10.11.2016, 08:32 Uhr

Neue Farmer für die Kornkammer Südafrikas

Agrarlandesrat Max Hiegelsberger mit zwei Landwirtschaftsstudenten aus der Weinregion Stellenbosch bei Kapstadt.

Oberösterreich und die Provinz Westkap intensivieren ihre Kooperation. Ab 2018 sollen südafrikanische Landwirtschaftsschuler in OÖ die Schulbank drücken.

OÖ/SÜDAFRIKA (tk). „Better together“ ist der Leitsatz des Westkaps, der wirtschaftlich stärksten Provinz Südafrikas. Nach Apartheid und Rassentrennung setzt die südafrikanische Politik seit 1994 auf Inklusion und Kooperation. So weit zumindest der Anspruch. Die Realität sieht anders aus. Slums, Armut, mangelnde Bildung, ungleiche Landverteilung, Kämpfe um Ressourcen und eine gigantische Arbeitslosigkeit. Alleine in Westkap sind mehr als 20 Prozent der Einwohner ohne Job. Und das ist nur die offizielle Statistik. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

Derzeit kämpft man vor Ort nicht nur mit den ungelösten sozialen Verwerfungen, die in der Apartheid fußen, sondern ebenso mit dem Klimawandel. Hitzeperioden und heftige Überschwemmungen wechseln sich ab. Derzeit hat eine der heftigsten Dürren der letzten Jahrzehnte Südafrika fest im Griff. Die Sensibilität für die Auswirkungen der Klimaveränderungen ist am Kap aber ungleich größer als in Europa: "Wie sich Südafrika mit dem Klimawandel auseinandersetzt ist hochinteressant", sagt der oberösterreichische Agarlandesrat Max Hiegelsberger (ÖVP). Ein Beispiel: Neben präzisen Wassersparplänen der Provinzregierung gibt es eine App, die detailliert Daten zum Wasserverbrauch in den einzelnen Regionen listet. Kooperationspartner des Kartensystems: Das OÖ-Katastersystem mit dem Namen "Doris".


Partnerschaft seit 20 Jahren
Die Provinz Westkap ist gleichzeitig die Kornkammer des Landes: Ein Viertel der Agrarproduktion Südafrikas kommt von dort: Milch, Früchte, Fleisch, Getreide, Obst und Wein. Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sind mit Industrie, Tourismus sowie dem Finanz- und IT-Sektor die wichtigsten Wirtschaftszweige.

Mit Oberösterreich verbindet Westkap eine 20-jährige Partnerschaft, die ab 2018 auf ein neues Level gehoben wird. In zwei Jahren sollen erstmals südafrikanische Landwirtschaftsschüler in Elmberg und St. Florian die Schulbank drücken.
Acht Schüler werden im Sommersemester 2018 „Agriculture made in OÖ" in den heimischen Landwirtschaftsschulen erleben. Für 2019 ist der Gegenaustausch eingetaktet. Um diese neue Kooperation in die Wege zu leiten, unterzeichneten Agrarlandesrat Max Hiegelsberger und sein Westkap-Pendant Alan Winde am 8. November in Kapstadt ein "Memorandum of Understanding".

Südafrika als Exportmarkt
„Dieser Austausch soll ein Benefit für beide Seiten sein. Und wir hoffen, dass sich die Zusammenarbeit in anderen Bereichen intensiviert“, so Hiegelsberger.
So will man aus der neuen-alten Freundschaft mit Westkap auch wirtschaftlich Kapital schlagen: „Es gibt eine wachsende Mittelschicht, die zunehmend konsumorientiert ist und Qualität zu schätzen weiß. Somit ist Südafrika als Exportmarkt für heimische Lebensmittel und Produkte interessant“, so Hiegelsberger. Zudem sei das Land am Kap als Hub für weitere afrikanische Märkte höchst interessant. So beliefert etwa der oberösterreichische Kornspitz- und Backwarenhersteller Backaldrin zahlreiche lokale Supermarktketten und expandiert von Südafrika aus in weitere afrikanische Länder südlich der Sahara.

Kurz-Interview mit dem Abteilungsleiter für Land- und Forstwirtschaft, Hubert Huber (Land OÖ), über die Kooperation zwischen OÖ und Westkap:


Wie werden Oberösterreich und Westkap kooperieren?
Ab 2018 wird es einen Schüleraustausch geben. Acht Jugendliche aus Südafrika kommen für das Sommersemester nach Oberösterreich in die zwei Landwirtschaftsschulen Elmberg und St. Florian.

Was können die zwei Regionen voneinander lernen?
In Oberösterreich ist die landwirtschaftliche Ausbildung vorbildlich, die Schüler lernen in der Praxis landwirtschaftliche Fähigkeiten und erhalten auch eine wirtschaftliche Ausbildung. In Südafrika ist das nicht so ausgeprägt. Dieses System können wir sicher unseren Partnern am Westkap intensiver vermitteln.

Wie unterscheidet sich Oberösterreich Agrarsektor von dem in Südafrika?
In Südafrika bieten Farmer vielerorts ein Erlebnis – so gibt es etwa zur Weinverkostung einen Sonntagsbrunch. In diesem „Marketingbereich“ ist in Oberösterreich noch viel Potenzial da.

Weitere Artikel zur Delegationsreise nach Südafrika:

Südafrikanisches Pinzgauer-Beef aus Österreich für die wachsende Mittelschicht

Südafrika und Oberösterreich: "Wir wollen von anderen lernen"

Brot und Kornspitz für das Land am Kap
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.