11.10.2017, 07:00 Uhr

Olympia-Botschafter Hermann Lindner im Interview: "Wir sind ein Sportland!"

"Da wird es keine bessere Werbung für unser Land geben", sagt Hermann Lindner.

Die BEZIRKSBLÄTTER befragten Olympia-Botschafter und Firmenchef Hermann Lindner aus Kundl zum Thema Olympia-Bewerbung.

KUNDL (bfl). Am 15. Oktober soll die Bevölkerung in Tirol darüber entscheiden, ob sich das Land als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2026 bewerben soll. Was aber hätte der Bezirk Kufstein davon? Hermann Lindner, Firmenchef bei Lindner Traktoren in Kundl, ist Olympiabotschafter und ein prominenter Vertreter der Pro-Olympia-Bewegung, die vom ÖOC unterstützt wird. Er stand den BEZIRKSBLÄTTERN zum Thema Olympia-Bewerbung Rede und Antwort.

Bezirksblätter: Herr Lindner, wie sind Sie zum Olympiabotschafter geworden?
Hermann Lindner:
Eigentlich bin ich angefragt worden. Ein Hauptgrund ist auch, dass ich Obmann der Sparte Industrie bin und deshalb wollte ich mich auf jeden Fall dafür einsetzen.

BB: Welche Aufgaben haben Sie als Olympiabotschafter zu erfüllen?
Lindner:
Das wichtigste für mich war, dass man auch in der Firma ein bisschen sensibilisiert. Wir haben in der Firma darüber gesprochen und ich habe selbstverständlich auch etwas Informationsmaterial zur Verfügung gestellt. Wir waren auch am Bergisel und haben uns dort genaustens informiert.

BB: Was hat Sie dazu bewegt Olympiabotschafter zu werden? Warum setzten Sie sich für Olympia ein?
Lindner:
Ich bin einfach davon überzeugt, dass es eine enorme Chance ist, wenn wir zum dritten Mal eine Winterolympiade bei uns in Tirol durchführen können. Wir sind ja auch ein Sportland. Ich glaube, dass diese Werbebotschaft durch die Olympiade am besten nach außen getragen werden kann. Da wird es keine bessere Werbung für unser Land geben.

BB: Was zeichnet Tirol als Bewerber Ihrer Meinung nach besonders aus?
Lindner:
Ich glaube schon, dass wir uns als Tiroler als die Wiege des Wintersports bezeichnen dürfen. Deswegen gefällt mir auch, dass der Arlberg eingebunden ist mit Sportstätten. Skifahren verbindet man einfach mit Tirol und da ist sicherlich der Arlberg und die ganze Skischulausbildung, die es in Tirol gibt, ein wesentlicher Punkt. Ich glaube, dass das ein großer Vorteil ist.

BB: Im Bezirk Kufstein befinden sich ja keine Sportstätten, die für die Austragung ausgewählt wurden. Welche Auswirkungen hätte eine erfolgreiche Bewerbung also für den Bezirk?
Lindner:
Dadurch, dass das auf verschiedene Sportstätten aufgeteilt ist, liegt die Herausforderung in der Logistik. Aber da hat man ja schon mit der Weltmeisterschaft in St. Anton gezeigt, dass es Möglichkeiten gibt und das sehe ich auch in Hochfilzen so.
Da ist gerade Tirol als Veranstalter von großen Wintersportereignissen vorbereitet, die Leute wissen wie man damit umgeht. Eventmanagement wird nicht nur unterrichtet an der Universität sondern wir wenden das auch dementsprechend an. Ich bin überzeugt, dass man das auch im Bezirk Kufstein sehr moderat durchführen wird.
Selbstverständlich strahlt so etwas natürlich für den Tourismus und für die Auslastung der Hotellerie im Bezirk ganz besonders aus.

BB: Welche negativen Auswirkungen könnten sich daraus ergeben?
Lindner:
Befürchtungen sind immer wenn so Großereignisse sind, dass da enorme Kosten auf die Allgemeinheit zukommen. Dadurch, dass wir die Sportstätten schon auf einem sehr hohen Niveau haben, glaube ich aber, dass die Kosten überschaubar sind. Landeshauptmann Günther Platter hat ja hier das Ziel, dass das ohne Kosten für das Land Tirol durchzuführen ist. Also sehe ich eigentlich keine großen Negativen Auswirkungen.

