Mit jeder Schließung schwindet Lebensqualität

Zu und aus. Schiefling, St. Margareten, Zell und Ludmannsdorf haben einiges an Infrastruktur verloren. Wie kann man der Entwicklung entgegensteuern?
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KLAGENFURT LAND (vp). Mit dem Aus für den Zadruga-Markt Schiefling starb wieder ein Traditionsbetrieb in der Tourismusgemeinde. Und damit ein Stück Nahversorgung. In den letzten Jahren musste Schiefling das Schließen des Zadruga-Lebensmittelgeschäfts (Herbst 2015), der Post und - schon länger her - der Polizei "erdulden". Kürzlich folge die Posojilnica Bank. "In den letzten Jahren haben auch einige Gasthäuser und Fremdenverkehrs-Betriebe ihre Tore geschlossen. In den 90er-Jahren hatten wir noch 3.000 Betten, heute sind es noch 1.320 Betten, die vermietet werden", so Bgm. Valentin Happe.

Es brauche "raumordnerische Maßnahmen"

Ländliche Gemeinden hätten, so Happe, grundsätzlich das Problem, dass neue Standorte von Supermärkten in den Bereich der Städte und größeren Gemeinden verlegt werden. "Bei uns betrifft das vor allem die Ansiedelung von Märkten im Bereich Selpritsch, Velden, in der Nähe der Mischkulnig-Tankstelle." Nur durch "raumordnerische Maßnahmen der Gemeinden und des Landes" könne man dieser Situation entgegenwirken.

Kein Gasthaus im Hauptort

Noch schlimmer wird es, sieht man sich St. Margareten an: St. Margareten kämpfte im letzten Herbst gegen die Schließung der Volksbank-Filiale - vergeblich. "Das tut uns nach wie vor weh. Es gibt nicht mal mehr einen Bankomat", sagt Bgm. Lukas Wolte. Die Post schloss bereits 2006 ihre Pforten, der Nahversorger hat zu kämpfen.
Seitdem der "Kramerwirt" im Ort geschlossen hat, gibt es hier kein Gasthaus mehr. Wolte: "Beim ,Kramer' gab es Räumlichkeiten für Veranstaltungen, die uns jetzt auch fehlen. Gasthäuser haben der Reihe nach zugesperrt", ortet er ein "Generationenproblem" - die Jugend orientiert sich eben anders.

Gasthaus mit Saal fehlt

Der Entwicklung entgegenzuwirken, ist für die Gemeinde schwierig. "Den Nahversorger unterstützen wir in kleinem Rahmen, in Verbindung mit der Landesförderung - und selbst beim eigenen Einkauf. Was einen Veranstaltungssaal betrifft, gibt es Diskussionen über eine Lösung", so Wolte. Da in naher Zukunft die thermische Sanierung der Volksschule ansteht, könnte hier vielleicht ein Veranstaltungsaal integriert werden. "Die Kombination Gasthaus mit Saal geht uns ab. Natürlich hoffen wir, dass sich ein Privater findet - aber das sieht derzeit schlecht aus", so Wolte.

Ein Infrastruktur-Problem

Blickt man in Zell einige Jahre zurück, zeigt sich folgendes Bild: Schließung des Truppenübungsplatzes Koschuta, der Gendarmerie-Stelle, der Ausbildungsstätte für Polizeihunde, der Volksschule Zell-Winkel, jetzt der drohende Wegfall des Nahversorgers, die Schließung der Jausenstation Smelc in Zell-Winkel. "In weiterer Folge droht wegen Nichtvorhandensein der Nachfolge auch ein Wirtshaussterben", bedauert Bgm. Heribert Kulmesch.
Er ortet ein Problem in der "sukzessiven Reduktion der öffentlichen Verkehrsverbindungen" und in den "massiv ramponierten Landesstraßen". "Das Land schützt sich mittlerweile wegen Haftungsfragen mit Warnhinweisen für etliche kilometerlange Straßenabschnitte."

Verantwortung der Gemeinden begrenzt

Für die betroffenen Gemeinden sei ein Entgegensteuern nur bedingt möglich. Kulmesch: "Mobilität, Zustand von Landesstraßen, restriktive Vorgaben und Vorschriften, Abgaben-Vorschreibungen etc. liegen nicht in der Verantwortung der Gemeinde. Ich höre schon Stimmen, die danach schreien, schließlich auch die Gemeinde an sich in Frage zu stellen." Mit jeder Schließung gehe Sinn und Lebensqualität verloren.

Ludmannsdorf plant Ortsentwicklungskonzept

Auch Ludmannsdorf ist "etwas weiter weg vom Schuss" situiert. Zadruga-Market schloss hier bereits im April 2016 die Spar-Filiale, die glücklicherweise von einer Pächterin übernommen wurde. Auch sie hat zu kämpfen. Der Zadruga-Baumarkt schloss seine Tore im Mai 2016. "Die Post ist schon lange zu, kürzlich folgte die Posojilnica-Bank", blickt Bgm. Manfred Maierhofer zurück.
In Ludmannsdorf plane man ein Ortsentwicklungskonzept mit Bürgerbeteiligung zu starten. "Um alle Möglichkeiten an Ideen auszuschöpfen, um gemeinsam ein langfristiges Konzept - verstärkt für den Ortskern, aber auch gemeindeweit - zu erarbeiten und zu verwirklichen." Dieses soll als Leader-Projekt der Carnica-Region Rosental erarbeitet, angesucht und verwirklicht werden.

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