25.03.2015, 13:44 Uhr

Dieser Niederösterreicher verdient Millionen mit Cannabis-Zucht

Geschäftsmann Alexander Kristen baut in seiner Firma "flowery field" legal Marihuana an - und verdient damit ein kleines Vermögen. Mit Video!

Herr Kristen, Sie betreiben eine Pflanzenzucht?
Wir produzieren in Brunn am Gebirge Zierpflanzen, haben drei Geschäfte in Wien und Niederösterreich.

Diese Zierpflanzen sind besonders, ich kenne sie als "Gras", korrekt auch Cannabis sativa genannt. Ist das legal was sie tun?
Ja, in Österreich ist es lagal, solange die Pflanze nicht blüht. Im §27 des Suchtmittelgesetzes steht: „Der Anbau von Cannabis ist verboten zwecks Gewinnung eines Suchtgiftes." Dazu gibt es die Suchtgiftverordnung, die genau definiert, was ein Suchtgift ist. Und da steht in der Anlage 1: „Cannabis ist ein Suchtgift, ausgenommen sind die nicht mit Blüten vermengten Blätter und Samen der Pflanze."

Also solange diese Grasstaude nicht blüht, ist es legal sie zu züchten?
Ja.

Das war aber nicht immer klar. Sie haben einen Prozess geführt und gewonnen.
Ja, insgesamt wurde ich vier mal von der Kriminalpolizei angezeigt: 2004, 2005, 2006 und 2015. Das letzte Verfahren ist also relativ frisch, jetzt hab ich das erste mal von einem Oberlandesgericht die Bestätigung, dass diese Zucht wie ich sie betreibe legal ist. Man muss dazu sagen, das ist beleuchtungsabhängig. Die Pflanze blüht nicht, wenn sie 18 Stunden lang durchgehend beleuchtet wird. Das ist bei mir über Zeitschaltuhren geregelt. Dadurch wird gewährleistet, dass sie niemals blühen kann.

Sie stehen auf dem Standpunkt, sie verkaufen es als Zierpflanze und der Kunde muss dann selbst drauf aufpassen, dass sie nicht zu blühen beginnt?
Wir weisen natürlich im Geschäft darauf hin, dass die Pflanzen nicht zu einem Gesetzwidrigen Zweck verwendet werden dürfen.

Wir reden bei Ihrer Firma ja nicht von einem Kellerloch. Das ist ein riesiger Betrieb. Sie haben 30 Angestellte...

Ja, 30 Angestellte, mehrere tausend Quadratmeter Fläche, einerseits für die Produktion der Hanfpflanzen, andererseits für den Verkauf.

Ein gewaltiges Ausmaß. Wieviel Umsatz machen Sie im Jahr?
Es sind schon mehrere Millionen Euro im Jahr.




Laut Schätzungen gibt es 800.000 Cannabis-Konsumenten in Österreich. In Europa sollen es 77 Millionen sein. Es ist ein enormer Wirtschaftszweig der brach liegt. Macht die Prohibition da Sinn?
Meine Privatmeinung ist, dass dasVerbot veraltet ist. 1962 hat die UNO Cannabis als Suchtgift deklariert, das wurde dann von den Mitgliedsstaaten übernommen, in Österreich wurde Cannabis Mitte der 60er Jahre verboten. Tausende Jahre davor gab es nie ein Verbot.

Hanf wurde und wird ja auf Feldern angebaut, weil es ein guter Rohstoff ist, etwa für Stoffe oder Papier. Hat der Hanf, der jetzt auf Feldern angebaut wird, kein „THC" also keinen Wirkstoff?
Nicht mehr als 0,3 Prozent. Das ist eigentlich der genmanipulierte Hanf. Genmais wollen wir nicht, beim Hanf haben wir es.

Wieviel THC ist in Ihren Pflanzen?
In meinen Pflanzen ist noch kein THC. Es entsteht wirklich erst mit der Blütenbildung.

Wenn sich jemand jetzt ein Blatt Ihrer Pflanze in eine Zigarette bröselt, was passiert?
Er kriegt vielleicht eine Düngervergiftung. Erst wenn sie blühen würde, wär THC drinnen.

Man geht davon aus, dass nur die Verfolgung von Cannabis-Konsumenten den österreichischen Behörden 100 Millionen Euro im Jahr kostet. Im Gegenzug könnte eine Besteuerung legaler Hanfprodukte einen dreistelligen Millionenbetrag einbringen.
Rechnen Sie mit einer Legalisierung?

Der erste Schritt wird sein, dass es für medizinische Zwecke freigegeben wird. In Amerika wurde in Californien 1996 die medizinische Nutzung zugelassen. 2013 wurde im ersten Bundesstaat auch der normale Gebrauch von Cannabis legalisiert. Dazwischen liegen fast 20 Jahre. Synthetisches Cannabis ist ja bereits zugelassen. Das darf ein Arzt verschreiben. Aber die Cannabis-Blüte darf nicht verschrieben werden. Das gilt als Suchtgift. Ich glaube das wird sich relativ rasch ändern. Danach rechne ich mit einem Zeitraum von zehn Jahren, bis die allgemeine Legalisierung stattfindet. Das Problem ist, dass man 40 Jahre den Leuten erklärt hat, dass es so hochgefährlich ist. Und auf einmal soll man es legalisieren.

Ich kenne Leute, die den Konsum übertrieben haben und medizinische Schäden davongetragen haben. Ist es wirklich so harmlos?
Es ist wie bei jeder Droge: Die Dosis macht das Gift. Wenn ich um zehn in der Früh aufsteh und mir ein Bier reinhau, ist das auch nicht förderlich für die Gesundheit. Ich glaube dass ein Verbot nur Geld verbrennt und sonst garnix bringt. Wichtig wäre Prävention, Aufklärung, die schon in den Schulen beginnt. Drogen gibt es und hat es immer in unserer gesellschaft gegeben. Man muss die Leute auf die Gefahren hinweisen. Etwa bei Zigaretten passiert das.

Es wird behauptet Cannabis sei eine Einstiegsdroge.
Einstiegsdrogen sind für mich Alkohol und Zigaretten. Jeder der Heroin spritzt hat nicht mit Cannabis angefangen, sondern mit Zigaretten oder Alkohol.

Sie glauben nicht, dass Sie mit Ihrem Betrieb die Drogensucht in Österreich fördern?
Nein, weil wir ja Zierpflanzen verkaufen.

Sie sind mit diesen Zierpflanzen im Auto zum Interview gekommen. Sie riechen sehr aromatisch. Was hätten Sie bei einer Verkehrskontrolle gesagt?
Dass ich einen Betrieb habe und diese Pflanzen produziere. Mittlerweile ist es auch kein großes Problem mehr, denn die Polizisten kennen inzwischen die Rechtslage. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, war das noch anders. Da habe ich jeden Polizisten immer wieder erklären müssen, dass es eigentlich legal ist. Und die haben es nicht geglaubt.

Auch Ihren Kunden kann nichts passieren, wenn sie im Auto die Stauden heimführen.
Nein, solange sie nicht blühen. Mit blühenden Pflanzen schon, mit diesen würde ihm nix passieren.

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