Landschaftsverschandelung Wind- contra Wasserkraft
Offensichtlich gelten zweierlei Maßstäbe in punkto Landschaft- Verschandelung für Stromerzeugung?
- IMG_3740: Vor 12 Jahren konnte ich im August diese Aufnahme vom INN im Zentrum der Stadt Landeck machen. Bis zum südlich gelegenen Wehr in der Runser Au hatte der Inn eine natürliche Wasserfracht von 89 m³/sec. Hier kamen nur mehr kümmerliche 5 m³ als Restwassermenge an. Beim Ausbau des des Kaunertals wird zwar mehr Wasser aus dem Ötztal zugeleitet, aber alles zusammen wird in der Runser Au bis auf ein Restwasser in einem 2. Triebwasserstollen unter den Venet ausgeleitet! So wird sich der Inn ca. 11 Monate lang im Jahr uns hier zeigen!
- Foto: © by Ing. Günter Kramarcsik
- hochgeladen von Günter Kramarcsik
Am Beispiel der ehemaligen Ill- Werke (heute VKW) ist genauso festzustellen wie am Beispiel Speicherkraftwerk Kaunertal der TIWAG, dass Tiroler Wasser nicht nur für den eigenen Strombedarf gebraucht wird, sondern vielfach für Deutschland und sogar für Europa!
Die Kraftwerke im Montafon (VKW) erzeugen Spitzen- und Regelenergie für das europäische Stromnetz. Ein Großteil des erzeugten Stroms wird beispielsweise an die Energie Baden-Württemberg (EnBW) verkauft.
Allein diese beiden Kraftwerke Kops I + II, welche das Wasser aus dem Kopssee (Tiroler Gemeinde Galtür) abarbeiten, bilden einen riesigen Erzeugungsblock. Das Kopswerk II ist dabei ein extrem leistungsstarkes und regelbares Pumpspeicherkraftwerk.
Die genaue Wassernutzung und die Erträge aus dem Tiroler Wasser waren historisch in den sogenannten Ill- Werkeverträge (unter anderem dem Paznauner Talvertrag) zwischen Vorarlberg und Tirol geregelt.
Die vertraglichen Strombezugsrechte zwischen den Ländern Tirol und Vorarlberg basieren auf einer jahrzehntelangen Historie der Wassernutzung und wurden im Jahr 2007/2008 grundlegend neu geregelt.
Im Jahr 1948 vereinbarten die Länder Tirol und Vorarlberg, Schmelz- und Niederschlagswasser aus dem Tiroler Paznaun- und Verwallgebiet nach Vorarlberg überzuleiten, um die dortigen Großkraftwerke der Ill- Werke anzutreiben.
Als Ausgleich für die Nutzung seiner Ressourcen erhielt das Land Tirol im Tiroler Landesvertrag 1949 ein festes Strombezugsrecht. Dieses betrug ursprünglich 21,77 % des sogenannten „Länderdrittels“ der Ill- Werkeproduktion. Da die Stromproduktion bei Wasserkraftwerken je nach jährlicher Wasserführung (Schmelzwasser und Niederschläge) schwankt, dient dieser Wert als langfristiges, kalkulatorisches Mittel. Durch die Umwandlung der Verträge ab 2007 wird dieser Anspruch heute nicht mehr zwingend als physischer Strom nach Tirol geliefert, sondern weitgehend als wertgesichertes Genussrecht finanziell zwischen den Bundesländern abgegolten.
Lt. KI im WEB ergibt sich nachfolgende Aufteilung:
Die mathematische Aufschlüsselung ergibt sich in Bezug auf das gesamte Regelarbeitsvermögen:
Die Kraftwerke der Ill- Werke nun VKW (insbesondere die Speicherkraftwerke im Montafon) erzeugen in einem durchschnittlichen Jahr insgesamt rund 3.300 GWh Strom.
Das Länderdrittel: Das im historischen Vertrag verankerte Drittel (vorgesehen für den heimischen österreichischen beziehungsweise Vorarlberger Markt) macht davon exakt 1 Drittel aus, also rund 1.100 GWh. Berechnet man nun die vertraglichen 21,77 % aus diesem 1.100 GWh starken Länderdrittel, ergibt dies den Anspruch von ca. 240 GWh.
Anmerkung: das sind nur 7,3% von 3.300 GWh für Tirol!
Diese Strommenge reicht rein rechnerisch aus, um den jährlichen Strombedarf von mind.
60.000 bis max. 70.000 Haushalte komplett abzudecken. Der gesamte Bezirk Landeck hat ~ 17.900 Haushalte.
345.000 Haushalte hat Tirol. Also allein mit dem Wasser aus dem Paznaun- und Stanzertal könnten ca. 20% aller Tiroler Haushalte mit Strom versorgt werden!
Ab 2016 (neuer Vertrag) erhalten die Gemeinden im Paznaun, im Stanzertal, im Sannatal und im Oberen Inntal jährlich 1,2 Million Euro.
KRAFTWERK KAUNERTAL:
Das Kraftwerk Kaunertal (Kraftwerk Prutz) erzeugt in einem durchschnittlichen Wasserjahr rund 660 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr.
