100 Jahre ist die verheerende Brandkatastrophe in Zams her - der alleinstehende Kirchturm erinnert noch heute daran

Am 11. August 1911 brannten in Zams 45 Wohnhäuser, Kirche und Pfarrwidum ab, nur der Kirchturm blieb stehen
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  • Am 11. August 1911 brannten in Zams 45 Wohnhäuser, Kirche und Pfarrwidum ab, nur der Kirchturm blieb stehen
  • Foto: Archiv Ortschronist Steinwender Emmerich Zams
  • hochgeladen von Herbert Tiefenbacher

Zams: Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag der Brandkatastrophe

Ein verheerender Großbrand suchte Zams im Jahre 1911 heim. Mit einer Gedenkveranstaltung soll heuer an das schreckliche Ereignis erinnert werden.

ZAMS. Eine Idee ist eine Fotoausstellung zu initiieren. Bgm. Siegmund Geiger motivierte die Gemeinderäte über weitere Ideen nachzudenken.

Das Bezirksblatt stöberte im Archiv des Zammer Ortschronisten Emmerich Steinwender nach Materialien (Foto und Berichte) vom Ereignis und wurde fündig. Nach dieser Chronik ereigneten sich in Zams zwei Großbrände. Der erste von 1763 vernichtete 42 Häuser und beschädigte den Kirchturm. Im zweiten vom 11. August 1911 brannten 45 Wohnhäuser, Kirche und Pfarrwidum ab, nur der Kirchturm blieb stehen und erinnert noch heute an diese Katastrophe.

Der Schaden betrug ca. 1,5 Millionen Kronen; lediglich die Hälfte des Schadens war durch Versicherungen gedeckt; rund 800 Menschen wurden obdachlos.

Zur Brandentstehung ein Originaltext aus der Chronik: „Das Feuer kam gegen 14:45 Uhr im Stadel des Johann Wachterschen Gasthauses auf, wo die Hausleute zur Zeit mit dem Ausdrusch von Roggen beschäftigt waren. Dieses Haus steht im Mitbesitz der Frau Aloisia Walter, Witwe Kohler. Nach Imst war gemeldet worden, dass der Funkenflug einer Lokomotive die Brandursache gebildet habe. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, doch konnte an Ort und Stelle Gewisheit darüber nicht gewonnen werden. Die Wachtersche Magd bemerkte den Brand zuerst auf dem Dachboden im Stadl im Stroh. Sie konnte sich nur mit knapper Not in Sicherheit bringen und trug Brandwunden an Händen und Armen davon. Es herrschte heftiger Nordostwind, der mehrfach umschlug, sodass das Feuer über die anhaltende Trockenheit ausgedörrten Holzdächer sich mit gröster Schnelle verbreitete. Das Johann Wachtersche Gasthaus ist im Bereich der Reichstrase und der Mittergasse. Fünf Minuten nach dem ersten Alarmierungsruf standen schon 3 in verschiedenen Richtungen auseinanderstrebende Gassenteile in Brand. Die Reichsstrase, die Mittergasse und die sogenannte Lehmgrube. Eines der ersten vom Feuer ergriffenen Objekte war die schöne Kirche, welche vollständig ausbrannte, sodass nur mehr die kahlen Mauern emporragen und zusammen mit dem verwüsteten Friedhof ein unsagbar trauriges Bild geben. Der grose weitbekannte Haueische Gasthof stand ebenfalls gleich bei Beginn des Brandes in Flammen“.

Der Wiederaufbau 1912 wurde mit dem Neubau der Kirche begonnen. Sie sollte größer werden, weil sie infolge starken Anwachsens der Einwohnerzahl zu klein wurde. Aufgrund der Größe wurde sie 50 Meter entfernt neu gebaut. Für einen neuen Kirchturm reichte aber das Geld nicht mehr. Man musste sich mit dem guten Vorsatz „Gebaut wird, sobald das Geld vorhanden ist“ begnügen. Errichtet wurde noch das Fundament. Und dabei blieb es – bis heute. Deshalb steht der Kirchturm alleine. Mittlerweile ist der alleinstehende Kirchturm zum Wahrzeichen von Zams geworden.

Fotos aus dem Archiv des Zammer Dorfchronisten Emmerich Steinwender - Danke!

Gerald Kurdoglu Nitsche übermittelte Berichte, die Anny Schöpf aus Zams, für´s ehemalige Landecker Gemeindeblatt verfasste, die das Bezirksblatt Landeck hier gerne wiedergibt:

Der Nachtwächter in Zams

Zu meinen stärksten Kindheitserinnerungen gehört der Nachtwächter. Man musste oft lange warten, bis man sein Singen vernehmen konnte. Für die, die es hören konnten, war es sehr beruhigend. Bei seinem nächtlichen Umgang durchs Dorf sang er dieses Lied: „Ihr lieben Leut, lasst euch sagen, der Hammer, der hat zwölf geschlagen – zwölf ist’s, gebt acht auf Feuer und auf Licht, daß ja kein Unglück gschieht. Gelobt sei Jesus Christ!“. Der letzte Nachtwächter von Zams war das Loisle. So ein Nachwächter war eine angesehene Person. Er hatte eine besondere Uniform an, große Stiefel an den Füßen und war mit einer Hellebarde ausgestattet. Der Nachtwächter `s Loisle hatte auch merkwürdige Erlebnisse wie seine Vorgänger. Eines Nachts ist ihm folgendes passiert. Vom Oberdorf her hörte er ein Pferdegetrappel. Loisl stellte sich in der Mittergasse auf. Da zog eine Menge Schimmel vorbei. Die Reiter darauf waren alle ohne Kopf. Sie zogen durch das Dorf hinunter gegen die Innbrücke. Dort löste sich der Trupp auf. Loisl dachte sich wie seine Vorgänger: Das werden feindliche Reiter sein, die noch von den Tiroler Freiheitskriegen zurückgeblieben waren. Ein ander Mal, als der Nachtwächter Loisl durch die Luamgrube ging, das ist die heutige Klostergasse, rannte eine Menge Schweine an ihm vorbei, sie kamen von Perdann her. Die Schwänze hatten sie hoch in der Luft. Beim alten Freithof waren dann die Perdannfackeln der Reihe nach verschwunden. Solche Erlebnisse gaben dem Loisl viel zu denken.
Anny Schöpf

