22.11.2016, 14:50 Uhr

"Rote Kreuze": Der Geschichte auf der Spur

Die Rotkreuz-Kapelle in Rosenau am Hengstpaß steht am historischen "Proviantweg" und an der Landgerichtsgrenze. (Foto: Habersack)
Rosenau am Hengstpaß: Rotkreuz-Kapelle |

In Oberösterreich sind etwa 60 "Rote Kreuze" bekannt. Eine Kapelle mit diesem Namen steht in Rosenau.

ROSENAU (wey). In ganz Mitteleuropa finden sich Kleindenkmäler, die „Rotes Kreuz“ genannt werden. Diese Bezeichnung und ihre Standorte an alten Wegen, Straßenkreuzungen oder früheren Landgerichtsgrenzen lassen ein System vermuten, dessen Bedeutung verloren ging. Eines dieser Kleindenkmäler befindet sich in Rosenau am Hengstpaß: die "Rotkreuz-Kapelle". Sie lag am "Proviantweg", auf dem Jahrhunderte lang Nahrungsmittel und Eisen über den Pass transportiert wurden. Gleichzeitig befindet sie sich an der früheren Grenze der Herrschaftsgebiete von Steyr und Burg Gallenstein unter dem Stift Admont. Rudolf Stanzel vom Heimatverein Windischgarsten definiert die Stelle als Landgerichtsgrenze zwischen dem Hochgericht Admont und dem Niedergericht Spital.

Übergabe von Straftätern

Heimatvereins-Obmann Jörg Strohmann erklärt: "Es kann so gewesen sein, dass hier Delinquenten an den Burgrichter von Gallenstein zur Hinrichtung übergeben worden sind – aber nur so lange, bis die Blutgerichtsbarkeit an die Herrschaft Pernstein gekommen ist. Das war wahrscheinlich um 1246, als unser Gebiet von den Babenbergern zu den Habsburgern kam." In den Sterbematrikeln von Windischgarsten steht geschrieben: "Am 8. Mai 1754 wurde der ledige Landgerichtsdienerknecht von Spital a.P. namens Gottlieb Rieger im Palmgraben von den Bösewichten, die er nach Pernstein abschieben sollte, (...) ermordet und ist ohne heilige Sakramente verstorben." Laut Strohmann beweist dies, dass Straftäter später nach Pernstein gebracht wurden, nicht mehr nach St. Gallen.
Die Kapelle befindet sich allerdings nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz. Mitte der 1970er-Jahre wurde sie 100 Meter weiter östlich neu errichtet.

Ein rotes Kreuz gab es auch auf der Kreuzau

Das Wissen um die Bedeutung der "Roten Kreuze" ist vielerorts verloren gegangen, Informationen sind nur noch vereinzelt vorhanden. Bei vielen wurde der Name geändert, sie werden heute beispielsweise als „Franzosenkreuz“ bezeichnet. Die meisten von ihnen sind aus Holz und tatsächlich mit einem roten Anstrich versehen. Ein derart gefärbtes Kreuz gab es auch auf der "Kreuzau", nur wenige Kilometer von der Rotkreuz-Kapelle entfernt. Mittlerweile wurde es jedoch durch ein neues Marterl ersetzt. "Bei einem Besuch habe ich ein einfaches rotes Kreuz an einem Baum gefunden", berichtet Rudolf Stanzel aus Windischgarsten. Was es genau damit auf sich hat, kann er nicht erklären. "Der Name Kreuzau ist aufklärungsbedürftig." Schriftlich ist wenig über diese Kleindenkmäler bekannt. So wie die Rotkreuz-Kapelle befinden sie sich oft an Grenzen und stellen etwa Rechtszeichen dar, bei denen Verbrecher den Landgerichten übergeben wurden. Sie könnten auch Markierungs- und Orientierungspunkte eines alten Handelswegenetzes sein (Quelle: Elisabeth Schiffkorn, landessagen.at).

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Die Roten Kreuze sollen in einer digitalen DORIS-Karte eingetragen werden. Kennen Sie weitere Denkmäler, die auf Rote Kreuze hinweisen könnten? Wenn Sie einen Zusammenhang vermuten, informieren Sie bitte den Verein Kultur Plus/Eurojournal, Elisabeth Schiffkorn, Tel. 0650/7004292, kultur.plus@liwest.at.
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