08.10.2014, 00:00 Uhr

30 Asylwerber sollen ins Ex-Bordell ziehen

Das Gasthaus zum Fuchsbau in Wartberg wird derzeit umgebaut. (Foto: Strasser)

Nach Schlierbach und Wartberg ist nun auch in Spital/Pyhrn eine Unterkunft für Flüchtlinge geplant.

BEZIRK (wey). Bis auf den letzten Platz war das Feuerwehrdepot in Spital am Pyhrn am 3. Oktober gefüllt. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt. Bürgermeister Aegidius Exenberger hatte eine Versammlung einberufen, um über das geplante Asylwerber-Quartier in der Gemeinde zu informieren. Das Land OÖ sucht derzeit 200 bis 400 Plätze. Bis zu 70 hätten es im Gasthof Botenwirt mitten im Ort werden sollen.
Eine Grazer Immobilienfirma wollte das Gebäude kaufen und adaptieren. "Mir sind die Grausbirnen aufgestiegen", kann der Bürgermeister seinen Ärger nicht verbergen. "Wir wehren uns dagegen, dass Gemeinden ohne Rücksichtnahme auf die örtliche Infrastruktur mit Asylbewerbern überschwemmt werden. Die Bürger werden nicht gefragt. Wir wollen helfen, aber so geht es nicht."

Nach der Intervention beim Land OÖ suchten die Gemeindevertreter ein Ersatzquartier und wurden beim ehemaligen Bordell am Ortsrand fündig. Hier sollen nun maximal 30 Personen unterkommen. Betreut wird das Haus von der Caritas, die sich genau wie der Hauseigentümer einen Mietvertrag vorstellen kann. Erforderliche Umbauarbeiten könnten in den kommenden Wochen beginnen. "Ich bin mit dieser Lösung auch nicht glücklich, aber ich kann damit leben. Ein paar Leute vertragen wir schon. Mit der kleineren Lösung kann ich mich anfreunden", so Exenberger.

Zwei, drei weitere Angebote

"Ich glaube, dass ein Quartier mit 25 bis 30 Menschen in der Gemeinde tragbar ist", sagt Franz Wall, Referatsleiter "Grundversorgung für Fremde" beim Land OÖ. "Kirchdorf ist der einzige Bezirk, in dem es keine organisierte Unterkunft gibt. Fix ist nur das Quartier in Wartberg, das ab Dezember bezogen wird." 60 Personen waren bis Ende August in Schlierbach untergebracht. Derzeit gibt es laut Wall zwei, drei weitere Angebote aus dem Bezirk, wobei nicht alle in Frage kommen. "Wir nehmen die Erstbelegung vor und achten auf eine entsprechende Durchmischung. Innerhalb einer Woche werden die Quartiere hochgefahren", so Wall. "In den ersten Wochen stehen die Leute unter Beobachtung, dann kommt schnell der Alltag." Ein großes Problem: Die Aufnahmeverfahren dauern zwischen drei Monaten und neun Jahren. In dieser Zeit dürfen die Menschen nicht arbeiten. Franz Wall: "Wir bemühen uns darum, Strukturen zu schaffen. Die Angst vor weniger Sicherheit ist unbegründet." Das sehen viele Einheimische anders. Sie fürchten, dass vor allem junge Männer auf dumme Gedanken kommen, wenn sie den ganzen Tag herumsitzen.

Bürgermeister Franz Karlhuber aus Wartberg hat gute Erfahrungen mit Asylwerbern in seiner Gemeinde gemacht. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren im Ort immer wieder Flüchtlinge untergebracht. Derzeit wird das ehemalige Gasthaus zum Fuchsbau umgebaut. Eigentümerin Elisabeth Fuchs hat es der Caritas als Asylwerberheim vermietet. Die Stellen als Flüchtlingsbetreuer sind schon ausgeschrieben. Die ersten Asylwerber kommen voraussichtlich im Dezember nach Wartberg. „In der Bevölkerung ist die gesamte Bandbreite von Ablehnung bis Akzeptanz vorhanden", räumt Karlhuber ein. "Es hat sich aber bereits eine Gruppe gebildet, die das Caritas-Gästehaus ehrenamtlich unterstützen will. Jeder, der sich anschließen möchte, kann sich bei der Gemeinde melden."
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