Buchpräsentation
Wilhelmine Goldmann präsentierte ihr Buch "Rote Banditen"
- Andrea Gröbl (Büchereileiterin), Dr. Gerhard Zeillinger (Historiker), Wilhelmine Goldmann (Autorin), Monika Feichtinger (Bürgermeisterin) (v.l.)
- Foto: Thomas Hochebner
- hochgeladen von Gabor Ovari
Die Autorin las aus ihrem Werk und diskutierte mit dem interessierten Publikum über den Februaraufstand des Jahres 1934 und dessen folgenschweren Auswirkungen, besonders auch im Hinblick auf ihre eigene Familiengeschichte.
TRAISEN. Wilhelmine Goldmann präsentierte im Volksheim Traisen ihr Buch "Rote Banditen" - Geschichte einer sozialdemokratischen Familie. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Historiker und Schriftsteller Dr. Gerhard Zeillinger, dem Verfasser der Biografie des KZ-Überlebenden Walter Fantl, der ebenfalls Traisner Wurzeln hatte. Wilhelmine Goldmann wurde 1948 in Traisen als Tochter von Franz und Wilhelmine Lettner geboren. Sie studierte an der Hochschule für Welthandel, war 20 Jahre in der Arbeiterkammer Wien tätig und danach Managerin in Führungspositionen der ÖIAG, Postbus und ÖBB. Ihre Eltern engagierten sich bereits in jungen Jahren politisch und kämpften für soziale Gerechtigkeit und Bildung. So verteidigten sie im Schicksalsjahr 1934 als Schutzbündler die demokratische Republik gegen die Dollfuß-Diktatur. Beider Leben hing in den darauf folgenden Jahren an einem seidenen Faden und sie überlebten diese schwierige Zeit nur knapp. Franz Lettner nahm nach 1945 seine politische Tätigkeit in Traisen wieder auf, engagierte sich beim Wiederaufbau und wurde 1961 zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1968. Die Geschehnisse vor ihrer Geburt blieben Wilhelmine Goldmann lange verborgen. Über diese schmerzlichen Erfahrungen wurde in ihrer Herkunftsfamilie nicht gesprochen.
"Persönlich erzählt hat mir mein Vater davon kaum etwas",
berichtete die Tochter von Franz Lettner bei der Lesung im Volksheim.
"Er hat immer gesagt, jede Generation muss seine eigenen Erfahrungen machen."
Erst durch mühevolle Recherchearbeit habe sie nach seinem Tode die Geschichte ihrer Familie an die Oberfläche geholt. Beeindruckend schilderte die ehemalige Managerin die Erlebnisse ihres Vaters im Februar 1934, als er verhaftet und in St. Pölten inhaftiert wurde. Franz Lettner saß in der selben Zelle ein wie der junge Rohrbacher Victor Rauchenberger, der am 16. Februar gemeinsam mit einem anderen Schutzbündler, Johann Hoys, von einem Standgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt wurde. Sowohl Rauchenberger als auch Hoys wurden noch am selben Tag gehängt. Franz Lettner gab wenige Stunden vor der Hinrichtung Victor Rauchenberger in der Zelle noch das Versprechen, ihn nicht zu vergessen und immer an ihn zu denken. Dieses Versprechen hätte ihren Vater ein Leben lang begleitet, erklärte Frau Goldmann, und er wollte alles in seiner Macht Stehende tun, um der Nachwelt das Andenken zu erhalten. Heute erinnern in Traisen noch die Straßennamen "Rauchenbergergasse" und "Hoysstraße" an diese beiden Schutzbündler. Übrigens haben auch die "Ebnerstraße" und die "Dolezalstraße" in Traisen denselben geschichtlichen Hintergrund.
Absurde Behandlungsmethoden
Aber an der Mutter von Wilhelmine Goldmann gingen diese Ereignisse ebenfalls nicht spurlos vorüber. Aus Sorge um ihren inhaftierten Mann erlitt die junge Frau 1934 einen Nervenzusammenbruch, weil sie glaubte, dass er auch hingerichtet werden würde. Daraufhin kam sie in die damals als "Irrenanstalt" bezeichnete Einrichtung in Mauer-Öhling, aus der sie erst nach 3 Monaten wieder entlassen wurde. Dort musste sie absurde "Behandlungsmethoden" über sich ergehen lassen (unter anderem Typhusinjektionen!), während ihr Mann wegen des Verdachts des "Hochverrats" im Gefängnis in St. Pölten war. Die Mutter der Autorin überlebte diese Torturen nur mit Hilfe einer Krankenschwester, die sich sogar nach dem Aufenthalt in Mauer-Öhling rührend um sie kümmerte. Genauso wie ihr im Jahre 1991 verstorbener Vater möchte Wilhelmine Goldmann das Andenken an diese Zeit bewahren und mittels ihres Buches auch ihre Familiengeschichte der Nachwelt erhalten. Besonders wichtig sei ihr auch die historische Klärung, der man bis heute in allen politischen Lagern ausweiche. "Wer sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigt, der kann die Gegenwart nicht verstehen", so lautet ihr persönliches Credo. Im Anschluss an die von Dr. Gerhard Zeillinger professionell moderierte Veranstaltung gab es etliche Wortmeldungen aus dem Publikum und es wurde ausgiebig über die Thematik diskutiert.
Maßnahmen gegen das Vergessen
Bürgermeisterin Monika Feichtinger bedankte sich zum Abschluss bei den beiden Vortragenden für ihre Ausführungen und bei den Zuhörern für das zahlreiche Erscheinen. Sie betonte, dass auch die Gemeinde Traisen Massnahmen gegen das Vergessen setzen möchte. Man werde beispielsweise mit Hilfe von Gedenktafeln an der weiteren Sichtbarmachung der Geschichte im Ort arbeiten.
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