zeit?
Man muss auf Veränderungen reagieren und sich anpassen. Wenn man heute so jagen würde wie vor 30 Jahren, würde man nicht mehr viel erwischen. Man bemerkt zum Beispiel die Auswirkungen des Klimawandels deutlich. Balzplätze vom Auerwild haben sich verschoben, Gämsen sind anfälliger für die Hitze, es gibt mehr Parasitenbefall beim Wildbret usw.

Luchs und Wolf sind auch zurück ...
Ja, das ist wahr. Ich bin Luchriss-Beauftragter und begutachte seit einigen Jahren, ob ein Tier vom Luchs gerissen wurde. Das kommt immer wieder vor. Wir haben auch vereinzelt Wölfe, die durchziehen. Sobald es zur Rudelbildung kommt, ist der Wolf aber für mich nicht akzeptabel. Es sollte Gebiete geben, in denen er nichts verloren hat, gerade auch im Hinblick auf die Landwirtschaft. Dazu stehe ich.

Was sind Ihre persönlichen Ziele als Bezirksjägermeister?
Ein gutes Miteinander ist mir wichtig. Ich will offen sein für die Anliegen der Jugend und die Jagd als Tradition, verbunden mit regionalem Brauchtum vermitteln – auch wenn man sich neuen Entwicklungen nicht verschließen darf.

Über die Jagd im Bezirk Kirchdorf

Derzeit gibt es im Bezirk Kirchdorf 1.247 aktive Jäger. Davon sind 1.146 Männer und 101 Frauen. Auf 1.239,6 Quadratkilometern Fläche, die der Bezirk umfasst, befinden sich 104 Jagdgebiete. In ganz OÖ sind es 950 Gebiete. Detailinformationen gibt es dazu auf der Seite des oö. Landesjagdverbandes, www.ooeljv.at/jagdbezirke/kirchdorf.

Autor:

Martina Weymayer aus Kirchdorf

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