BB: Gerade in Kufstein kämpft man mit einem massiven Verkehrsproblem. Gebe es da nicht gerade deswegen Bedenken ob die Durchführung organisatorisch unproblematisch ist?
Lindner: 
Ich glaube man darf das nicht überschätzen. Die Großereignisse finden ja nicht alle zum gleichen Zeitpunkt statt. Wenn die jetzt auf eine Region aufgeteilt sind, wo auch Südtirol und auch Garmisch etwas dazu beiträgt, dann glaube ich ist das sehr ausgewogen aufgeteilt. Selbstverständlich wird da schon etwas los sein bei uns. Es werden aber die Einschränkungen sicher nicht schlimmer sein, als das heute bei einem Skirennen in Kitzbühel sein wird.
Es teilt sich auf und ich glaube wir sind einfach in der Lage, dass wir solche Großereignisse managen können.

BB: Was ist aber mit der Gefahr von Terror und den hohen Sicherheitsauflagen, die eine solche Veranstaltung mit sich bringt?
Lindner:
Ich glaube, dass Tirol sogar von der Sicherheitsseite her einen Vorteil hat, weil die Überwachung der Zufahrtsmöglichkeiten zu den Sportstätten einfach durch die Topografie schon etwas besser ist. Wir dürfen nicht unterschätzen, dass wir bereits bei den laufenden Großereignissen die Sicherheit sehr hoch gestellt haben. Da habe ich eigentlich ein gutes Vertrauen in unsere Exekutive. Aber es wird da natürlich die entsprechenden Konzepte brauchen.

BB: Ein Hauptargument bei der Bewerbung Tirols war ja das Ziel nachhaltige Spiele zu veranstalten. Wie ist hier die Kosten-Nutzen Rechnung und was für ein Nutzen würde dem Bezirk Kufstein bleiben?
Lindner:
Man muss natürlich schon sagen, dass da auf der Umsatzseite und von dem was mit so ein Großereignis bewegt wird, enorme Einnahmen für das Land Tirol da sind. Das finanziert sich selber.
Sehen Sie hier nicht die Gefahr, dass die Kosten am Ende um einiges höher sind als ursprünglich angenommen?
Es ist dies sicherlich die große Herausforderung, dass wir da die Kosten im Griff haben. Es wird sicher eine Adaptierung verschiedener Sportstätten notwendig sein, aber ich sehe das als Vorteil wenn unsere Sportstätten auf den letzten Stand gebracht werden. Die Bedingungen, die vom Landeshauptmann an das IOC gestellt werden, die sind genau formuliert. Wenn die eingehalten werden, dann glaube ich haben wir eine gute Möglichkeit das mit überschaubaren Kosten in diesem Rahmen abzudecken.

BB: Wie schätzen Sie die Stimmung im Bezirk Kufstein momentan ein?
Lindner: 
Man muss das vielleicht ein bisschen differenziert sehen. Viele Leute sagen es ist noch sehr weit weg, das kann man jetzt noch gar nicht genau abschätzen. Sportbegeisterte und Sportler sind natürlich dafür.

BB: Wie glauben Sie wird die Volksbefragung am 15. Oktober ausfallen?
Lindner: 
Ich hoffe, dass viele abstimmen gehen. Schlussendlich entscheiden die Tirolerinnen und Tiroler dadurch, ob wir uns bewerben sollen Ja oder Nein.

BB: Welche Chancen auf einen Erfolg hätte Tirol bei einer tatsächlichen Bewerbung?
Lindner:
Ich hoffe natürlich als Tiroler, wo wir schon zeigen haben können, dass wir zwei Olympiaden abgewickelt haben, dass auch die dritte Olympiade da bei uns durchgeführt werden kann. Wir liegen sehr zentral, wir sind eine Hochburg des Wintersports und deshalb glaube ich schon, dass die Chancen sehr gut sein werden. Aber das ist natürlich eine sehr subjektive Sicht. Es werden sich natürlich auch andere bewerben und darum kämpfen.
Ich glaube wir sollten uns auf die positiven Aspekte einer Olympia-Bewerbung und der Durchführung der Winterspiele hier in Tirol konzentrieren und – wenn es uns gelingen sollte, dass wir den Zuschlag erhalten – das Beste aus dieser Veranstaltung machen. Ich glaube es ist für alle Tirolerinnen und Tiroler auch längerfristig eine positive Auswirkung von Bekanntheit und von Auslastung. Das Wesentliche ist schon, dass wir Tirol wieder als Sportland in den Mittelpunkt stellen.


Mehr zum Thema "Olympia 2026" finden Sie auch hier: https://www.meinbezirk.at/themen/olympia-2026.html
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