25.10.2017, 08:00 Uhr

Stadtgemeinde Klosterneuburg – der Weg nach oben

Wolgang Bäck und Stephanie Neuhofer beim schmökern in den Unterlagen des Stadtarchiv.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 hat sich auf in der Stadtgemeinde Klosterneuburg einiges getan.

KLOSTERNEUBURG (mp). Wo 1989 noch ein Weingarten war, steht heute der Supermarkt Interspar, wo man früher noch zu Fuß gehen musste, bringt heute der Stadtbus die Einheimischen ans Ziel, wo früher Pillen verteilt und der Neurochirurgie nachgegangen wurden, findet man heute die wissenschaftliche Forschungseinrichtung I.S.T. Wie das ganze Bundesland hat sich auch die Stadtgemeinde Klosterneuburg seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entwickelt. Die BEZIRKSBLÄTTER auf den Spuren der Veränderung.

Spürbare Veränderungen

"Ich kann mich noch erinnern , wie dann plötzlich auf der Mariahilferstraße ganze Busse aus den Nachbarländern ankamen und die Leute zu richtigen Hamsterkäufen aufbrachen", erinnert sich Wolfgang Bäck, Archivar des Klosterneuburger Stadtmuseum an seine ganz persönlichen Eindrücke nach der Grenzöffnung zurück. Doch nicht nur in der Hauptstadt war der Fall des Eisernen Vorhangs merklich spürbar, auch in der Babenbergerstadt kam es in den darauffolgenden Jahren zu großen Veränderungen im Stadtbild und dem Alltagsleben.

Umdenken im Thema Müllentsorgung

1989 wurde unter dem damaligen Bürgermeister Gottfried Schuh ein neues Abfallwirtschaftskonzept beschlossen, das die Stadtgemeinde 1990 mit den ersten Mülltrennversuchen startete. Im selben Jahr wurde die vollbiologische Kläranlage in Betrieb genommen. Oktober des darauffolgenden Jahres 1990 wurde der Recyclingplatz eröffnet: "Er war sehr erfolgreich. Über 400 Fahrzeuge kamen täglich um ihren Müll zu entsorgen", entnimmt Bäck den archivierten Amtsblättern. Vier Jahre später 1994 wurde die Müllentsorgung der Stadtgemeinde auf das "Drei-Tonnen-System" umgestellt.

Umdenken im Thema Verkehr

Das Jahr 1992 war geprägt von Veränderungen im Verkehrskonzept. Ein Beschluss der Gemeinderatsitzung von 26. Juni, die Kurzparkzonenabgabeverordnung, trat mit 1. September in Kraft. Mit 5 Schilling (36 Cent) für eine halbe Stunde und 10 Schilling (73 Cent) für eine Stunde waren die Preise damals schon nicht viel günstiger als heute. Im November des gleichen Jahres wurde jedoch auch der City-Bus - "als weiterer Schritt zur Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs", wie Altbürgermeister Schuh im Amtsblatt 1992 erklärte - ins Leben gerufen. "Sie wollten uns wohl sagen: 'Fahrt's nicht mit dem Auto, nehmt's den Stadtbus'", lacht Bäck. Einige Jahre später, ab Herbst 2005 begannen die Arbeiten zum Bau der Umfahrungstraße, die das Klosterneuburger Stadtgebiet entlasten sollte und zu einigen Unstimmigkeiten in den umliegenden Gemeinden führte. 2008 wurde sie für den Verkehr freigegeben. Auch die erst unlängst wieder entbrannten Gespräche zum "Wahl-Schmäh" "U4 bis hier" kamen erstmalig bereits im Jahr 1990 auf, auch heute ist und bleibt die U-Bahn Verlängerung jedoch eine "Vision".

Veränderung in Wirtschaft und Politik 

"Von 1989 bis 2016 hat sich Klosterneuburg zu einem ernstzunehmenden wirtschaftlichen Zentrum entwickelt und die Betriebe haben sich beinahe verdreifacht", weiß Friedrich Oelschlägel, Leiter der WKO-Außenstelle Klosterneuburg. Waren es 1989 noch 889 aktive Betriebe, befinden sich 2016 bereits 2.257 aktive Betriebe im Gebiet der Stadtgemeinde. "Das ist eine sehr schöne Bilanz. Wir bekommen sogar von Wiener Unternehmen, die gerne nach Klosterneuburg siedeln würden Anfragen. Natürlich werden auch weiterhin versuchen das wirtschaftliche Angebot auszubauen, allerdings haben wir hier zumindest für großflächige Betriebe nicht genügend Platz", so Oelschlägel. Nicht nur das Klosterneuburger Industrieviertel und der Inkupark wurden seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ausgebaut und erweitert, es ist auch eine enorme Zunahme an Supermärkten zu verzeichnen. "Früher sind wir immer noch zum PamPam nach Heiligenstadt einkaufen gefahren", erinnern sich Bäck und seine Kollegin Stephanie Neuhofer schmunzelnd. Heute finden sie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten in der Stadtgemeinde. 
Im Jahr 2009 gab es größere politische Veränderungen. Mit 31. Oktober, also vor fast auf den Tag genau 8 Jahren, legte Bürgermeister Gottfried Schuh sein Amt nieder. Da der nominierte Nachfolger Willibald Eigner aufgrund eines Bauskandals um die Villa Meran und dem daraus folgenden Vertrauensverlust seine Kandidatur zurückzog, wurde Stefan Schmuckenschlager vorgeschlagen und gewann die Abstimmung. 

Veränderung in Kultur & Tourismus

Wo früher Schneepflug und andere Gerätschaften der Straßenmeisterei Unterschlupf fanden, wurde 1998 das neu errichtete Stadtmuseum und die Musikschule eröffnet. Um die Zeit schlossen sich auch zahlreiche Museen in der Stadtgemeinde zur Museumsplattform zusammen. Von damaligen 13 Museen, sind nun jedoch nur noch 10 in Betrieb. "In den Nächtigungszahlen lässt sich seit 1989 keine besonders starke Veränderung erkennen. Steigerungen gab es jedoch auch hier in der Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse in Tourismus und Gastronomie mit Angestellten aus den Ostblock-Ländern", weiß Nicola Askapa des Stadtmarketing Klosterneuburg. 

Veränderung in der Wissenschaft

Und auch die Wissenschaft ist seit dem im Aufschwung. Bis im Jahr 2007 befand sich im Ortsgebiet der im Jahr 1989 von Gugging auf Maria Gugging umgetauften Katastralgemeinde noch die Landesnervenklinik Gugging, die meist abwertend als "Irrenanstalt" bezeichnet wurde. Sie wurde jedoch aufgelöst und nach Tulln übersiedelt. Stattdessen sind heute auf ihrem Gelände das museum gugging und die I.S.T., das Institute of Science and Technology Austria ansässig. Eine Erweiterung des I.S.T., der Technologiepark auf der Plöcking ist derzeit in Planung.
             Wie der Zeitzeuge Sepp Redl aus Klosterneuburg den Fall des Eisernen Vorhangs erlebt hat lest ihr hier.


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