Gedenkstätte für vier tapfere Tiroler Widerstandskämpfer geweiht

Zahlreiche Gäste nahmen an der Einweihung des Mahnmals auf der Praa-Alm teil.
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WILDSCHÖNAU (flo). "Bitte bringt für mich auf der Praa-Alm, dem schönsten Ort der Welt ein Marterl mit der Bitte zum Gebet an", war der letzte Wunsch von Widerstandskämpfer Walter Caldonazzi aus Kramsach. Diesem Wunsch wurde erneut Folge geleistet: Am 27. August wurde eine neue Gedenkstätte für insgesamt vier Widerstandskämpferoberhalb der Praa-Alm in der Wildschönau gesegnet.
Der Widerstandskämpfer Walter Caldonazzi wurde am 9. Jänner 1945 vom NS-Regime im Landesgericht Wien enthauptet. Zuvor hatte sich der am 4. Juni 1916 im Südtiroler Mals geborene Caldonazzi einer kleinen katholischen Wiener Widerstandsgruppe angeschlossen, die den Alliierten Informationen über deutsche Rüstungswerke lieferte, Flugblätter verteilte und Kriegsgefangenen zur Flucht verhalf. Mithilfe eines Spitzels wurde die Gruppe allerdings enttarnt und Caldonazzi am 25. Februar 1944 verhaftet. Seine Freunde in der Tiroler Heimat entsprachen seinem letzten Wunsch und stellten auf der rund 1430 Meter hoch gelegenen Alm im Wildschönauer Ortsgebiet Auffach bereits 1945 ein kleines hölzernes Kreuz mit Caldonazzis Worten: "O Land Tirol, mein einzig Glück, Dir sei geweiht mein letzter Blick" auf.
"Als Kinder haben wir das alte Kreuz dort schon immer stehen sehen aber wussten nie so recht über seine Geschichte bescheid", erklärte Praa-Alm Besitzer Peter Riedmann. Da die Witterung dem Kreuz in all den Jahren stark zusetzte, wurde es vom Tiroler Forstverein im Jahre 1988 erneuert.

Neuer Platz für die Gedenkstätte
Durch das Heranwachsen der Alm sowie der Forststraße stellte der Standort des Mahnmals allerdings Probleme dar und so setzte sich schließlich Landesforstdirektor i. R. Hubert Kammerlander im vergangenen Herbst mit Peter Riedmann in Verbindung um einen würdigen Platz für eine neue Gedenkstätte zu finden. Dieser wurde auf einer steinigen Wiese am Waldrand oberhalb der Praa-Alm gefunden wo nun ein großes Kreuz mit einer gravierten Tafel an den Mut von Caldonazzi und drei weiterer Tiroler Forstarbeiter die für ihre Überzeugung von den Nationalsozialisten ermordet wurden erinnert.
Zum Mahnmal gehört auch eine Urne in Edelstahl, welcher die Lebensläufe der vier tapferen Männer enthält. Errichtet wurde dieses Denkmal im heurigen Jahr vom Tiroler Forstverein in Zusammenarbeit mit den beiden österreichischen Hochschulverbindungen "K.Ö.H.V. Amelungia Wien" und "K.Ö.ST.V. Cimbria Kufstein" bei welchen Walter Caldonazzi Mitglied war. Feierlich gesegnet wurde die Gedenkstätte am Sonntag, den 27. August von Pfarrer Paul Rauchenschwandtner. Unter den Gästen befanden sich auch einige Nachfahren und Verwandte der Opfer sowie zahlreiche Mitglieder der Hochschulverbindungen "K.Ö.H.V. Amelungia Wien" und "K.Ö.ST.V. Cimbria Kufstein" und des Tiroler Forstvereins. "Dieses Mahnmal ist ein Ort der Hoffnung und erinnert an vier starke Männer die ihrer Überzeugung bis in den Tod treu blieben", betonte Pfarrer Rauchenschwandtner nachdem er die Gedenkstätte segnete.

Zu den drei anderen Widerstandskämpfern:
Mit 56 Jahren war der am 11. März 1884 in Innsbruck geborene Oberforstwart Karl Mayr das älteste Opfer. Der in Baumkirchen lebende Vater von acht Kindern machte nie ein großes Geheimnis aus seiner oppositionellen Haltung gegenüber des NS-Regimes. So weigerte er sich auch strikt seine Söhne der Hitlerjugend beitreten zu lassen. Dies führte schließlich dazu, dass ihn NS Kreisleiter Max Primbs am 11. Oktober 1939 verhaften und zur Gestapo ins Innsbrucker Polizeigefängnis bringen ließ. Trotz zahlreicher Interventionsversuche wurde der Familienvater im Dezember ins KZ-Sachsenhausen überstellt, wo er am 27. März 1940 angeblich an Herzschwäche verstarb.
Nachdem der am 24. Juni 1896 in tschechischen Prerau geborene Viktor Czerny im Juni 1944 von der Wehrmacht krankheitsbedingt beurlaubt wurde, arbeitete er wieder als Forstmeister in Ried im Oberinntal. Er war federführend beim Aufbau einer Widerstandsgruppe im dortigen Gerichtsbezirk beteiligt und bereitete unter anderem am 24. April 1945 einen Boykott für die Einziehung neuer Rekruten vor. Nur wenige Tage darauf war er an der Übernahme eines für die Wehrmacht bestimmten Provianttransports beteiligt, welchen die Widerstandskämpfer dem Lazarett in Zams sowie der Zivilbevölkerung zur Verfügung stellten. Nachdem die Parteistellen in Ried und Landeck auf die Widerständler aufmerksam wurden, wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 Czernys Wohnhaus von 30 Soldaten umstellt. Dieser befand sich am Wochenbett seiner Frau, die nur wenige Tage zuvor ihren zweiten Sohn entbunden hatte und wurde beim Fluchtversuch erschossen.
Mit 27 Jahren war Ferdinand Eberharter aus Kaltenbach im Zillertal das jüngste Opfer. Nachdem er im Jahre 1942 in Norwegen verwundet wurde, begann Eberharter ein Studium für Forstwirtschaft an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, welches er im März 1945 überraschend abbrach. Bereits 1944 hatte der bekennende NS Gegner Kontakt mit der Tiroler Widerstandsbewegung und war 1945 bei der Befreiung Innsbrucks aktiv beteiligt. Weiters erhielt er den Auftrag die von der SS beabsichtigte Sprengung der Schwazer Innbrücke zu verhindern. Nachdem er am Abend des 2. Mai noch seinen Onkel in Kaltenbach besuchte und trotz dessen eindringlichen Rat nach Schwaz fuhr, um beim dortigen Gendarmerieposten Beobachtungen anzustellen, wurde er dort vom Splitter einer Handgranate tödlich getroffen. Wer sie warf und warum ist bis heute unklar.

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