Bettler in Linz: "Wir wollen zurück nach Rumänien"

Die beiden Bettler wollen sich nicht der Kamera zeigen, sprachen aber ausführlich über ihr Schicksal.
  • Die beiden Bettler wollen sich nicht der Kamera zeigen, sprachen aber ausführlich über ihr Schicksal.
  • hochgeladen von Stefan Paul Miejski

LINZ. Wir treffen uns in einem ruhigen Raum in der Linzer Innenstadt. Darian* und Aurelia* haben sich schön gemacht für das Gespräch. Sie wirken gepflegt für Menschen, die sich nur in der öffentlichen Toilette im Park waschen können und in einem Zelt schlafen. Er ist 28, sie 24, beide sehen aber gut zehn Jahre älter aus. Mitgebracht haben sie auch ihre drei Töchter im Alter von sieben, vier und zwei Jahren. Drei Mädchen mit bezaubernden Kinderaugen. Sie sind müde, schlafen die meiste Zeit während des Interviews. Und auch wenn sie wach sind, verhalten sie sich ruhig, zurückhaltend. Sie schmiegen sich eng an ihre Eltern und versprühen Familienglück, als gebe es diese Armut nicht. Als hätten sie nicht eine Odysee hinter sich. "Wir sind vor fünf Monaten aus Rumänien ausgereist, um woanders Geld zu verdienen, damit wir uns in unserer Heimat eine billige Sozialwohnung und die Schule für unsere Kinder leisten können. In Rumänien hatten wir keinen Job und keine Perspektiven", sagt Aurelia. Im Jänner fanden sie Zuflucht in der Winternotversorgungsstelle der Caritas, seit Mai leben sie in einem Zelt im Wald. Jeden Tag ziehen sie durch die Linzer Straßen, um etwas Geld zu sammeln. "Wir halten nur die Hände auf, sprechen keine Leute aggressiv an. Wir bekommen so ungefähr fünf Euro pro Tag. Das geben wir aus, um unseren Kindern etwas zu essen zu geben", sagt Aurelia. Sie ist mager. Genau wie ihr Mann. "Wir würden jede Arbeit annehmen, es gibt nichts, was wir nicht machen würden", sagt Darian. Eine Berufsausbildung haben die beiden nie gemacht.

Angst vor der Polizei
Gleich mehrmals betonen sie ihre große Angst vor der Polizei. "Sie drohen uns, die Kinder wegzunehmen und uns ins Gefängnis zu stecken", sagt Darian und legt einen Zettel auf den Tisch. Eine Organstrafe der Polizei, Höhe 100 Euro, überbracht vom Ordnungsdienst. "Wir müssten mittlerweile 1500 Euro zahlen, aber wir haben kein Geld", sagt Aurelia. "Ins Gefängnis mussten wir Gott sei Dank noch nicht", sagt ihr Mann und klopft dreimal auf den Tisch. Die Vorgehensweise der Polizei ist korrekt, Aurelia und Darian verstoßen gegen das Gesetz, weil sie mit ihren Kindern betteln. "Aber wo sollen wir unser Kinder denn hinbringen? Ich gebe meine Töchter nicht her, sie sind das Wichtigste in meinem Leben. Die Kinder gehören uns, nicht der Polizei", hat Aurelia kaum Verständnis. Sorgen macht sie sich vor allem um ihre älteste Tochter. "Sie hat einen Herzfehler und braucht eine Operation."

Keine Organisation
Die Frage nach organisiertem Betteln mit Hintermännern in Rumänien löst keine besonderen Emotionen aus. "Wir haben so etwas noch nie gesehen. Wie soll das funktionieren? Ich kann mir das nicht vorstellen", sagt Aurelia. Überhaupt wollen sie längst nicht mehr in Österreich sein. "Viele Menschen verachten uns hier. Die Polizei sagt, wir sollen zurück nach Rumänien gehen. Das würde ich sehr gerne machen, wir sind dort geboren und werden dort sterben. Aber wir brauchen das nötige Geld für das Zugticket." Aurelia und Darian werden mit ihren drei Kindern wohl noch einige Zeit in Linz verbringen. Bis sich ihr Wunsch dann erfüllt und es zurück in die Heimat geht. Zurück in die Perspektivlosigkeit, die sie vor fünf Monaten verlassen haben.

* Namen von der Redaktion geändert

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