Leider gibt es keine feste oder öffentlich bezifferte Strommenge, welche vom Kraftwerk Kaunertal nach Deutschland fließt. Da Strom im europäischen Verbundnetz physikalisch immer den Weg des geringsten Widerstands nimmt, lässt sich der Weg einzelner Elektronen nicht nachverfolgen. Klar ist jedoch, dass das Kraftwerk Kaunertal eine zentrale Rolle für den Stromexport nach Deutschland spielt.
Die Gründe dafür und die Funktionsweise dahinter teilen sich wie folgt auf:
- Die Rolle als europäische "Batterie": Das Kraftwerk Kaunertal erzeugt wertvollen Spitzen- und Regelstrom. Da Deutschland durch den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie hohe Schwankungen im Netz hat, kauft es bei plötzlicher Windstille oder Dunkelheit teuren Spitzenstrom aus alpinen Speicherkraftwerken zu.
- Wirtschaftliche Optimierung: Die Betreiberin TIWAG nutzt das Kraftwerk historisch gezielt für den Stromhandel. Wenn die Strompreise an der Strombörse (z.B. in Deutschland) hoch sind, wird das Wasser im Kaunertal abgelassen, um gewinnbringend Strom zu exportieren.
- Strategische Ausrichtung: Schon in älteren Strategiepapieren (wie dem Optionenbericht im Jahr 2004 der TIWAG) wurden die großen Speicherkraftwerke im Sellrain und Kaunertal explizit für den langfristigen Stromexport vorgesehen.
Kritiker wie der WWF Österreich bemängeln diese Export-Praxis regelmäßig.
Das Argument lautet: Während die TIWAG den Ausbau des Kaunertals offiziell mit der „Sicherung der Tiroler Energieunabhängigkeit“ begründet, fließt der erzeugte Spitzenstrom zu großen Teilen in den internationalen Handel, um die Schwankungen des deutschen Netzes auszugleichen.
Weiterführende Informationen findet ihr hier vom DAV und ÖAV:
So werden zum Beispiel im Genehmigungsverfahren in den zugehörigen Gutachten viele Fakten nicht berücksichtigt, welche sich wegen der Weltklimaerwärmung ergeben, aber die Gutachten sich auf überholte Unterlagen stützen!
Zum Beispiel:
Die Gletscherdaten von 2017 blenden die extremen Veränderungen der jüngsten Jahre aus. Der Gepatschferner hat allein in der Messperiode 2023/24 104 Meter an Länge verloren.
Die Zusammenhänge und komplexen Prozesse zwischen Gletscherschwund, Erwärmung des Permafrosts , zunehmenden Extremwetterereignissen und dadurch resultierenden Naturgefahrenketten (Bergstürze, Flutwellen, Murgänge) werden nicht berücksichtigt.
Dies alles unter der Tatsache, dass diese Ereignisse uns schon längst heimgesucht haben!
Vor allem der beabsichtigte Ausbau in Salamitaktik des Kaunertal- Kraftwerks führt am Ende dazu, dass eine ganzheitliche Prüfung im Rahmen der UVP verunmöglicht wird!
Für den umstrittenen Ausbau des Kraftwerks Kaunertal (Gepatschspeicher) soll Wasser aus zwei Haupttälern (dem Ötztal und dem Platzertal) entzogen und abgeleitet werden. Insgesamt sind vom Projekt aber drei Talschaften (inklusive des Kaunertals) betroffen!
Im Ötztal: Das Projekt sieht vor, bis zu 80 % des Wassers aus vier ökologisch wertvollen Gletscherflüssen im hinteren Ötztal (u.a. der Venter und Gurgler Ache) auszuleiten und durch unterirdische Stollen in den Gepatschstausee zu leiten.
Im Platzertal: Der dortige Platzerbach soll gestaut werden, um ein neues Becken (Pumpspeicherkraftwerk) zu errichten.
Was wird zerstört?
- Vernichtung von Hochmooren im Platzertal! Es beherbergt eines der größten, fast unberührten hochalpinen Moor-Feuchtgebiete Österreichs. Durch die Flutung für den neuen Speichersee werden bis zu 21 Hektar wertvolle Moor- und Feuchtgebietsflächen unwiederbringlich zerstört und unter Wasser gesetzt.
- Landschaftsverbauung: Ein gigantischer, 120 Meter hoher und 660 Meter breiter Staudamm wird mitten in die unberührte alpine Landschaft gesetzt.
- Lebensraumverlust: Alpine Tierarten wie das Murmeltier oder das Alpenschneehuhn verlieren durch die Großbaustelle und die Flutung ihren intakten Rückzugsort.
- Das „Ersäufen“ (die dauerhafte, tiefe Überstauung) eines intakten Hochmoores im Ausmaß von ca. 21 ha wie beim geplanten Speicher Platzertal hat irreversible, fatale Folgen für das Klima und die regionale Biodiversität.
- Entgegen der Annahme, dass mehr Wasser einem Moor nützt, zerstört eine tiefe Überflutung das Ökosystem komplett!
