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La Boheme in St.Margarethen: Ein Highlight der Festspielsommers

Mimi und Rodolf im Duett
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Wolfgang Werner, Intendant und Spiritus Rector der Festspiele in St.Margarethen, ist mit „La Bohème“ wieder mal ein Glücksgriff gelungen. La Bohème auf die Riesenbühne des Römersteinbruchs zu hieven, ist an sich schon ein Kunststück. Dazu brauchte es ein starkes Team, das aus Robert Dornhelm, Filmemacher der Sonderklasse, Alfred Eschwé, der ein gern gesehener Gast an der Wiener Volksoper ist, und des weitgereiste Manfred Waba als Bühnenbildner besteht, damit dieses kammerspielartige Werk auf dem 60 Meter langen Schauplatz erfolgreich darzustellen ist. Bei knapp 30 Grad im Steinbruch kann der Winter durch einigen Finessen , wie z.B. durch rauchende Schornsteine über Paris vermittelt werden. Es ist die Liebe zum Detail. Dornheld hat sich mit dieser Breitwand-Regie für weitere Aufgaben im Klassik-Genre qualifiziert. Der Debütant setzt mit seinem opulenten Konzept und mit Hilfe seiner Mitstreiter (Licht, Kostüm, Bühne) eine Oper um, die eigentlich die wahrhaftige Wirkung in einem innigen Rahmen findet. Kongenialer Partner Dornhelms ist der Dirigent Alfred Eschwé. Der hat es mit sehr jungen Sängern zu tun, die den Maestro nur über den Bildschirm sehen können.

Zu den Details: Ja natürlich haben fast alle den Film mit Villazon und der Putin-Freundin Netrebko gesehen, manche haben auch Jonas Kaufmann in Erinnerung. Das alles sollte man besser ausblenden. Mit Merunas Vitulskis als leidenschaftlichem Rodolfo und Marianne Fiset als verliebte, leidensfähige Mimi steht in Sankt Margarethen ein Liebespaar auf der Bühne, die ihren Vorbildern gleichwertig sind. Gesanglich sowieso, darstellerisch meisterlich. Der junge Freundeskreis um diese Liebesverbindung sind Marcello, der nachdenkliche Maler (Josef Wagner), Musetta, die Extrovertierte und leidenschaftliche Freundin der Künstler (Siphiwe McKenzie), Colline, der Philosoph (Günes Gülre) und Schaunard, der Musiker (Gabriele Nani). Sie alle machen aus ihrer tristen finanziellen Lage kein Drama, sie leben und lieben. Sie finden im strengen Winter immer etwas zum Heizen, auch wenn es schon mal ein eigenes Manuskript sein sollte, und zum Essen, weil einer der Bohemiens immer einen Weg findet, Wein und Brot zu besorgen, selbst wenn er dafür zechprellen muss.

Zwei Liebesgeschichten sind der Inhalt des musikalischen Schauspiels. Die von Rodolfo und Mimi - eine innige durch Krankheit und Leid geprägte Love Story, und eine durch Untreue und Leidenschaft geprägte zwischen Marcello und Musetta. Das Luder Musetta flunkert alle Männer im Umkreis frivol an. Besonders die Reichen umgarnt sie, die dann die Rechnung für ihr ausschweifendes Leben bezahlen müssen. Ihre Liebe zu Marcello wird dadurch immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Sie finden aber am Ende zueinander. Rudolfo und Mimi stehen vor einem ganz anderen Problem. Der Glückzustand der Beiden dauert nur kurz. Mimi ist todkrank und Rodolfo hat kein Geld für Ärzte und Medikamente, die Mimi retten könnten. Noch ist es nicht so weit. Sie darf ihre Liebe zu Rodolfo ausleben. „Ich“ sagt er „bin Poet, und Mimi – Poesie“. Im Pariser Quartier Latin, im Café Monus (ein Bühnenbild, dass das Pariser Leben bis ins kleinste Detail auf die riesige Bühne zaubert), feiern die Reichen und die Lebenskünstler sowie unsere Protagonisten pralles Leben.

Im dritten und vierten Akt nimmt das Schicksal von Mimi einen tragischen Verlauf. Sie wird immer schwächer, schleppt sich bis zur Unterkunft der Bohemiens, um Rodolfo noch ein letztes Mal zu sehen, und bricht dort zusammen. Die Abschiedsszene, in Nahaufnahme bis in die letzte Reihe gut sichtbar, ist das berührendste, was ich bisher auf einer Opernbühne gesehen habe. Dornhelm schafft es, wie in einem Film die Zuschauer in die Geschichte hinein zu versetzen und die Tragik und Leidenschaft der Abschiedsszene mit Gänsehaut und feuchten Augen erleben zu lassen. Hier, im Römersteinbruch, wird das Leiden der Gezeichneten durch Projektionen hautnah erlebbar( intime Lichtregie vom Designer Michael Grundner). Mimi stirbt vor mehr als tausend Menschen einen unbarmherzigen Tod, und Rodolfo scheint vorerst nicht zu begreifen, welches Drama sich vor seinen Augen abspielt. Er glaubt, das Mimi schläft, aber Mimi ist schon tot und Rodolfo bemerkt und akzeptiert das als letzter. „Mimi… Mimi“ schmettert er ins etwa 7000 m² große Oval. Dem Publikum geht der Schmerz durch Mark und Bein. Adieu Mimi, ich hätte deinem Gesang noch stundenlang zuhören können.

Puccinis La Bohème ist einer der Spitzenreiter der Opernliteratur. Das Werk gehört zur musikalischen Klassik-Hitparade. Es ist eine Komposition, die oft Gefahr läuft, verkitscht zu werden. Nichts dergleichen passiert in St. Margarethen. Es passt einfach alles. Selbst die Staffage steht nicht sinnlos herum wie in vielen Operninszenierungen. Die begeisterungsfähigen Sänger, die Spielfreude des gesamten Ensembles, das Orchester aus dem off, die Regie und natürlich die Kulisse machen diesen Opernabend zu einem unvergesslichen Highlight dieses Festspielsommers.

Leider fällt kurz vor dem Ende, ein kleiner Teil des Publikums durch rüpelhaftes und respektloses Benehmen auf. Mitten in der intimen Szene zwischen Mimi und Rodolfo verlassen sie fluchtartig den Römersteinbruch, um schneller die Heimreise anzutreten. Darunter auch der sogenannte Medienzar Wolfgang F., wahrscheinlich sogar Ehrengast.

Chapeau, Wolfgang Werner. Gratulation Robert Dornhelm und dem ganzen Ensemble.

Nachsatz 1: Die Anfahrt nach St. Margarethen zur Premiere war geschäftsschädigend. Ein paar Polizisten lungerten herum, statt den Verkehr entsprechend zu lenken. Also, liebe Besucher aus Wien und Umgebung, rechtzeitig wegfahren, ca. 3 Stunden vor dem Vorstellungsbeginn. Sollten Sie wider Erwarten zu zeitig eintreffen, bietet das Festspielgelände ausreichend Speis und Trank.

Nachsatz 2: La Boheme wird bis zum 25.8., gespielt. Tickets gibt es bei oeticket.at oder unter 02680/42042

Nachsatz 3: Nächstes Jahr steht wieder einmal AIDA auf dem Programmzettel.

Nachsatz 4: Sichern Sie sich die Karten und fahren Sie zu den Festspielen in den Römersteinbruch. Sie erleben dort einen unvergesslichen musikalischen Abend.

Reinhard Hübl

Mimi und Rodolf im Duett
Im Café Monus herrscht pralles Leben

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