26.06.2017, 13:18 Uhr

Der Donaukanal als Graffiti-Leinwand

Kunst am Donaukanal: Viele Bilder werden schnell gecrossed.

Die Nähe zum Wasser lockt nicht nur Sportler und Partytiger an. Sprayer nutzen den Kanal als Atelier. Durch den großen Andrang werden allerdings viele Bilder unerkenntlich.

LEOPOLDSTADT/LANDSTRASSE. Das Angebot am Donaukanal ist so bunt gemischt wie seine Besucher. Gastronomie, wilde Partys und Kultclubs sind hier zu Hause. Statt grauer Wände sieht man bunt angemalte Mauern. Manche Stücke oder "Pieces", wie sie von Kennern genannt werden, sind echte Kunstwerke. Andere Wandbemalungen hingegen werden von den meisten als Verschandelung gesehen.

Die Graffiti-Profis Mario Hubinger und Stefan "Naskool" Fenzel von Colorgrow kennen die Szene und den Donaukanal sehr gut. "International gesehen präsentieren wir uns hier sehr schlecht", so Fenzel.

Der Donaukanal sei vor allem wegen der großen Fläche und der vielen Besucher interessant für die Künstler. "Außerdem ist es hier einfach schön. Das Wasser, der kühle Wind. Da macht das schon mehr Spaß", scherzt Fenzel. Dadurch kommt es aber auch zum Platzkampf. "Es gibt viele Bilder, die toll sind, allerdings überleben diese maximal zwei Tage", weiß der Künstler Naskool. Deswegen werden die meisten guten Bilder nach einer gewissen Zeit zu einer unerkennbaren Farbmasse. "Bei Stefan war es auch so. Er hat ein Bild an die Wand gesprüht und es wurde bereits am nächsten Tag gecrossed", so Manager Mario Hubinger. "Crossen" heißt in diesem Fall, das Bild eines anderen Sprayers durch Übermalen zu zerstören. "Und das ist auch das Problem. Es fehlt an gegenseitigem Respekt – und so kann es auch nicht besser werden", so Fenzel.

Lösungen unrealistisch

Am Donaukanal kommt es zum Clinch zwischen zwei Arten der Straßenkunst: organisierte, großflächige Bilder gegen aufwendig platzierte Schriftzüge. "Die ganzen Schriftzüge über Bilder oder an schwer erreichbaren Stellen kämpfen gegen die strukturierten, schönen Werke", so Fenzel. "Bei den Schriftzügen geht es vielen vor allem um den Nervenkitzel. Das hat mit Kunst wenig zu tun", ergänzt Hubinger.

Ein Lösungsansatz des Duos wäre ein Festival mit internationalen Künstlern. Nach ihren Vorstellungen würde man Graffiti-Künstler aus der ganzen Welt einladen, um einen Abschnitt des Donaukanals zu gestalten. Je besser die Qualität, desto länger überleben die guten Bilder. "Allerdings erfordert das eine Menge Arbeit und die Umsetzung ist eher unrealistisch", so Fenzel.
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Ottilie Ebner aus Brigittenau | 16.07.2017 | 14:28   Melden
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