09.11.2016, 15:20 Uhr

ÖBB trifft Vorsorge: Heiße Weichen, starke Pflüge und Kehrmaschinen

Mit dem railjet auch bei Schneefall und Kälte bequem unterwegs – viele Vorsorgemaßnahmen sollen den Zugbetrieb trotz Schnee garantieren (Foto: ÖBB)

Der Winter in Westösterreich zeigt seine ersten Vorboten und auf höher gelegenen Bahnstrecken sind die ersten Schneeflocken gefallen. Für größere Schneemengen müssen vor allem für die Schienenwege auf den Gebirgsstrecken intensive Vorbereitungen getroffen werden – Beheizte Weichen, PS starke Schneepflüge und Kehrmaschinen auf Schienen sollen bei den ÖBB für freie Verkehrswege sorgen.

BEZIRK LANDECK: Der Wintereinbruch in Westösterreich hat begonnen und die Verantwortlichen der ÖBB haben sich insbesondere auf den gebirgigen Strecken sehr gut auf die angesagte Wettersituation vorbereitet. Dabei arbeitet der ÖBB Winterdienst bundesländerübergreifend: Die Teams werden dort eingesetzt, wo Mitarbeiter benötigt werden. In den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg hat das ÖBB Streckennetz eine Länge von über 800 km (106 km in Vorarlberg, 459 km in Tirol, 246 km in Salzburg. Mit der Karwendel-, Brenner- oder Arlbergbahn sowie der bekannt schneereichen Strecke durch das Brixental über Hochfilzen bis nach Saalfelden oder von Salzburg über den Tauern nach Kärnten gibt es einige „Hotspots“ welche die Streckenverantwortlichen jedes Jahr vor Herausforderungen stellen. Was das Salzstreuen auf der Straße, das ist auf der Schiene das Beheizen der für den Zugbetrieb so wichtigen Weichenverbindungen. Österreichweit sind rund 11.000 Weichen (von insgesamt 15.000) mit Weichenheizungen ausgestattet, allein in Tirol sind es rund 1.000. Wenn Schnee, Eis und Kälte wichtige Weichenverbindungen lahmzulegen drohen, werden die Weichenheizungen automatisch durch einen Temperatursensor aktiviert und bringen den Schnee im Weichenbereich zum Schmelzen. Bei höheren Schneelagen sowie widrigen Witterungsverhältnissen mit zusätzlichem Wind müssen größere Geräte wie etwa ein 10.000 PS starker Schienenschneepflug oder eine Weichenkehrmaschine zum Einsatz gebracht werden. Dabei agiert die Weichenkehrmaschine nahezu identisch wie eine klassische Kehrmaschine auf der Straße. Durch sich schnell drehende Rollen mit aufgesetzten Besen wird der Schnee aus den Zwischenräumen geputzt und seitlich gelagert.

40 Millionen Euro

Die ÖBB investieren jährlich rund 40 Mio. Euro in den Winterdienst. Bei starken Schneefällen arbeiten bis zu 5.000 Mitarbeiter in ganz Österreich im Schichtbetrieb vor allem im Gleis- und Weichenbereich sowie an den Bahnsteigen, damit die Fahrgäste zuverlässig und sicher ins Büro oder nach Hause kommen. Rund 120 Techniker, Lehnenmeister und Lehnenarbeiter sorgen österreichweit dafür, dass sich die Infrastrukturanlagen (wie Lawinenverbauungen, Steinschlagnetze, etc.) in einwandfreiem Zustand befinden. Trotz der vielen getroffenen Maßnahmen kann es beim Zusammentreffen von Schnee, Eis, Wind und Kälte dennoch zu einzelnen Problemen kommen. Wichtig ist, dass wir uns professionell auf den Winter vorbereitet haben um auf etwaige Einschränkungen noch besser reagieren zu können. Die wichtigsten Punkte sind:
· Erweiterung der Bereitschaften je nach Wetterprognosen / erwartete Schnee- und Sturmeinsätze
·An den Einsatzstandorten in Westösterreich (etwa Bludenz, Landeck, Innsbruck, Wörgl, Saalfelden etc.) Vorsorge mit speziellen Einsatzgeräten
· Das sind Schienenschneepflüge sowie die Schneekehrmaschinen und auch für Handarbeit (Schneefräsen, Personal und Gerät)
· Bereits im laufenden Jahr wurden Baumschnitt und Mäharbeiten entlang der Bahn umgesetzt um etwaigen Vorfällen (Baum fällt in Oberleitung) vorzubeugen
· Die beteiligten Firmen die für die Räumung der kundenrelevanten Bereiche (Bahnsteige, Park+Ride Anlagen, Vorplätze) sorgen, wurden sensibilisiert und sicherheitstechnisch unterwiesen
· Alle Bereiche sind sensibilisiert – auch die Kundeninformation wird verstärkt um bei Vorfällen die Fahrgäste rasch und effizient zu informieren

Winterdienst ist oft „Handarbeit“

Auch wenn die Gleise meist mit Schneepflügen, Schneefräsen und Schneebürsten vom Schnee befreit werden, ist der Winterdienst oft „Handarbeit“: Beispielsweise erfolgen die Schneeräumung von Weichen, das Enteisen von Brücken und Tunnel, das Abschaufeln von Bahnsteigdächern oder die Säuberung der Spurrillen bei Eisenbahnkreuzungen manuell.

Winterdienst auf mehr als 1.000 Bahnhöfen und Haltestellen

Im Anlassfall sind Winterdienstfirmen bereits in den frühen Morgenstunden im Einsatz und befreien mehr als 1.000 Bahnhöfe und Haltestellen von Eis und Schnee – das entspricht einer Fläche von rund 3 Millionen Quadratmetern. Da sich Wetterextreme häufen, sind für die Gewährleistung von sicheren Verkehrswegen immer kürzere Reaktionszeiten erforderlich. Die ÖBB setzen mit Investitionen in Lawinenverbauungen, Steinschlagschutznetze und Wildbachsperren auf Prävention statt auf punktuelle Gefahrenabwehr. Österreichweit werden von den ÖBB rund 165.000 Laufmeter Steinschlag- und Lawinenverbauungen betreut, rund 3.000 Hektar Felsflächen überwacht und rund 2.800 Hektar Schutzwälder bewirtschaftet. Datenbanken und geographische Informationssysteme unterstützen bei der Inspektion, Wartung, Instandsetzung und Erneuerung von Schutzbauten. Die Beteiligung und Initiierung von Forschungsprojekten garantiert zudem hohes technisches und wissenschaftliches Know-how.

Punktgenaue Wetterprognosen und ständige Verbesserungen

Entscheidend für die Aktivierung der Einsatzkräfte ist die Wettervorhersage. Die ÖBB verfügen seit einigen Jahren über ein sehr genaues Wetter-Vorwarnsystem (Schneehöhe, Wind, Temperatur). Damit erkennt man frühzeitig, ob ein Naturereignis Handlungsbedarf mit sich bringt. Dementsprechend werden die Bereitschaften organisiert und das Personal gegebenenfalls mobilisiert. Die Erfassung von Naturgefahrenpotenzialen ist auch die wichtigste Entscheidungsgrundlage für Präventivmaßnahmen und die Basis für die Planung von technischen Schutzmaßnahmen.
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