- Platzertal wird vom CO2- Speicher zur Methanpompe! Ein intaktes Hochmoor wächst über Jahrtausende und entzieht der Atmosphäre aktiv CO₂. Unter Wasser stirbt die torfbildende Vegetation (Torfmoose) sofort ab; die CO₂-Zersetzung stoppt zwar, aber es wird kein neues Gas mehr gebunden.
- Durch den vollständigen Luftabschluss unter einer tiefen Wasserschicht zersetzt sich organische Biomasse am Grund anaerob (ohne Sauerstoff). Dabei entstehen enorme Mengen an Methan (CH₄). Methan ist als Treibhausgas über einen Zeithorizont von 20 Jahren mehr als 80-mal klimaschädlicher als CO₂.
- Verlust der Artenvielfalt (Biodiversität): Hochmoore sind extrem saure, nährstoffarme Lebensräume. Die dort lebenden, hochspezialisierten Pflanzen- und Tierarten (z. B. Sonnentau, Torfmoose, seltene Libellen- und Schmetterlingsarten) können nirgendwo anders überleben und sterben lokal vollständig aus.
- Ein überstautes Moor verwandelt sich in einen biologisch toten Stauboden. Selbst bei einer theoretischen Entleerung des Sees nach Jahrzehnten ist das ursprüngliche Moorökosystem mechanisch und chemisch vernichtet.
- Intakte Hochmoore können bis zum 30-Fachen ihres Trockengewichts an Wasser speichern. Sie funktionieren in den Bergen als natürlicher Hochwasserschutz, indem sie Starkregen wie ein Schwamm aufsaugen und in Trockenperioden sauberes Wasser langsam abgeben.
- Verlust der Filterleistung: Moore filtern Schadstoffe und reinigen das Wasser. Diese natürliche Klärfunktion für das lokale Ökosystem geht komplett verloren.
- In Österreich sind bereits 90 % aller ursprünglichen Moore zerstört (lt. WWF)! Der weitere Verlust von ca. 21 ha intakter alpiner Moorfläche wiegt ökologisch besonders schwer!
- Abschließend sei noch festgehalten, dass unter Einbeziehung aller bestehenden und noch geplanten Kraftwerke ein schwerwiegender nachteiliger Einfluss auf die Gewässerökologie im Inn des Oberinntals entsteht!
Die Erweiterung des Kaunertalkraftwerks beeinflusst die Gewässer im Oberinntal, allen voran den Inn und seine Zuflüsse massiv durch veränderte Abflussmengen, künstliche Wasserstand- Änderungen und massive ökologische Verschiebungen.
- Bei einem Spitzenstrombedarf wird stoßartig eine enorme Menge Wasser turbiniert und in den Inn geleitet (Schwall). Bei geringem Bedarf stoppt der Fluss abrupt (Sunk).
- Strandungsrisiko für Fische: Durch den geplanten Ausbau zu einem deutlich größeren Pumpspeicherkraftwerk nimmt die Dynamik dieser künstlichen Pegelsprünge weiter zu. Der Wasserspiegel des Inns kann sich mehrmals täglich rasant heben und senken. Dies führt dazu, dass Jungfische und Kleinstlebewesen (Makrozoobenthos) bei Sunk am Ufer stranden und austrocknen.
- Zerstörung von Laichplätzen: Die Erschütterungen und die starke Strömung schwemmen den Kies und damit die Laichplätze von bedrohten Fischarten wie der Innäsche weg.
- Kümmerliche Restwasserstrecken entstehen vor allem auch im Ötztal: Da aus den großen Ötztaler Zuflüssen (wie Venter und Gurgler Ache) bis zu 80 % des Wassers abgefangen und direkt in den Gepatschstausee im Kaunertal umgeleitet werden, kommt im Inn (in der Imster Schlucht) deutlich weniger natürliches Gebirgswasser an.
- Verlust der Selbstreinigungskraft: Die betroffenen Bäche führen im Oberlauf extrem wenig Wasser. Dadurch sinkt die Fähigkeit der Flüsse, Schadstoffe und natürliche Sedimente abzutransportieren, was die Wasserqualität im weiteren Verlauf des Oberinntals negativ beeinflusst.
Eine Stauraumspülung dient dazu, ein Wasserkraftwerk von abgelagerten Sedimenten (wie Sand, Schlamm und Kies) zu befreien, um das Speichervolumen zu erhalten und die Blockierung von Sicherheitsablässen zu verhindern. Für die flussabwärts gelegene Gewässerökologie, wie das Oberinntal im Falle des Kaunertal- Kraftwerks bedeutet das kontrollierte Ablassen dieser Schlamm- und Feinsedimentmassen jedoch eine extreme ökologische Belastung.
Anmerkung: dieser Artikel stützt sich auf Recherchen von KI im Web.
Pressekonferenz des Tiroler Raftingverbandes und Darstellung der Wertschöpfung des Wassersports!
Hier findet ihr einen 10 Minuten- Film vom DAV + ÖAV zum Problemprojekt Ausbau Kaunertal!
Hier findet Ihr die WWF- Petition: Platzertal bleibt! Stoppt den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal
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