Vierzig Jahre Koasakletterer – Durchbruch zum 7. Grad

Guido Unterwurzacher, Peter Brandstätter und Tom Rabl – drei Kenner des Wilden Kaisers.
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  • Guido Unterwurzacher, Peter Brandstätter und Tom Rabl – drei Kenner des Wilden Kaisers.
  • Foto: Eberharter
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ELLMAU(be). Mit einem Kletterfestl auf der Wochenbrunner Alm in Ellmau erinnerten die Kitzbüheler und Kufsteiner Bergführer an jenen Tag, als vor vierzig Jahren die Route „Pumprisse“ im Wilden Kaiser begangen wurde – erstmals ein 7. Schwierigkeitsgrad in Europa.
Bis zu jenem 1. Juni 1977 war die Skala der Schwierigkeitsgrade obenhin geschlossen. Es gab 6+ und das galt als äußerste Grenze des Menschenmöglichen. Als die Deutschen Helmut Keine und Reinhard Karl mit der Pumprisse im Wilden Kaiser die erste offizielle Route im 7. Schwierigkeitsgrad eröffneten, und dabei spezielle Klemmkeile verwendeten, wurde internationale Klettergeschichte geschrieben. Es kam die Diskussion um die Öffnung der Skala in Gang, die auch von Reinhold Messner unterstützt wurde.
Wie sich Kaiserkletterer Peter Brandstätter erinnert, gab es daraufhin einen regelrechten Hype um diese Tour. Manchmal musste man am Wochenende beim Einstieg Schlange stehen. „Heute wird diese Route zwei bis drei Mal in der Saison geklettert“, weiß Bergführer Guido Unterwurzacher. Zusammen mit seinem Kollegen Tom Rabl und den übrigen Bergführern wollen sie jedoch die klassischen Klettertouren im Wilden Kaiser wieder beleben. Vor allem wurde an der ursprünglichen Tour über die „Pumprisse“ nichts verändert, man kann sie heute noch so klettern, wie vor 40 Jahren, als man mit dem ganzen Material „raufgestiefelt“ ist und sich jeden Zentimeter erarbeiten musste. Diese Tour verlangt auch heute noch ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Zudem ist das Klettern im freien Gelände nicht zu vergleichen mit dem Klettergarten.
Mittlerweile ist das Können der Kletterer explodiert und durch die sozialen Netzwerke wird entschieden, welche Klettertouren gerade in sind. Die Bergführer sind sich einig darüber, dass das alpine Klettern auch heute noch mit leichten Touren beginnen muss. Auch wenn Kletterer in der Halle höchste Schwierigkeitsgrade bewältigen, so sagt dies wenig darüber aus, wie sie am Berg zurechtkommen. Kletterhalle, Klettergarten und dann mit den leichten alpinen Touren in die Bergwelt einsteigen – das wollen die Bergführer vermitteln, denn letztlich geht es nicht um bewältigte Schwierigkeitsgrade sondern um das Bergerlebnis. „Die Leute sind heute mit leichten Gradtouren vollkommen überfordert", sagt Unterwurzacher. Vor allem haben sie Probleme mit der Wegfindung. Trotzdem haben viele Berührungsängste mit dem Bergführer. Wer jedoch einmal diese Begleitung genützt hat, der weiß, dass es nicht nur darum geht, jemanden zu haben, der voran geht, sondern, dass der Bergführer während der Tour auch wertvolle Tipps zur Verwendung der Ausrüstung gibt und vieles mehr.
Zum Kletterfestl sind viele Bergsteiger aus nah und fern auf die Wochenbrunner Alm gekommen. Dort oben ist der ideale Ausgangspunkt für viele Klettertouren und Bergwanderungen. Vor dem ersten Weltkrieg wurden bereits die schwierigsten Touren der Alpen im Wilden Kaiser eröffnet und mit der Route „Pumprisse“ erlebte das Kaisergebirge einen weiteren Höhepunkt in seiner Klettergeschichte. Nun geht es darum, das Bergerlebnis wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

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