Interview
Wolfgang Timischl: "Sport war mein Lebensretter!"

Der Sport allgemein und insbesondere das Handbike ist zu einer großen Leidenschaft für Wolfgang Timischl geworden.
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  • Foto: Sport's Life
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SERFAUS (das). Der gebürtige Steirer Wolfgang Timischl sitzt seit einem schweren Skiunfall im Jahr 2010 in seiner Heimatgemeinde Serfaus im Rollstuhl. Er ist vom Bauchnabel abwärts gelähmt. Der Sport und vor allem das Fahren mit seinem Handbike haben ihm eine Perspektive und Halt nach der schockierenden Diagnose gegeben. Im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN spricht er sehr offen über diese schwere Zeit und über seine zukünftigen sportlichen Pläne.
Vorweg betonte Timischl: "Wenn ich dir von meiner Vergangenheit erzähle, dann nicht, weil ich dein Mitleid will, ich will dir nur sagen, warum ich so geworden bin, wie ich bin."

Wie war die erste Zeit nach deinem Unfall?
TIMISCHL: Als ich im Jänner 2010 die Diagnose "Querschnittslähmung" erhielt war dies natürlich ein großer Schock. Schon als es im Krankenhaus Zams hieß, dass ich aufgrund der Schwere der Verletzung in die Klinik Innsbruck geflogen werden musste, wusste ich, dass etwas im Argen lag.

Wie war, die Zeit danach?
Es klingt vielleicht komisch, aber ich war sehr froh, dass ich aufgrund der Distanz in Innsbruck stationär lag. Somit hielt sich der Besuch in Grenzen. Außer meiner Familie wollte ich einfach niemanden sehen.
Man hat in dieser Situation dermaßen mit sich selbst zu kämpfen, dass jedes Mitleid oder auch Trauer von außen, einfach nicht hilfreich, ja sogar kontraproduktiv sind. Es gehen dir dabei wirklich viele Gedanken durch den Kopf. Ich würde jedem in dieser Situation raten, unbedingt einen Psychologen herbeizuziehen. Mir hat damals Dr. Burkhart Huber, mit dem mich mittlerweile eine starke Freundschaft verbindet, einen Platz in Bad Häring besorgt.

Was bedeutet für dich das Reha- Zentrum?
Für mich war Bad Häring der Ort, der mich wieder "aufgerichtet" hat. Ich wüsste nicht, ob ich sonst heute noch hier wäre, es gehen dir in dieser Sitaution wirklich schlimme Gedanken durch den Kopf. Ich war psychisch wirklich sehr labil zu dieser Zeit. Darum ist es wirklich wichtig, dass in dieser Zeit einfach Hilfe da ist.
Die erste Zeit im Reha- Zentrum war wirklich schwer, aber ich habe wieder Freude am Leben gefunden. Auch durch die Gesellschaft mit anderen Leidensgenossen. Leider leben die meisten meiner Zimmerkameraden nicht mehr. Mich hat, neben meiner Familie, wahrscheinlich der Sport gerettet. Er gab mir wieder Hoffnung!

Wie kam es, dass du angefangen hast Sport zu treiben?
Mich hat meine Therapeutin dazu überredet wieder Schi zu fahren. Wie du dir vorstellen kannst, stieß dies am Anfang natürlich auf breite Ablehnung meinerseits, da die Erinnerungen an den Unfall einfach da war. Nichtsdestotrotz habe ich mir einen Schalensitz ausgeliehen und wir haben uns auf den Weg zum Kaunertaler Gletscher gemacht. Die Fahrt zum Gletscher war das Schlimmste überhaupt, die Angst war einfach allgegenwärtig.
Lacht: Am nächsten Tag habe ich mir eine eigene Ausrüstung gekauft. Dies war auch gleichzeitig der Punkt, an dem mir klar wurde, dass der Sport eine Bereicherung für mich sein wird. Was folgte war eine dreijährige Karriere im Kader des ÖSV. Diese habe ich augfrund von Unstimmigkeiten im Verband dann wieder beendet.

Wie kamst du zum "Handbiken"?
Meine erste Berührung mit einem Handbike hatte ich ebenfalls in Bad Häring, anschließend habe ich mein erstes gebrauchtes Bike gekauft. Was folgte war immer mehr Training und längere Touren, dadurch ist das Handbike zu meiner großen Leidenschaft geworden. Gleichzeitig musste ich auch immer wieder erfahren, dass Menschen, die in der gleichen Situation sind wie ich, oft wenig oder keine Unterstützung von offizieller Seite erhalten. Darum habe ich im Jahr 2015 den Verein "Sport's Life" ins Leben gerufen.

Warum habt ihr diesen Verein gegründet?
Der größte Irrglaube besteht darin, dass Behinderte alles von der Krankenkassa bezahlt bekommen. Dies ist absolut nicht der Fall, die Betroffenen kommen teilweise in größte finanzielle Schwierigkeiten. Hier möchte der Verein einfach helfen, dies wurde durch unsere zahlreichen Charity- Touren im In- und Ausland in den letzten Jahren ermöglicht. Dabei kamen immer schöne Spendensummen zusammen.

Welche Pläne hast du für dieses Jahr?
Heuer möchte ich einen Lebenstraum von mir erfüllen und einen Weltrekord aufstellen. Dafür werden wir im Oktober, in der Staffel von insgesamt vier Handbikern, 4000 Kilometer quer durch Australien radeln. Dafür trainiere ich in der Woche ca. 15 Stunden. Einige Einheiten in der Nacht mit kurzer Schlafunterbrechung, danach wieder aufs Bike. Den bisherigen Rekord von 6 Tagen und 10 Stunden von Perth bis nach Sydney wollen wir dabei unterbieten. Dies geschieht im Beisein von Zeugen der "Guinness World Records". Mittlerweile haben wir die Hälfte der Finanzierung durch Sponsoring zusammen, wir würden aber noch ein bisschen Unterstützung benötigen. Natürlich kommt der Erlös wieder einem guten Zweck zugute!

Das Interview führte Daniel Schwarz

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