Brand in Zams 1911

Frau Anna Schöpf aus Zams, Hauptstraße 90, sandte uns (Landecker Gemeindeblatt) auf Grund des in der letzten Nummer veröffentlichten Bildes der Serie „Wie es früher war“ ihre Erinnerungen an diesen denkwürdigen Tag, die wir gerne wiedergeben.

Es war ein sehr heißer Sommer im Jahre 1911. Die Leute sagten oft zueinander: „Es wödelet wieder einmal.“ Der 11. August dieses Jahres wurde ein denkwürdiger Tag für die Zammer. Um die Mittagszeit sah man plötzlich Rauchwolken aufsteigen. Die Leute, die auf den Bergwiesen arbeiteten, meinten es sei der Zug mit der Dampflokomotive, der um diese Zeit nach St. Anton fuhr. Doch, plötzlich sahen sie, dass in den Rauchwolken Feuer aufstieg. Daraufhin stürzten sie voller Entsetzen ins Tal. Die Kirchenglocken läuteten Sturm. Im Dorf herrschte große Verwirrung. Das Feuer griff rasch um sich. Die Glocken hörten auf zu läuten, denn sie schmolzen durch die große Hitze und rannen als flüssige Masse den Turm hinunter. Haus um Haus mit den Holzdächern und Stadeln begannen zu brennen. Die schöne gotische Kirche stürzte ein. In großer Angst und Sorge versuchten die Zammer, das Vieh zu retten und ihre Habseligkeiten aus den brennenden Häusern zu holen. Aber viele liebgewonnene Erbstücke der Familien verbrannten. Wehklagen der Frauen und Schreien der Kinder hörte man im Dorf. Die Feuerwehrmänner taten wohl ihr Bestes, aber es fehlte an den nötigen Behelfsmitteln und Hydranten. Auch Klosterschwestern waren im Einsatz. Sie brachten in Schläuchen Wasser aus dem Inn. Bis in die Morgenstunden loderte das Feuer. Das Dorf wurde zum größten Teil in Schutt und Asche gelegt. Aus den öden Fensterhöhlen blickte das Grauen. 54 Familien waren obdachlos geworden. Die Leute suchten noch tagelang in den Brandruinen nach Hausgeräten.

Das Kloster stand den „Abbrenndlern“ hilfreich zur Seite und tat viel Gutes. Aus ganz Tirol trafen Spenden ein. Dankbar nahm die Hilfe entgegen, zumal man damals kaum versichert war.

Die Brandursache wurde nie ganz geklärt. Man vermutete, dass eine Wohnungsmieterin im Gasthaus Hirschen eine noch glimmende Asche durch den Stadel trug, und dabei das Heu Feuer fing.

Mit dem Aufbau der Häuser konnte erst begonnen werden, als die Grenzen der einzelnen Objekte festgestellt waren. Aus den Trümmern entstand dann durch Müh und Fleiß ein neues Dorf.
Anny Schöpf

Altes und Neues aus Zams

Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts stand in Zams am Stollerangerle, das ist dort, wo heute das Gasthaus Egg steht, ein Bauernhaus, das dem kinderlosen Ehepaar Bunt gehörte. Sie vermachten das Haus u. die dazugehörigen Felder der Gemeinde Zams mit Widmung, für Alte, Obdachlose und Durchreisende zu sorgen. Heute gibt es noch Felder und Wege mit der Benennung „Bunt“. Im Laufe der Zeit erwies sich dieses Haus als zu klein. Da ließ der damalige Dekan Schuler im Jahre 1811 mit eigenen Mitteln seines väterlichen Erbes ein neues Haus erbauen und zwar dort, wo einst der Pestfriedhof war und wo heute das Krankenhaus steht. Freiwillige Helferinnen aus dem Dorf übernahmen die Pflege. Die Landesregierung trat dann an den Dekan Schuler mit der Anregung heran, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, die die Pflege im Krankenhaus übernehmen sollte. Dekan Schuler entsandte seine Verwandte Katharina Lins nach Straßburg, die Ordensregel im Sinne des hl. Vinzenz von Paul kennen zu lernen. Sie legte dort das Gelübde ab und war die erste Generaloberin im neu gegründeten Kloster Zams. Die Mädchen, die ihr zur Seite standen, traten gleichfalls in den Orden ein. Da das Spital für die Klostergemeinschaft zu klein wurde, musste man unterhalb des Spitals im Jahre 1825 ein neues Gebäude errichten, wo die Schwestern untergebracht wurden. 1870 zerstörte ein Brand das erste Gebäude. Es wurde an derselben Stelle wieder aufgebaut.

Die Schwestern vom hl. Vinzenz machten es sich zur Aufgabe, die Pflege in Altersheimen und Spitälern zu übernehmen, behinderte Kinder zu betreuen und in Schulen und Kindergärten zu unterrichten. Im Laufe der Zeit ließ das Kloster das Krankenhaus erweitern und modernisieren und Lehranstalten errichten. Diese Ordensgemeinschaft wirkt nun seit mehr als 150 Jahren zum Wohle der Bevölkerung des Bezirkes u. auch weit darüber hinaus.
Anny Schöpf

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